„Die neuen Grenzen der Genetik“ – eine Tagung im Vatikan

Die Gefahr der Eugenik existiert nicht nur theoretisch

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ROM, 17. Februar 2009 (ZENIT.org).- Am 20. und 21. Februar findet im Vatikan ein internationaler Kongress zum Thema „Die neuen Grenzen der Genetik“ statt. Die Tagung wird von der Päpstlichen Akademie für das Leben anlässlich ihrer 15. Generalversammlung organisiert. Am heutigen Vormittag wurden die Inhalte und Ziele des Kongresses im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.



Der Präsident der Akademie, Erzbischof Salvatore Fisichella, erklärte, dass das vorrangige Ziel der Tagungsarbeiten darin bestehe festzustellen, ob in der aktuellen genetischen Forschung Aspekte vorhanden seien, durch die de facto Eugenik verwirklicht werde.

Die neuen Errungenschaften im Bereich der Genetik gehören nach Worten Fisichellas zum steten und manchmal geradezu frenetischen technologischen Fortschritt. Heute sei es möglich, Tausende von Gene zu sequenzieren und dadurch verschiedene Arten von Krankheiten zu erkennen. So werde es möglich, Erbkrankheiten zu überwinden.

Jede wissenschaftliche Erkenntnis habe jedoch zwei Gesichter, die Schönheit beziehungsweise Tragik offenbarten: Diverse wissenschaftliche Projekte brächten ein ethisches Urteil mit sich, was insbesondere dann der Fall sei, wenn im Namen der „Normalität des Lebens“ Eugenik unterstützt werde.

Der Erzbischof bezeichnete eine solche Sicht als „reduktiv“. Sie komme der Ansicht nahe, dass es Menschen gebe, denen ein höherer Wert zukomme als anderen.

Ein derartiger sprachlicher Formalismus, der durch gute Werbung und starke wirtschaftliche Interessen gefördert werde, verschleiere die wahren Gefahren und trage zur Entstehung einer Mentalität bei, die nicht mehr imstande sei, das objektiv Schlechte zu erkennen und ein ethisches Urteil zu fällen. Die Gefahr der Eugenik ist für Fisichella nicht nur theoretischer Natur, sondern gehört zu einer weit verbreiteten Denkart.

Zu den Zielen des Kongresses gehört es aber auch, die Aufmerksamkeit auf die beachtenswerten Vorteile der genetischen Forschung zu lenken, wenn die von der Eugenik in Aussicht gestellten Verkürzungen vermieden werden.

Bruno Dallapiccola, Professor für klinische Genetik an der römischen Universität „La Sapienza“ erläuterte, dass die Verbreitung der Genomanalyse nicht nur zur dazu diene, das Leben der Menschen durch die Medizin zu bestimmen, sondern auch zur Änderung der Gestalt des Arztes. Das „postgenomische Zeitalter“ laufe Gefahr, eine weitere Involution der Gestalt des Arztes hervorzubringen. Dieser sei möglicherweise dazu bestimmt, ein „Genomiker“ zu werden, das heißt ein Spezialist, der die Daten liest, die von modernsten Verfahren geliefert würden.

Aus diesem Grund sei Kritik sowohl gegenüber den „Reduktionisten“ angebracht, die die Ansicht vertreten, dass die Sequenzierung des Genoms ausreichend sei, um den Sinn des menschlichen Lebens zu klären, als auch gegenüber den „Deterministen“, die meinen, allein durch die DNA das biologische Schicksal eines Menschen voraussagen zu können.