„Die neuen Formen der sozialen Sünde“

Bischof Gianfranco Girotti: Begleiterscheinungen der unaufhaltsamen Globalisierung

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ROM, 12. März 2008 (ZENIT.org).- Die soziale Dimension der Sünde hat Bischof Gianfranco Girotti OFM Conv., Regent der Apostolischen Poenitentiare, in einem Interview der Vatikan-Zeitung „L'Osservatore Romano“, betont und eine Liste von Sünden genannt, die „gleichsam als Begleiterscheinungen der unaufhaltsamen Globalisierung am Horizont der Menschheit auftauchen“.

Die italienische Tageszeitung „Repubblica“ hat den Überlegungen des Regens mit der Überschrift: „Zu viel Geld und Smog: die neuen Todsünden“ ein internationales Presseecho verschafft.

Der Heilige Stuhl habe das Register der Sünden erweitert, neue Todsünden in der katholischen Kirche, so die Schlagzeilen. Der Vatikan habe nun die zehn Gebote um neumodische Laster erweitert, zu denen nun auch der Handel und das Nehmen von Drogen, Umweltverschmutzung, Genmanipulation und die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich gehörten.

Tatsächlich erklärte Monsignore Gianfranco Girotti in einem Interview der Vatikan-Zeitung „L'Osservatore Romano" mit dem Titel „Le Nuove Forme del Peccato Sociale", „Die neuen Formen der sozialen Sünde", sündhaftes Verhalten betreffe nicht nur den Einzelnen, sondern habe wegen der zunehmenden Globalisierung immer mehr soziale Auswirkungen und schade der Gesellschaft.

Die Englische Bischofskonferenz hat deshalb gestern auch klargestellt, dass die Antwort auf Frage der Journalisten nach einer Liste neuer Sünden, keineswegs eine Lehramtliche Innovation sei. Nannte doch Bischof Girotti, der Regens der Apostolischen Pönitentiarie, in dem am Sonntag veröffentlichten Interview die Verletzung grundlegender Rechte „durch Experimente, genetische Manipulationen", die Umweltverschmutzung die sich mit Gnadenerweisen und dem Ablasswesen befasst", Sünde.

Bischof Gianfranco Girotti erklärt zu der Liste, die bei einem Fortbildungskurs für Beichtväter erarbeitet wurde: Es sind Sünden, die „gleichsam als Begleiterscheinungen der unaufhaltsamen Globalisierung am Horizont der Menschheit auftauchen".

Gläubige Christen, so Girotti, sollen sich bewusst sein, dass sie Gott nicht nur durch Verstoß gegen die traditionellen zehn Gebote beleidigen, sondern auch dadurch, dass sie die Umwelt ruinieren oder moralisch fragwürdige menschliche Experimente machen, die die DNA verändern. ,,Sünder" sind auch jene Mächtigen in Gesellschaft und Politik, die durch ihr Handeln Armut auslösen oder Reichtümer für eine kleine Clique zusammenraffen.

Äußerst kritisch sieht die Kirche den Bereich der Bioethik, „in dem durch genetische Manipulation oft die Grundrechte der menschlichen Natur verletzt werden". Sündig handeln ferner Rauschgiftkonsumenten und erst recht die Dealer. Als „schwere Sünde" gilt weiterhin die Abtreibung, wobei Girotti betont, dass die Kirche bemüht sei, „im Widerspruch zu den heutigen Tendenzen die Würde und die Rechte der Frau zu schützen".

Schließlich geht es dem Bischof auch um die soziale Ungerechtigkeit, „durch die Armer noch ärmer und Reiche umso reicher werden und so eine unhaltbare soziale Ungerechtigkeit nähren".