Die ökumenische Gesinnung von Kardinal König weitertragen

Gedenkgottesdienst mit Kardinal Schönborn und dem Patriarchen von Konstantinopel im Wiener Stephansdom

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WIEN, 14. März 2007 (ZENIT.org).- Für grenzenlose Weitsicht und Offenheit sowie gegen jede Form von menschlicher „Kleingeisterei“ sprachen sich der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., am Dienstagabend im Wiener Stephansdom aus.



Während des Gedenkgottesdienstes zum dritten Jahrestag des Todes von Kardinal König, bei dem alle österreichischen Bischöfe konzelebrierten, unterstrich Hauptzelebrant Kardinal Schönborn den nicht zu unterschätzenden Wert der Barmherzigkeit. Sie bilde nach Worten Johannes Pauls II. das Maß der christlichen Vollkommenheit und sei der „wahre Horizont, vor dem alles Zusammenleben der Menschen erst den Namen ‚menschlich‘ verdient“. Um selbst barmherzig zu sein, müsse man zuerst die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes machen; sie befähige den Menschen zudem, die eigene Schuldhaftigkeit einzusehen und Gott um Verzeihung zu bitten.

Die Aufforderung Jesu im Tagesevangelium – nicht sieben Mal zu vergeben, sondern 77 Mal (vgl. Mt 18,21-35) – sei nicht utopisch; wir lebten vielmehr allzu oft an der Realität vorbei und hätten keine Augen für das grenzenlose Erbarmen Gottes, fuhr Kardinal Schönborn fort. Während Gott dem Menschen zehntausend Talente – ein ganzes „Staatsbudget“ – zukommen lasse und schließlich zur Gänze schenke, fordere der Mensch in seiner „Kleingeisterei“ die hundert Denare, die er seinem Bruder geborgt hatte, zurück; und dabei kenne er kein Erbarmen.

Kardinal Schönborn rief deshalb zur Selbstanklage auf und dazu, sich wie sein Vorvorgänger im Amt des Erzbischofs von Wien, Kardinal König, der „ganzen Wucht der Frohen Botschaft“ auszusetzen.

Im Anschluss an den Festgottesdienst wurde dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel der diesjährige Kardinal-König-Preis verliehen. Der Patriarch, der die Auszeichnung für seinen Einsatz um die Förderung der Einheit aller Christen aus der Hand von Bischof Egon Kapellari, dem Präsidenten der Stiftung „Communio et Progressio“, entgegennahm, würdigte die ökumenische Gesinnung von Kardinal König, die es weiterhin zu pflegen gelte.

Kardinal König war 1969 im Auftrag des damaligen Papstes Johannes XXIII. nach Istanbul gereist, um mit Patriarch Athenagoras (1948–1972) zusammenzutreffen und das jahrhundertelange Schweigen zwischen den getrennten Schwesterkirchen zu beenden. Als Gründer und erster Präsident der Stiftung Pro Oriente hatte er sein ganzes Leben lang die gegenseitige Verständigung zwischen Christen, Religionen und Kulturen gefördert.

Patriarch Bartholomaios I. bezeichnete Kardinal König als „Pionier der Ökumene“ und bekundete seine Bereitschaft, sich wie Papst Benedikt XVI. mit aller Kraft für eine Vertiefung der Einheit unter den Christen und der Angehörigen aller Religionen einzusetzen. Das gemeinsame und damit glaubhafte Zeugnis der Christen sei gerade auch mit Blick auf die Zukunft Europas von größter Bedeutung.

Die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz halten in diesen Tagen im Burgenland ihre Frühjahrsvollversammlung ab. Unter anderem befassen sie sich mit den Vorbereitungen auf den Besuch von Papst Benedikt XVI. im September.