Die Ordenleute, "glaubhaftes und leuchtendes Zeichen des Evangeliums und seiner Paradoxe"

Begegnung des Papstes mit den Generaloberen und Generaloberinnen

| 530 klicks

ROM, 23. Mai 2006 (ZENIT.org).- Gestern, Montag, empfing Papst Benedikt XVI. 1.500 Generalobere und Generaloberinnen der Männer- und Frauenorden sowie der Gemeinschaften des Apostolischen Lebens im Vatikan.



In seiner Ansprache unterstrich der Papst, dass der Leitungsdienst eine "konstante Gegenwart" erfordere. Der Betreffende müsse in der Lage sein, zu motivieren und denen, die ihm anvertraut seien, gute Ratschläge zu geben. Auf diese Weise, so Benedikt XVI., sollte "den euch anvertrauten Menschen geholfen werden", damit sie mit einer immer wieder erneuerten Treue dem Ruf des Heiligen Geistes entsprechen könnten.

"Ihr seid dazu berufen, eure Brüder und Schwestern in einer keineswegs leichten Zeit zu begleiten, die von vielen Gefahren gekennzeichnet ist", fuhr der Heilige Vater fort. Den Ordensleuten käme heute die Aufgabe zu, in einer immer mehr desorientierten und verwirrten Welt Zeugen der verklärenden Gegenwart Gottes zu sein.

Der Papst warnte seine Gäste dann davor, sich dem Zeitgeist anzupassen: "Die säkularisierte Kultur ist in den Geist und das Herz nicht weniger Ordenleute eingedrungen, die sie als eine Zugangsweise zur Modernität sowie als eine Art Annäherungsversuch zur heutigen Welt betrachten." Die Folge einer derartigen Haltung sei, "dass das geweihte Leben neben einem zweifellos großzügigen, zum Zeugnis und zur vollkommenen Hingabe fähigen Schwung heute auch die Gefahr der Mittelmäßigkeit, der Verbürgerlichung und der konsumorientierten Mentalität kennt".

Durch mutige Entscheidungen auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene könnten die Ordensleute von neuem die allumfassende Dimension der Nachfolge Christi entdecken, bekräftigte der Heilige Vater. Christus ganz zu gehören bedeute, "im Herzen allezeit eine lebendige Flamme der Liebe brennen zu lassen, die ununterbrochen vom Reichtum des Glaubens genährt wird – nicht nur dann, wenn sie innere Freude mit sich bringt, sondern auch dann, wenn sie mit Schwierigkeiten, mit Leere und Leid verbunden ist". Diesbezüglich erinnerte der Papst die Ordensleute daran, dass das Gebet die Nahrung des inneren Lebens ist. "Eine noch reichere Nahrung ist die tägliche Teilnahme am unaussprechlichen Geheimnis der göttlichen Eucharistie."

Ein reines Leben ermögliche es, dem Herrn ganz zu gehören. Ein entsprechender Lebensstil führe auch dazu, auf das Bedürfnis zu verzichten, in Erscheinung treten zu wollen, und maßvoll und bescheiden zu sein. "Die Ordensfrauen und Ordenmänner sind dazu aufgerufen, dies auch in der Wahl der Kleidung zu zeigen." Diese Kleidung, die schlicht sein sollte, nannte Benedikt XVI. ein "Zeichen gelebter Armut". Durch sie drückten Ordensleute ihre Vereinigung mit demjenigen aus, "der als Reicher, der er war, arm geworden ist, um uns mit seiner Armut reich zu machen".

Je mehr die geweihten Menschen den Wert des geleisteten Gehorsams zu schätzen wüssten, desto sanfter sei das "Joch" desjenigen, der dazu berufen sei, die delikate Aufgabe des Oberen zu übernehmen. "Die Ordensfrauen und Ordensmänner sind dazu berufen, in der Welt ein glaubhaftes und leuchtendes Zeichen des Evangeliums und seiner Paradoxe zu sein, ohne sich an die Mentalität dieses Jahrhunderts anzugleichen. Sie sollen vielmehr ständig den eignen Eifer umformen und erneuern, um den Willen Gottes erkennen zu können."