Die Risiken der In-Vitro-Fertilisation

Mehr Missbildungen, Ängste und Stress für die Frauen

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von Carlo Bellieni

ROM, 11. Oktober 2011 (ZENIT.org). – „Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) unterliegt strengen Regeln, die die Frauen physisch und emotional belasten. Entfremdet und frustriert wenden sich viele an Internetforen, um Informationen und Unterstützung zu erhalten.“ So steht es in der wissenschaftlichen Zeitschrift „HEC Forum“ in ihrer letzten Ausgabe nach der Analyse einer Befragung holländischer und griechischer Frauen. Häufig haben die Betroffenen etwas anderes als Allheilmittel erwartet und erleben  Ängste und Stress.

Wenig Information, viel Oberflächlichkeit im Umgang mit IVF? Das ist möglich. Die Zeitschrift „Current Opinion in Obstetrics and Gynecology“ („Aktuelle Meinungen in Geburtshilfe und Gynäkologie“) unterstreicht einen weiteren Aspekt: Studien zeigen im Vergleich zu denen auf natürliche Weise gezeugten einen Anstieg von Missbildungen bei den durch IVF gezeugten Kindern um 30-40 Prozent, eventuell aufgrund der Technik oder aufgrund von Krankheiten der Eltern. Dies sind alarmierende Zahlen, über die nachgedacht werden muss.

Die Wissenschaft analysiert Folgen der In-Vitro-Fertilisation und Innovationen in der Medizin, die Relevanz für das menschliche Leben haben. Ebenso werden Daten über Risiken und Grenzen der vielen sogenannten „Durchbrüche“ erhoben, die oft Besorgnis erregend sind, zum Beispiel die Abtreibung durch Pharmaka, die sogenannte „sanfte Abtreibung“. Laut Umfrage von Forschern verursacht sie oft mehr Schmerzen als die chirurgische Methode. Ebenso ist das Risiko psychischer Schäden, die durch „leichte“ Drogen verursacht werden, nicht so gering, wie es zur Beruhigung propagiert wurde.

Warum diese Eile bei der Einführung von gewissen „neuen Ethiken“? Wenn zum Beispiel die Epidemiologin Carine Vassy über offensichtliche „Trents in der Biotechnologie“ befragt wird, berichtet sie über die leichtfertige Einführung einer genetischen pränatalen Diagnostik bei französischen Frauen, ebenso über den Einfluss des Marktes. Die Zeitschrift „Death Studies“ zeigt die wirtschaftlichen Vorteile (ein Gewinn von ca. 5 Milliarden Dollar pro Jahr) für die Vereinigten Staaten wenn die Vorteile eines „kürzesten Weges“ am Ende des Lebens propagiert werden, anstatt an Rehabilitation und Solidarität zu denken.

Ja, das Ende des Lebens: „Wenn die Medizin mehr eine Angelegenheit des Geldes als Sorge um kranke Menschen wird, ist die Begleitung am Ende des Lebens kein Wert mehr (…) und aus diesem Grund entwickelt sich auch nicht die Kultur der palliativen Medizin“, resümiert die „Revue Médicale Suisse“ in einem Artikel „Neue Grenzen des Todes und des Geldes“. Auch die vielfältigen Veröffentlichungen zur Freigabe von Drogen haben wirtschaftliche Auswirkungen und dies nicht nur für den illegalen Markt. In Ländern wie Frankreich und Kalifornien gibt es Bemühungen, die staatlichen Kassen durch die Besteuerung von Cannabis wieder aufzufüllen. In Zeiten, wo den Menschen eingeredet wird, dass jedes Übel erlaubt ist, herrschen die Gesetze des Verdienens, die die Abhängigkeiten vom Spiel, von Pornographie und von Drogen kontrollieren, wie zwei französische Psychiater in ihrem Buch „Die kranke Sehnsucht“ eindrucksvoll illustrieren.

Eile und ökonomische Interessen sind ein nicht zu übersehender Schlüssel zur Lektüre von Innovationen im Bereich der Bioethik. Gewisse Praktiken sind zur Routine geworden, absorbiert und vor allem „normalisiert“ worden, auch von vielen Gläubigen, Medizinern und Nicht-Medizinern. Der Positivismus in Form des Utilitarismus, scheint sich durchzusetzen. Es ist ein kurzsichtiger Positivismus, vor dem der Papst in seiner Rede vor dem deutschen Bundestag am 22. September gewarnt hat: „Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht …, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit.“

Aber wenn auf den entscheidenden Feldern des Gesundheitswesens, der pränatalen Diagnostik und der Manipulation des Lebens viele Christen weder die moralische Ungerechtigkeit empfinden noch sich die wissenschaftlichen Daten bewusst machen, wird eine Wissenschaft unterstützt, die Phänomene ohne Abwägung der Folgen untersucht. Es ist ein Aufruf, im Interesse an der Wahrheit über den Menschen zusammenzuarbeiten, auch wenn er aus unterschiedlichen Kulturen stammt.

„Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen“, fuhr Papst Benedikt XVI. in seiner Bundestagsrede fort. Mit dem Wort „alle“ bezieht er sich auf den sensiblen Teil der säkularen Welt und der Gläubigen, die zu einer Ökologie der Natur bereit sind, aber auch zu einer „Ökologie des Menschen“ gerufen sind, wie der Papst sich ausdrückte. Eine Wissenschaft, der es um die Einführung in die Wirklichkeit und ihrer Gesetze geht, ist ein großartiger Ansatzpunkt.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]