Die Probleme sind bekannt

Caritas zu mangelnden Bildungs- und Aufstiegschancen in Deutschland

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1449 klicks

Caritas-Präsident Neher betonte im Hinblick auf den 4. Armut- und Reichtumsbericht, der im Bundestag diskutiert wurde:„Beim Thema Chancengleichheit hat Deutschland seit Jahrzehnten enormen Nachholbedarf.“

Kinder aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien bleibe in der Regel der Weg in eine bessere Zukunft verschlossen. Nur eines von zehn Kindern von Eltern ohne Schulabschluss schaffe den Sprung auf das Gymnasium. Den sozialen Aufstieg setzte aber eine solide Ausbildung voraus. Caritas-Präsident Neher erklärte dazu: „Jeder Mensch hat Talente und Fähigkeiten. Befähigung heißt, Kindergärten, Schulen und auch die Sozialsysteme so zu gestalten, dass sie Menschen stärken. Die Gesellschaft muss früh bei Kindern und Jugendlichen den Grundstein für die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs legen.“

Ein wichtiger Punkt sei deshalb der Ausbau der Kinderbetreuung der unter 3-jährigen Kinder. Neher stellte in diesem Zusammenhang fest, dass Kindern aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien der Zugang zu entsprechenden Einrichtungen häufig verschlossen sei.

Doch nicht nur die Frühförderung, sondern auch die schulbegleitende Nachhilfe sei ein wichtiger Garant der Chancengleichheit. Nachhilfe dürfe nicht nur auf Kinder aus finanziell gut gestellten Elternhäusern beschränkt sein. Für Empfänger des Arbeitslosengeldes II sehe die bisherige Regelung des Bildungs-und Teilhabungspaketes keine Nachhilfeförderung vor. Der Zugang zu höheren Schulformen bleibe deshalb oft versperrt. Ein weiteres großes Problem stelle außerdem die zu hohe Zahl von Schulabbrechern oder Schülern ohne Schulabschluss dar. 

Die Städte, Kreise und Gemeinden seien deshalb zur Kooperation aufgerufen, da „eine Studie der Caritas zeigt, dass gute lokale Kooperation vor Ort mit frühen präventiven Hilfen und intensiver Begleitung die Bildungschancen schulmüder Kinder und Jugendlicher nachhaltig verbessert.“

Seit 1999 hat sich laut Caritas die Zahl der in Armut lebenden Menschen verdoppelt; der Prozentsatz beträgt ungefähr 7,9 Prozent. Als arm wird bezeichnet, wer unterhalb der Armutsschwelle, das heißt 996 Euro monatlich, leben muss.

Caritas-Präsident Neher forderte deshalb: „Der Bericht muss jetzt endlich im Kabinett beraten werden und darf nicht durch weitere Überarbeitungen und Streitigkeiten innerhalb der Bundesregierung verschleppt werden. Die Probleme sind bekannt. Wir brauchen dringend verstärkte Anstrengungen, um endlich die Vererbung von Armut und mangelnde Bildungs- und Aufstiegschancen in Deutschland abzubauen.“