Die Neuevangelisierung kann auf keine andere Weise umgesetzt werden als die Erstevangelisierung

Gesellschaften wie auch die Kirchenführer sind in Habsucht und in der Sünde gefangen: Ansprache des Rumänischen Bischofs Virgil Bercea von Oradea Mare, Gran Varadino

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VATIKANSTADT, 16. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ Die Neuevangelisierung brauche keine neuen Strukturen, sondern Heilige, Propheten, Männer und Frauen, die vom Heiligen Geist erfüllt sind. Skandale, schlechte Leitung, ein materialistischer Lebensstil und der Verlust des pastoralen Eifers seien auch Kennzeichen des pastoralen Führungspersonals. So der Rumänische Bischof Virgil Bercea bei der 11. Generalkongregation am 15. Oktober unter Leitung des turnusmäßigen Delegierten Präsidenten, Bischof John Tong Hon von Hong Kong, in seiner Ansprache.

Der Ruf nach einer Neuevangelisierung setze die Erkenntnis voraus, dass unsere gegenwärtigen Methoden und Ausdrucksformen nicht länger anziehend und ansprechend seien in einer Welt, die von Veränderungen mitgerissen werde, deren Ursache nicht nur vom wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt, sondern auch in der Habsucht der Menschen zu suchen seien.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei versucht worden, die Zeichen der Zeit zu deuten. Viele Stellungnahmen und Ermahnungen seien für die Ortskirchen herausgegeben worden, um den veränderten Situationen mit Mut und Hoffnung gerecht zu werden. Aber die Botschaften seien nicht schnell genug und nicht überall verbreitet worden.

„Wir müssen in aller Demut zugeben, dass die Antworten, die wir in der Vergangenheit gegeben haben, von den Veränderungen in unserer Welt überholt worden sind“, so Bercea.

Die Einzelnen und die Gesellschaften seien in den Strukturen und Gelegenheiten der Sünde gefangen. „Wir sind ganz einfach unfähig, Lösungen für Einzelne und für diese Gesellschaften anzubieten“, erklärte der Bischof. Die Stimmen der Kirche würden entweder von den nationalen Gesetzen oder von mächtigen Kräften unterdrückt, die die Medien kontrollierten. Dazu kämen noch die Ausmaße, die die Tendenz zu Fanatismus und Extremismus angenommen hätten (vgl. IL 63-67). Das alles mache es dringend erforderlich, dass die Methoden für die Weitergabe der Lehre der Kirche nicht nur im Ausdruck, sondern auch in der Wortwahl und in den Mitteln überdacht würden.

Die getauften Laien als Minderheiten in gewissen Regionen, z.B. in Asien, müssten so ausgebildet werden, dass sie kritischen Situationen, in denen ihr Glaube bedroht ist, gewachsen seien. Der interreligiöse Dialog müsse zum festen Bestandteil ihrer Tagesordnung für die neue Evangelisierung werden. Gleichzeitig müsse gewährleistet sein, dass zuerst die Grundrechte der christlichen Minderheiten in gewissen Regionen geschützt würden, und dann müsse ihr Glaube gestärkt werden.

„Wenn schon das Führungspersonal der Kirche nicht fähig ist, den Veränderungen in unserer Welt zu widerstehen, wie sollen sie dann anderen helfen können? Skandale, schlechte Leitung, ein materialistischer Lebensstil und der Verlust des pastoralen Eifers gehören zu den Herausforderungen unserer Sendung zur Evangelisierung“, mahnte er. 

In Anbetracht des besonderen Status der geweihten Amtsträger müsse die Seminarsausbildung gründlich überdacht werden. Das fast monastische, intellektuelle, leichte und komfortable (von der Welt abgeschnittene) Leben sei nicht in der Lage, Seelsorger zu formen, auf die Nöte der Menschen von heute und morgen eine entscheidende Antwort zu geben wüssten.

Letztlich stelle sich die Frage, wie man den Gläubigen helfen könne, nach wie vor glaubwürdige Zeugen des Evangeliums in unserer heutigen Welt zu sein.

Der Bischof machte den Vorschlag, die Soziallehre der Kirche zu einem wichtigen und wesentlichen Bestandteil der Katechesen und Predigten zu machen.

„So kann die durch die Soziallehre erläuterte Frohbotschaft für den wissbegierigen Geist des modernen Menschen vielleicht schmackhafter gemacht werden“, schloss er. [jb]