Die Priorität des interkulturellen und interreligiösen Dialogs ohne Relativismus und Synkretismus

Die christliche Wurzeln Europas und seine Verantwortung für die ganze Menschheit

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ROM, 9. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Der interkulturelle und interreligiöse Dialog sei für Europa und die Europäische Union eine Priorität. Die Diversität sei eine positive Gegebenheit, wobei allerdings vermieden werden müsse, dem Relativismus und dem Synkretismus zu verfallen. Mit diesen Gedanken wandte sich Papst Benedikt XVI. in einer Botschaft an den Präsidenten des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean Louis Tauran, sowie an den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur, Erzbischof Gianfranco Ravasi. Die beiden Dikasterien hatten in den vergangenen Tagen eine Studientag zum Thema „Kulturen und Religionen im Dialog“ ausgerichtet.

In der heute veröffentlichten Botschaft betonte Benedikt XVI. erneut, dass die christlichen Wurzeln Europas lebendig seien, selbst wenn viele sie zu ignorieren schienen.

Der Papst hielt fest, dass das zeitgenössische Europa das Ergebnis von Jahrtausenden an Kultur sei und sowohl im großen und antiken Erbe Athens und Roms als auch – und vor allem – im fruchtbaren Boden des Christentums wurzle. Dieses habe sich dazu fähig gezeigt, neue kulturelle Erbschaften zu schaffen und gleichzeitig den originellen Beitrag einer jeden Kultur aufzunehmen.

„Der neue Humanismus, der aus der Verbreitung der Botschaft des Evangeliums entstanden ist, betont alle dem Menschen und seiner transzendenten Berufung würdigen Elemente, indem er sie von den Schlacken reinigt, die das wahre Antlitz des Menschen verfinstern, der nach Gottes Gleichnis und Ebenbild geschaffen ist.“

So erscheine heute Europa als ein „kostbares Gewebe, dessen Struktur aus den Prinzipien und Werten gebildet ist, die dem Evangelium entspringen, während die nationalen Kulturen es verstanden haben, eine immense Mannigfaltigkeit an Perspektiven zu sticken, die die religiösen, intellektuellen, technischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Fähigkeiten des ‚Homo Europaeus’ offenbaren“.

In diesem Sinne könne gesagt werden, dass Europa einen kulturellen Einfluss auf das ganze Menschengeschlecht hatte und weiterhin habe. Aus diesem Grund könne es nicht darauf verzichten, sich nicht nur für seine Zukunft, sondern auch für die Zukunft der Menschheit verantwortlich zu fühlen.

Auch in dieser manchmal dramatischen Stunde seien diese christlichen Wurzeln lebendig, auch wenn leider viele Europäer diese zu ignorieren schienen. Daher müssten sie den Weg abstecken und die Hoffnung von Millionen von Bürgern nähren, die dieselben Werte teilten.

Die Kirche müsse mit der pluralistischen Welt in einen Dialog treten, so der Papst. Die Gläubigen müssten immer bereit sein, Initiativen des interkulturellen und interreligiösen Dialogs zu fördern, um die Zusammenarbeit zu Themen von gegenseitigem Interesse anzuregen. Zu diesen Themen zählte Benedikt XVI. die Würde der Person, das Streben nach dem Gemeinwohl, den Aufbau des Friedens und die Entwicklung.

Um authentisch zu sein, müsse dieser Dialog einen Relativismus und Synkretismus vermeiden und von einer aufrichtigen Achtung dem anderen gegenüber sowie vom Geist der Versöhnung und der Brüderlichkeit beseelt sein.

Abschließend ermunterte der Papst alle jene, die sich für den Aufbau eines gastfreundlichen, solidarischen und seinen Wurzeln gegenüber immer treueren Europa einsetzten. Der Heilige Vater forderte die Gläubigen dazu auf, nicht nur zur „eifersüchtigen Bewahrung“ des kulturellen und geistlichen Erbes beizutragen, das integraler Bestandteil ihrer Geschichte sei, sondern auch neue Wege zu suchen, um in angemessener Weise den neuen Herausforderungen entgegenzutreten, die die Postmoderne kennzeichnen.

Zu diesen Herausforderungen gehörten die Verteidigung des Lebens des Menschen in allen seinen Phasen, der Schutz aller Reche der Person und der Familie, der Aufbau einer gerechteren und solidarischeren Welt, die Achtung der Schöpfung und der interkulturelle und interreligiöse Dialog.