Die offenen Wunden von Scheidung und Abtreibung und ihre Heilung

Die wichtige Rolle der Kirche, das Menschen Vergebung erfahren

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ROM, 9. April 2008 (ZENIT.org).- Der Schmerz und das Leiden, das durch Scheidung und Abtreibung entsteht, hält viele davon ab, ein erfülltes Leben aus dem Glaubens zu leben, stellte eine Internationale Konferenz in Rom mit Blick auf die pastorale Situation der Kinder fest, die von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind. Ebenfalls betroffen seien auch Eltern, die ihre Kinder abgetrieben haben.

Der zweitägige Kongress mit dem Titel „Öl auf die Wunden: Eine Antwort auf die Konsequenzen von Scheidung und Abtreibung" wurde vom Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie und den „Knights of Columbus“ organisiert. Er endete vergangenen Samstag (5. April) in Rom.

Victoria Thorn, Gründerin des Projektes Rachel, berichtete, dass „die innere Gebrochenheit auf Grund von Abtreibung Millionen von Menschen davon abhält, ihren Weg im Glauben zu gehen und das göttliche Leben in vollem Umfang zu erleben".

„Die Wunde der Abtreibung", so Thorn, „ist sowohl geistlicher als auch menschlicher Art, und sie muss in beiden Bereichen aufgearbeitet werden, um geheilt zu werden".

Eine Frau, die eine Abtreibung durchgemacht hat, glaube, „dass sie eine unverzeihliche Sünde begangen hat. Das ist der Kern der spirituellen Wunde. Sie ist eine Mutter, die weiß, dass sie verantwortlich für den Tod ihres Kindes ist; eines Kind, dem sie nie erlaubte, geboren zu werden, gesehen und aufgezogen zu werden. Das ist der Kern der menschlichen Wunde."

Mutter Mary Agnes Donovan von den „Sisters of Life" in New York erklärte: „Das Problem mit jeder Abtreibung ist, dass sie einen tiefen und unvermeidlichen Schaden beim Einzelnen anrichtet. Nun steht sie ganz alleine da und passt nirgendwo hin, weil man diese Kategorie von Erfahrung so nicht greifen kann. Wenn da jemand auch nur ein Fünkchen von Glauben oder religiöser Überzeugung oder moralische Bildung hatte, so ist es jetzt durch Schuldgefühle verschüttet. Eine Schuld, die sich ganz tief ins Unbewusste eingraben kann, und zwar durch die Kräfte. die am Werk sind; so etwas wird dann zu so etwas wie einem Krebs in der Seele."

Über das Thema „Der Glaube und Kinder von Geschiedenen" referierte Elizabeth Marquardt, Vizepräsidentin des Zentrums für Ehe und Familie am „Institut für Amerikanische Werte in New York". Sie erklärte in ihrem Vortrag, dass die Forschung zeige, wie „die erwachsenen Kinder von Geschiedenen sagen, dass es nicht so etwas wie eine ‚gute' Scheidung gibt".

„Selbst ‚gütliche' oder ‚gute' Scheidungen verlangen von den Kindern, dass sie zwischen zwei Welten aufwachsen und dass sie sich ihren eigenen Reim auf die oft dramatisch unterschiedlichen Überzeugungen, Werte und Lebensweisen ihrer Eltern machen. Wenn Eltern sich scheiden lassen", so fuhr sie fort, „hört die harte Aufgabe, die sich mit dem Konflikt zwischen den Welten stellt, nicht unbedingt auf. Stattdessen bürdet die Scheidung diese Aufgabe, den beiden Welten einen Sinn zu geben, dem Kind allein auf. Die Folge ist, dass die Scheidung einen dauerhaften inneren Konflikt in die Lebenswelt der Kinder trägt. Dieser innere Konflikt belastet die Kinder so sehr, dass sie zu früh erwachsen werden."

Die Kinder von Geschiedenen, so fügte Marquardt hinzu, „fühlen sich selbst auch manchmal innerlich gespalten, gewissermaßen hin und her gerissen zwischen den Welten ihrer Eltern. Sie haben das Gefühl, sehr einsam zu sein. Sie werden vorsichtig und oft auch verschlossen. Sie wissen nicht, wo sie hingehören. Sie haben das Gefühl, mit den großen Fragen des Lebens alleine klar kommen zu müssen. Sie kämpfen mit einem hohen Verlust, der Auswirkungen auf ihr spirituelles Leben hat. Und sie tun dies in aller Abgeschiedenheit und Stille, weil niemand jemals über die Arbeit redet, die man ihnen aufgebürdet hat: alleine den zwei verschiedene Welten ihrer Eltern einen Sinn zu geben".

Marquardt gibt in ihrem Forschungsbericht zu bedenken, dass viele Kinder von Geschiedenen es schwierig finden, Gott als Vater zu erfahren, weil ihre eigenen Eltern eine distanzierte Beziehung leben. Diejenigen, die einen Glauben besitzen, versuchten in ihrer Beziehung zu Gott die Lücke zu füllen, die ein fehlender liebender Vater oder fehlende Eltern hinterlassen haben. Gott sei in diesem Sinn die Antwort auf ihre Einsamkeit.

„Aber es ist klar", schloss Marquardt, „ob sie nun mehr oder weniger religiös sind: Der spirituelle Weg der Kinder von Geschiedenen spiegelt konsequent ihre Geschichte von Verlust, Schmerz und Einsamkeit wider."

Marquardt betonte, dass die Kirchen eine enorme Hilfe für Kinder und Familien bieten könnten, die von Scheidung betroffen sind, indem das Thema in der Verkündigung gerade eben nicht vermieden werde, auch wenn es unbequem sei. „Es ist möglich, vollständig einfühlsam mit Kindern von Geschiedenen zu sein und die Bedeutung der Ehe zu betonen, während man gleichzeitig die Alleinerziehenden und die geschiedenen Eltern bestärkt und unterstützt."

Thorn wies auch darauf hin, dass „die Sünde der Abtreibung mittlerweile so allgegenwärtig und so überwältigend ist, dass es heute unbedingt notwendig ist, dass die Kirche nicht nur ihre prophetische Haltung beim Schutz des ungeborenen menschlichen Lebens zeigt, sondern auch zur Heilung der Millionen von Menschen beiträgt, die in das Übel der Abtreibung, freiwillig oder unter Zwang, informiert oder nicht, hineingezogen worden sind: Ihnen muss Gottes Vergebung und Heilung vermittelt werden."

„Frauen, die durch Gottes Gnade und Liebe Heilung erfahren, führen keine Abtreibungen mehr durch. Männer, die sich von der Abtreibung wieder erholen, arbeiten gewissenhaft daran, dass es keine Schwangerschaftsabbrüche mehr gibt, und ebenso die Frauen." Tatsächlich, so resümierte Thorn, würden solche Menschen „zu Eckpfeilern einer Kultur des Lebens".

Von Carrie Gress, aus dem Englischen übersetzt durch Angela Reddemann und Dominik Hartig