Die Quellen der Familienpastoral vor den heutigen Herausforderungen

Studienseminar über Johannes Paul II.: Der Papst der Familie (Rom, 20. - 21. März 2014)

Sankt Gallen, (CCEE) | 255 klicks

Dozenten und Studenten von Ehe- und Familienwissenschaften haben sich in den vergangenen Tagen, gemeinsam mit Bischöfen aus der ganzen Welt, in Rom (20. - 21. März) getroffen, um das Erbe von Johannes Paul II. in Bezug auf die Familie zu überdenken und zu vertiefen. Das vom Päpstlichen Institut „Johannes Paul II.“ für Studien zu Ehe und Familie veranstaltete Treffen stand unter der Schirmherrschaft des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), der auch die Leitung der Abschluss-Sitzung übernommen hat.

Ziel der Abschluss-Sitzung dieses Treffens war es, die Quellen der Familienpastoral hinsichtlich der heutigen Herausforderungen zu überprüfen.

Die Sitzung, die unter dem Vorsitz von Kardinal Lorenzo Baldisseri, dem Generalsekretär der Bischofssynode, stattfand und von Msgr. Duarte da Cunha, dem Generalsekretär der CCEE, moderiert wurde, wurde durch Beiträge verschiedener Experten des europäischen Kontinents bereichert.

Aus den Arbeiten geht die mehrmals betonte Feststellung einer großen Unkenntnis über die kirchliche Lehre in Bezug auf die Familie hervor, die oft als eine Reihe von Vorschriften wahrgenommen wird. Diese Tatsache wird auch durch viele Antworten bestätigt, die auf den Fragebogen über die Familie bei der Bischofsynode eingegangen sind. In Rom haben die Teilnehmer und Referenten hingegen die pastorale Herausforderung unterstrichen, die Schönheit des „Evangeliums der Familie“ hervorzuheben, ohne dabei die erforderlichen Wahrheiten zu verbergen, die letztendlich den Erwartungen des menschlichen Herzens entsprechen. Kardinal Baldisseri hat die Teilnehmer dazu eingeladen, die Vorbereitungszeit auf die kommende Synode als eine Gelegenheit zu nutzen, über die Familie zu sprechen und die Schönheit der kirchlichen Lehrmeinung aufzuzeigen, die tagtäglich vom Leben vieler christlichen Familien bezeugt wird. Ein Ziel der kommenden Synode ist es insbesondere, die kirchliche Lehrmeinung im Hinblick auf die Herausforderungen der heutigen Welt zu vertiefen, um zu unterscheiden, was der Herr seinem Volk lehrt, und so auch auf die große Sehnsucht zu antworten, die Verkündigung der Kirche im Hinblick auf die Familie besser kennenzulernen. 

An der Schwelle der Heiligsprechung von Johannes Paul II., der als Papst der Familie definiert wurde, sind seine Figur und sein Beitrag zu Themen über Ehe und Familie mehrmals zur Sprache gekommen. Die Leidenschaft des seligen Papstes für die Familie hat ihn zur Ausarbeitung einer reichen Lehre geführt, die noch immer sehr aktuell ist. Die „Familiaris Consortio“, die Katechesen über die menschliche Liebe und viele andere Schriften, vor allem aber die Erinnerung an seinen pastoralen Umgang mit den Familien, sind noch heute Quelle von Inspiration. Dies wurde während des Treffens durch das Zeugnis von Personen bestätigt, die in der Familienpastoral tätig sind und aus den fünf Kontinenten angereist waren.

Tatsächlich macht die Lehre von Johannes Paul II. deutlich, wie die Familie auch in unserer Zeit eine reelle „gute Nachricht“ ist, und dass die Ehe, wenn sie im Licht der göttlichen Gnade, welche das Herz des Menschen erlöst, gelebt wird, auch in sehr widrigen Umständen Quelle der Liebe ist. Die Lehrmeinung des zukünftigen Heiligen ist also eine Einladung, nicht von der Verkündigung der in der Familie gelebten Liebe abzulassen, auch dann nicht, wenn diese Verkündigung gegen die allgemeine Meinung gehen muss, denn dies ist eine Verantwortung der Kirche dem Erbe dieses Papstes gegenüber. In diesem Sinne ist die Kirche dazu eingeladen, eine angemessene Familienpastoral zu fördern, die fähig ist, Personen und Familien zu begleiten und alle der Wahrheit und der Liebe Jesu zuzuführen.

Die Familienpastoral darf nicht als ein Bereich oder ein Aspekt der Seelsorge verstanden werden, sondern vielmehr als eine Perspektive, die auf die gesamte Pastoral verweist. Die vom seligen Papst gewollte angemessene und vollständige Pastoral stimmt mit dem dringenden Anliegen überein, die Freude des Evangeliums zu verkünden, zu der Papst Franziskus die ganze Kirche aufgerufen hat.

Zu Ehren von Papst Wojtyla zelebrierte Kardinal Carlo Caffarra, der erste Vorsitzende des Institutes Johannes Paul II., für die Teilnehmer eine Dankesmesse am Grab des seligen Papstes im Petersdom.