Die Renaissance in Rom. Im Zeichen Michelangelos und Raffaels

Ausstellung in der Fondazione Roma Museo, Palazzo Sciarra bis zum 18. März 2012

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Von Britta Dörre

Rom, 8. März 2012 (ZENIT.org). - Die Ausstellung in der Fondazione Roma Museo, Palazzo Sciarra (ZENIT berichtete) gibt erstmalig unter künstlerischen, architektonischen und städteplanerischen Gesichtspunkten einen Überblick in das päpstliche Rom des 16. Jahrhunderts.

Unter Julius' II. della Rovere, Leo X., Clemens VII. de' Medici und Paul III. Farnese wurden bedeutende Meisterwerke in Auftrag gegeben. Michelangelo und Raffael sind die  Protagonisten der Ausstellung, die von Maria Grazia Bernadini und Marco Bussagli kuratiert worden ist.

In 180 Exponaten, die Skulptur, Malerei, Zeichnung, Druckgraphik und Medaillen umfassen, lässt sich die Epoche bildlich nachvollziehen. Mit der Renaissance verknüpft man Begriffe wie Humanismus, Antikenstudium oder auch Mäzenatentum der Päpste und adeliger Familien.

Die Ausstellung ist thematisch und chronologisch in sieben Sektionen unterteilt. Der Rundgang beginnt mit der Vorstellung der Protagonisten dieser Ausstellung: der Päpste, der Künstler und Roms. Ein frühes Zeugnis ist zum Beispiel die Vedute mit der Ansicht Roms vom Colosseum bis zum Castel Sant’Angelo aus dem Jahr 1493.

In die Anfangsjahre des 16. Jahrhunderts fallen die unter Julius II. (1503-13) und Leo X. (1513-21) in Auftrag gegebenen künstlerischen Meisterwerke: die Sixtinische Kapelle, die Stanzen Raffaels oder im Auftrag Agostino Chigis die Loggia des Amor und der Psyche in der Villa Farnesina. Der Besucher hat die Möglichkeit, sich die Fresken als 3D Rekonstruktion während des Ausstellungsrundgangs anzuschauen.

Die Pläne für die zahlreichen Kirchenbauten geben einen Einblick in das architektonische Schaffen der Zeit. Anhand der Entwürfe zu einigen römischen Kirchen, wie zum Beispiel San Giovanni dei Fiorentinis kann man die planerische Entwicklung nachvollziehen. Der ausgestellte Entwurf für San Giovanni dei Fiorentini aus dem Jahr 1519 stammt von Baldassarre Peruzzi (1481 - Rom 1536). Die Zeichnung ist eine Leihgabe des Kupferstichkabinetts in Florenz.

Befaßt sich die erste Etappe mit den päpstlichen Mäzenaten, den von ihnen bevorzugten Künstlern und den baulichen Veränderungen in Rom, so widmet sich der zweite Teil der Ausstellung einem die Renaissance charakterisierenden Thema: der Antike.

Die Wiederentdeckung des antiken Erbes, erste Ausgrabungen und ihre Dokumentation inspirierten die Künstler, die sich fortan am antiken Schönheitsideal orientierten. Der Dornauszieher Guglielmo della Portas aus der Hermitage in Sankt Petersburg ist eines der Beispiele für die Imitation antiker Vorbilder. Ebenso folgt Polidoro da Caravaggio mit dem monumentalen Fresko aus der Casino del Bufalo thematisch und stilistisch den antiken Vorbildern. Die Darstellung zeigt Perseus, der Andromeda befreit. Sie befindet sich heute im Besitz des Museo di Roma.

Rom erfährt im 16. Jahrhundert durch die Reformation und den Sacco di Roma eine Zäsur.  In den Kunstwerken wird die Thematik häufig in allegorischen Darstellungen aufgegriffen.

Nach dem Sacco di Roma blüht die Stadt unter Paul III. Farnese (1534-49) wieder auf.

Michelangelo wird mit dem Jüngsten Gericht beauftragt. Eine Besonderheit der Ausstellung ist in diesem Zusammenhang der von Giovanni Sulpicio Verolano stammende Text „Iudicium Dei de vivis et mortuis“, der anlässlich der Ausstellung restauriert worden ist. Dieser Text gilt neben der Heiligen Schrift und der Göttlichen Komödie als Hauptquelle für das Fresko Michelangelos. Michelangelo ist der die vierte Sektion bestimmende Künstler: Der Apoll-David aus dem Bargello oder auch das umstrittene Kruzifix aus Oxford sind hier ausgestellt.

Die folgende Sektion befaßt sich mit der Basilika von Sankt Peter. Am Bau Sankt Peters waren Raffael, Peruzzi, Antonio da Sangallo der Jüngere, Michelangelo, Pirro Ligorio und Vignola beteiligt. Die ausgestellten Exponaten zeigen die unterschiedlichen Entwürfe für den Bau der Basilika. Die Zeichnung Donato Bramantes zeigt zum Beispiel den ursprünglichen Entwurf.

Der Manierismus in der Mitte des 16. Jahrhunderts wird in der Ausstellung vor allem durch Taddeo und Federico Zuccari repräsentiert. Federico Zuccari ist mit Girolamo Muziano Gründungsmitglied der Accademia di San Luca, der heutigen Akademie der Schönen Künste in Rom. Von Federico Zuccari sind zwei auf Leder gemalte Exponate ausgestellt. Die beiden Arbeiten zeigen den Künstler beim Studium der großen Meister und der Natur. Die beiden Werke tragen die bezeichnenden Titel „Taddeo Zuccari kopiert das Jüngste Gericht Michelangelos“ und „Taddeo malt bei Mondlicht“.

Von Federico Zuccari stammen auch die Portraits der beiden Protagonisten der Ausstellung Raffael und Michelangelo. Er stellt in den um 1593 entstandenen Portraits Raffael als Jesaja und Michelangelo als Moses dar.

In der abschließenden Sektion wird dem Besucher ein Einblick in das alltägliche Rom gegeben. Teilweise finden sich Darstellungen biblischer Szenen, wie zum Beispiel die „Durchquerung des Roten Meeres“ auf der Maiolika. In der Ausstellung sind auch die von Raffael entworfene und Luca della Robbia hergestellte Bodenmaiolika aus den Loggen des Vatikan zu sehen.

Die Ausstellung gibt dem Besucher die Möglichkeit, sich ein umfassenden Bild des Roms der Päpste, der Kunstförderung durch die Päpste und der die Renaissance maßgeblich beeinflussenden Künstler zu machen. Die Ausstellung greift systematisch die Hauptthemen der Epoche auf. Abstrakte Begriffe wie der „Humanismus“ und das „Antikenstudium“, aber auch geschichtliche Ereignisse wie die Reformation und der Sacco di Roma werden in bildlichen Zeugnissen greifbar. Beim Studium der Pläne und Stadtansichten kann der Besucher sich in das Rom des 16. Jahrhunderts zurückversetzen und anhand der ausgestellten Exponate eine Zeitreise in eine der für Kunst-und Kulturgeschichte wichtigsten Epochen, die Renaissance, beginnen.