Die Rezession trifft auch die Finanzen des Vatikans

$1,3 Millionen Verlust im Jahr 2008

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ROM, 7. Juli 2009 (ZENIT.org). – Der Vatikan ist nicht immun gegenüber der weltweiten Wirtschaftskrise: Die Bilanz des Heiligen Stuhls 2008 weist einen Verlust von US-Dollar 1.275.121 (€911.514) auf.

Diese Zahlen wurden am Samstag in einer amtlichen Verlautbarung zum Abschluss der 63. Sitzung des Kardinalsrates zum Studium der organisatorischen und wirtschaftlichen Fragen des Vatikans veröffentlicht.

Im Jahr 2008 erwirtschaftete der Heilige Stuhl $355.281.462 (€253.953.869), während sich die Ausgaben auf eine Summe von $356.556.670 (€254.865.383) beliefen. Das bedeutet einen Verlust von $1.275.208 (€ 911.514) ergibt.

Der größte Teil auf der Ausgabenseite machen die gewöhnlichen und die außerordentlichen Kosten der Dikasterien und Behörden des Heiligen Stuhls aus, wo 2.732 Personen – 761 Geistliche, 334 Ordensleute und 1.637 Laien – beschäftigt werden.

Das Governatorat der Vatikanstadt, wo rund 2.000 Menschen beschäftigt sind und das über ein eigenes Budget verfügt, schloss das Vorjahr ebenfalls mit roten Zahlen ab: Das Defizit betrug mehr als €15 Millionen. Zu den Ausgaben gehörten eine Studie über eine allumfassende Kommunikations-Infrastruktur mit Telefon- und Internetdiensten, die Installation von Solarzellen am Dach der Audienzhalle Pauls VI. sowie Projekte zur Bewertung, zu Erhaltung und zur Restaurierung der Kunstschätze. Dazu zählen etwa die Restauration der Paulinischen Kapelle sowie Ausbesserungsarbeiten an den päpstlichen Basiliken St. Paul vor den Mauern und St. Maria Maggiore.
 
Die Solarzellen am Dach der Halle Pauls VI. sind allerdings eine ökonomische Kapitalanlage: Die 2400 Solarplatten ersetzten die Betondachplatten, die immer größere Abnutzungserscheinungen aufwiesen, und werden Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln. Dadurch wird genug Strom erzeugt, um die Halle, die 6000 Sitzplätze umfasst, nicht nur zu beleuchten, sondern auch zu heizen oder gegebenenfalls zu kühlen.

Der dritte Haushalt des Vorjahrs bezieht sich auf die jährliche Peterspfennig-Sammlung. Dieser Fond speist sich aus Spenden der Ortskirchen und dient der Finanzierung von wohltätigen Initiativen des Heiligen Vaters. 2008 wurden $76.088.411 (€54.387.714) gespendet und, auch wenn sich die Geldspenden erhöht hätten, sei die Gesamtsumme „aufgrund der wirtschaftlichen Situation“ leicht gesunken, heißt es im Abschlussbericht.

Papst Benedikt XVI. besuchte die Kardinäle während der Sitzungen, hörte bei den Vorstellungen der drei Bilanzen Abrechnungen zu, bedankte sich für den Arbeitseifer und äußerte pastorale Vorschläge.

Bereits im Finanzjahr 2007 hatte der Heilige Stuhl – zum ersten Mal seit 2003 – mit einem Defizit von über einer Million US-Dollar (€9 Millionen mit dem damaligen Wechselkurs) abgeschlossen roten Zahlen ab. Der Vatikanstaat hatte damals noch einen Netto-Gewinn von rund $10,5 Millionen (€6,7 Millionen) verzeichnet.