Die Pfingstsequenz - Spiegel unseres Lebens

Impuls zum Pfingstsonntag 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 579 klicks

“Komm herab, o Heil´ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt”.

Eine der schönsten Einrichtungen der kirchlichen Liturgie ist die Sequenz, jener Hymnus, der an hohen Feiertagen zwischen der 2. Lesung und dem Evangelium gebetet oder gesungen wird. Wer kennt nicht die erschütternde Sequenz der Totenmesse, das Dies Irae.

Am hohen Pfingstfest lädt uns die Sequenz “Veni Sancte Spiritus” dazu ein, die dritte Person der Gottheit mit feierlichen Worten zu preisen. Gleichzeitig aber zeigt sie uns, wie die Gebete der Kirche durchaus mit unserem alltäglichen Leben zu tun haben. Die Kirchenväter sagten, die “lex orandi” muss mit der “lex credendi” übereinstimmen. Das bedeutet, die Gedanken, die wir im Gebet zum Ausdruck bringen, müssen mit dem Glaubensbekenntnis übereinstimmen, auch im Detail. Ein Beispiel: Wenn einer in der Kirche zu Christus betet, dabei aber den Tabernakel ganz unbeachtet lässt, so wäre sein Gebet zumindest unvollständig. Die Pfingstsequenz könnte uns dazu veranlassen, das alte Väterwort zu ergänzen: “lex orandi” – “lex credendi” – “lex vivendi”.

Was da zum und vom Heiligen Geist gesagt wird, hat nicht nur mit unserem spirituellen Leben zu tun, sondern genauso mit unserem Leben im Alltag.

Zunächst wird der Heilige Geist als das Licht angesprochen, das die Welt erleuchten soll. Er liebt die Armen, gibt gute Gaben und erhellt jedes Herz.

Sodann sehen wir in ihm den Tröster, der als Gast unserer Seele Labsal spendet. Wie einleuchtend, dass der Heilige Geist der Tröster genannt wird. Es ist Gott selbst, der uns in so manchen Lebenslagen das schenkt, was jeder Mensch auch braucht, den Trost. Jemand hat gesagt, der Heilige Geist ist das Weibliche, das Mütterliche in Gott.

Papst Johannes Paul I. der Dreißig-Tage-Papst, hat im Jahre 1978 in einer Mittwochsaudienz diese alte Weisheit hervor geholt: Gott ist sowohl Vater als auch Mutter. So ist es der Heilige Geist, in dem sich das Mütterliche besonders deutlich zeigt. Bezeichnenderweise ist das hebräische Wort für Geist – Ruach feminin.

Maria als geschöpfliches Abbild des Heiligen Geistes wird als “Trösterin der Betrübten” angerufen.

Noch einmal wird in der 4. Strophe vom Trost gesprochen, den er spendet in der “Unrast”, und der Kühlung, die er in der “Hitze” uns zuhaucht, bis hin zum Trost in Leid und Tod.

Wenn wir statt des Wortes Unrast den Begriff Hektik oder Stress einsetzen, sehen wir mit einem Wort die Situation des heutigen Menschen dargestellt. Wer soll uns von der Hektik der modernen Welt wirklich befreien, wenn nicht Gott, der alles vermag? Von der krank machenden “Unrast” der modernen Arbeitswelt, die sich vielfach in eine neue Sklavenhaltung verwandelt, wo derjenige, der etwas werden will, sich bis zur Selbstaufgabe seinem Arbeitgeber verschreiben muss?

“Was befleckt ist, wasche rein…” Im Sakrament der Beichte nimmt der Heilige Geist immer wieder von uns, was uns von Gott und den Menschen trennt.

“Dürrem gieße Leben ein…” Wer braucht das nicht, dass ein Höherer ihm hilft, aus seiner inneren und äußeren Verspannung herauszukommen?

“Heile du, wo Krankheit quält…”

“Wärme du, was kalt und hart…” Der Heilige Geist wirkt tatsächlich in umfassender Weise. Er erleuchtet nicht nur unseren Verstand, er erwärmt unser Herz. Wie oft empfinden wir Schmerz über die Kaltherzigkeit mancher Mitmenschen. Der Geist Gottes will aber auch unseren Geist zu der Erkenntnis führen, dass wir selbst ebenfalls manchmal kalt oder hart sind. Überhaupt die Selbsterkenntnis – sie ist für unser Leben als Christen unerlässlich. Sie hilft uns, uns selbst zu sehen, wie wir wirklich sind, nicht wie wir uns haben möchten. Der Heilige Geist gibt uns den Mut, bei uns selbst die Fehler zu sehen, die uns bei anderen leichter auffallen. Sein “Trost” hilft uns darüber hinaus, es nicht weiter tragisch zu nehmen, wenn wir an uns Fehler bemerken, die uns an anderen stören würden. Gott hält uns unsere Fehler ja keineswegs vor, er will nur dass wir sie überwinden. Und dass wir zunächst die eingefleischte Neigung überwinden, immer gut da stehen zu wollen.

“Lenke, was den Weg verfehlt…”

Kurskorrektur. Immer wieder, nicht nur im Großen des gesamten Lebensentwurfs, sondern auch in den kleinen Scharmützeln des Alltags. Dazu gehört auch die innere Größe, jemanden um Verzeihung zu bitten, wenn wir ihn gekränkt haben, usw. usw. usw.

Es muss uns froh machen zu wissen, dass der Allmächtige Gott selber daran interessiert ist, uns seine vielfältigen Gaben zu schenken. Er will sie uns geben, damit wir “der Freuden Ewigkeit” erreichen. Lassen wir uns beschenken!

Hier die sieben Gaben des Heiligen Geistes:       

1. Weisheit
2. Einsicht
3. Rat
4. Stärke
5. Erkenntnis
6. Frömmigkeit
7. Gottesfurcht

Und die zwölf Früchte des Heiligen Geistes:

1. Liebe
2. Freude
3. Friede
4. Geduld
5. Freundlichkeit
6. Güte
7. Langmut
8. Sanftmut
9. Treue
10. Bescheidenheit
11. Enthaltsamkeit
12. Keuschheit

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).