Die Olympische Fackel der Weltjugendtage

Kurzer Blick auf die Geschichte des WJT-Kreuzes

Rom, (ZENIT.org) P. Thomas Rosica, CSB | 286 klicks

Viele der an den Weltjugendtagen anwesenden Journalisten und Schaulustige gaben den großen internationalen Zusammentreffen den Beinamen „katholische Olympiaden“. Manche bezeichneten das Weltjugendtageskreuz als die olympische Fackel des kirchlichen Großereignisses. An dieser Stelle ist ein kurzer Blick auf die Geschichte des Weltjugendtageskreuzes interessant. Dieses ist bekannt unter den Namen „Kreuz des Heiligen Jahres“, „Jubiläumskreuz“, „WJT-Kreuz“, „Pilgerkreuz“. Manche nennen es einfach „Jugendkreuz“, da Papst Johannes Paul II. es jungen Menschen während des Heiligen Jahres der Erlösung (1983-1984) gab, damit es in Pilgerfahrten rund um die Welt getragen werde. Bei der Übergabe des Kreuzes an die jungen Menschen sagte Johannes Paul II.: „Liebe jungen Menschen, am Ende des Heiligen Jahres vertraue ich euch das Zeichen dieses Jubiläumsjahres an: das Kreuz Christi! Tragt es in alle Welt als Symbol der Liebe Christi zur Menschheit, und verkündigt allen Menschen, dass wir allein im Tod und in der Auferstehung Christi Erlösung und Rettung finden können“ (22. April 1984, eigene Übersetzung).

Das erste Ziel der Pilgerfahrt des Kreuzes des Heiligen Jahres (wie es zunächst bezeichnet wurde) war München, anlässlich des ,„Katholikentages,“ im Juli 1984. Von Deutschland reiste es weiter in die Stadt Prag, die sich damals noch hinter dem Eisernen Vorhang befand. In dem von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Jugend ausgerufenen Jahr 1985 entstand die bis heute anhaltende Assoziation des einfachen Holzkreuzes mit dem WJT. Damit begann eine große Pilgerreise des Kreuzes in jeden Teil der Erde. Im Jahre 1985 reiste das Kreuz quer durch Europa nach Italien, Frankreich, Luxemburg, Irland, Schottland, Malta und Deutschland.

Die weiteste Reise des Kreuzes führte im Jahr 2002 nach Toronto.

Das Kreuz ist seit den Anfängen ein Bestandteil der Weltjugendtage. Ich möchte jedoch ein ganz spezifisches internationales Ereignis kurz beschreiben. Dabei handelt es sich um die beschwerlichste und vielleicht historisch bedeutendste Pilgerreise des Kreuzes. Am Palmsonntag, dem 11. April 2001, wurde das Weltjugendtagskreuz der kanadischen Kirche von jungen Menschen aus Italien übergeben, wo der Weltjugendtag im Heiligen Jahr 2000 in einer beeindruckenden Zeremonie im Petersdom begangen worden war. Am darauffolgenden Tag überquerte das Kreuz im Flugzeug den Atlantik und trat seine längste, durch ein riesiges Land führende Pilgerfahrt an. In den kommenden 14 Monaten wurde es zum Passagier von Leichtflugzeugen, Hundeschlitten, Kleintransportern, Traktoren, Bussen, Segelbooten und Fischerbooten und besuchte Pfarrkirchen, Jugendhaftanstalten, Krankenhäuser und Pflegeheime, Gefängnisse, Schulen, Universitäten, Sehenswürdigkeiten des Landes, Einkaufszentren, Straßen der Innenstadt, Vergnügungsvierteln und Parks.

Diese Pilgerfahrt des kanadischen Kreuzes erlebte im Februar 2002 eine dreitätige Unterbrechung. Dabei wurde es mit der Erlaubnis und dem Segen von Papst Johannes Paul II. nach der Tragödie des 11. Septembers als Zeichen der Hoffnung für die Menschen in den Vereinigten Staaten und für die ganze Welt an das Gelände des ehemaligen World Trade Centers in New York gebracht.

Zuvor hatte der Botschafter des Vatikans bei der UNO, Erzbischof Renato Martino, an einem kalten Morgen im Februar im Rahmen seiner Predigt bei einer hl. Messe in einer Pfarrkirche unweit des Sitzes der Vereinten Nationen vor einer Delegation der kanadischen Jugend, Rettungsassistenten, der kanadischen Polizei und Feuerwehrleute folgende bewegende Worte gesprochen: „Was ihr bei eurem heutigen Besuch von ‚Ground Zero‘ sehen werdet, ist eine Folge der Sünde: ein Krater von Schmutz und Asche, menschlicher Zerstörung und Leid; einen Überrest der Sünde von einem nicht mit Worten zu erklärenden Ausmaß des Bösen. Dennoch ist es niemals genug, über die Folgen des Terrorismus, die von ihm verursachte Zerstörung oder die Verantwortlichen zu sprechen. Jenen, die infolge dieser Tragödie ihr Leben verloren, erweisen wir einen schlechten Dienst, wenn wir nicht nach den Ursachen suchen. Diese Suche bringt ein weites Feld an politischen, wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und kulturellen Faktoren zum Vorschein. Der gemeinsame Nenner dieser Faktoren ist der Hass; ein Hass, der Völker und Regionen transzendiert. Es handelt sich um einen Hass der Menschheit an sich, der selbst jene tötet, die von ihm erfüllt sind.

Nach dieser Liturgie begleiteten die New Yorker Polizei und Feuerwehrleute unseren mit den folgenden Worten von Johannes Paul II. umgebenen Konvoi von Bussen: Das Kreuz geht mit den jungen Menschen, und die jungen Menschen gehen mit dem Kreuz nach Lower Manhatten und in das riesige unter dem Namen ‚Ground Zero‘ bekannte Zerstörungsgebiet. Anschließend kam es zu einer öffentlichen Manifestation des Protestes und des Mutes. Sechs junge Menschen von der Delegation des Weltjugendtages 2002 nahmen das große Kreuz aus dem eigens dafür gebauten Anhänger und trugen es in Prozession auf die speziell zu diesem Zweck errichtete Plattform. Gemeinsam sangen wir alle den Taizé-Refrain: „Jesus, erinnere dich an mich, wenn du in dein Königreich eintrittst.“ Mit uns in der Prozession befand sich die Familie eines aus Kanada stammenden Opfers der Tragödie vom 11. September. Bei der Aufstellung des Kreuzes an den Rand des nach der Zerstörung der Zwillingstürme zurückgebliebenen riesigen Kraters, wurden die Gesänge lauter und erhoben sich über die Hintergrundgeräusche der Schutt entfernenden Lastwägen und Kräne. An diesem Ort, der laut von Zerstörung, Verwüstung, Terror und Tod sprach, errichteten wir ein Holzkreuz – ein in das zentrale lebensspendende Symbol des Christentums verwandeltes Werkzeug des Todes. Die Bedeutung der Aktion war an niemandem spurlos vorübergegangen gegangen.

Seit dem 11. April 2001 hat das Weltjugendtagskreuz drei an Kanada grenzende Ozeane berührt. Es hat unsere Städte, Kleinstädte und ländlichen Gegenden besucht und dabei große Menschenmengen auf die Straßen geführt und Prozessionen, Gebete, Nachtwachen, Tränen, Momente der Versöhnung, Heilung und Frieden hervorgerufen hat. Diese Zeichen der Volksfrömmigkeit waren in der kirchlichen Landschaft Kanadas zu viele Jahre lang unauffindbar gewesen.

Die ausdrucksstarken Bilder des Weltjugendtagskreuzes während dessen historischer 43.000 km langen Reise durch mehr als 350 Städte, Kleinstädte und Dörfer von Ozean zu Ozean zu Oezan werden den Kanadiern wohl für immer in Erinnerung bleiben.

Die größte Pilgerfahrt des Kreuzes erlaubte den Kanadiern ein Wiederentdecken ihres Landes und ihrer tiefen christlichen Wurzeln. Bei seiner Ankunft auf kanadischem Boden im Juli 2002 charakterisierte der Papst die Wallfahrt des Kreuzes mit folgenden Worten: In der französischen Version eurer Nationalhymne „O Canada“, singt ihr: „Car ton bras sait porter l'épée, il sait porter la croix.“ [Begrüßungsansprache am Flughafen am 23. Juli 2002].

Es handelt sich um das gleiche Kreuz, das den Menschen in Brasilien und den angrenzenden Staaten in den vergangenen zwei Jahren als Werkzeug der Einheit, der Heilung und Versöhnung gedient hat.

Ich bin überzeugt davon, dass das Holzkreuz, dieser große Segen und Quell des Trostes, der Heilung, der Stärke und des Friedens für die Tausenden von Menschen, die es umarmt, berührt und geküsst haben und sich berühren ließen von der überwältigenden Botschaft und Erinnerung dessen, der auf ihm starb, eine bleibende Erinnerungen im Gastgeberland hinterlassen wird, nachdem alle Bewegung und aller Lärm rund um dem Weltjugendtag abgeebbt sein werden.

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P. Thomas Rosica, C.S.B. ist Vorstandsvorsitzender der “Salt and Light Catholic Media Foundation” in Kanada und nationaler Koordinator der kanadischen Bischofskonferenz für die Weltjugendtage in Kanada. Ferner unterstützt er das Presseamt des Heiligen Stuhls mit englischsprachiger Medienarbeit.