Die Rückkehr der Klonkrieger

US-Wissenschaftler fordern kommerzielle Eispenden

| 822 klicks

Von Stefan Rehder

WÜRZBURG, 11. Oktober 2011 (ZENIT.org/Tagespost). - Es hat den Anschein einer konzertierten Aktion. Einer, die offenbar von langer Hand vorbreitet wurde und die den Segen namhafter Größen in Wissenschaft und Publizistik gefunden haben muss. Da veröffentlicht das Wissenschaftsmagazin „Nature“ Mitte dieser Woche die Arbeit eines Teams um die beiden bisher kaum in Erscheinung getretenen US-amerikanischen Stammzellforscher Dieter Egli und Scott Noggle von der New York Stem Cell Foundation, die eine neue Methode entwickelt haben wollen, menschliche Embryonen zu klonen. Sollte tatsächlich zutreffen, was die Forscher schreiben, dann wäre es ihnen zum ersten Mal gelungen, einen Menschen zu klonen, der sich trotz gravierender Anomalien bis zum Stadium der Blastozyste – und damit weiter als jemals zuvor – entwickelte.

Praktisch zeitgleich forderten eine Reihe hoch angesehener Stammzellforscher, darunter Douglas Melton und Kevin Eggan von der Universität Harvard in einem in der Zeitschrift „Cell Stem Cell“ publizierten Manifest, der Gesetzgeber müsse endlich die Etablierung eines Marktes für Eizellspenden ermöglichen, um Arbeiten wie denen von Egli und Scott zum Durchbruch zu verhelfen. Nicht einmal auf ethische Schützenhilfe wurde verzichtet. Sie wurde in Gestalt des Bioethikers Isoo Hyun von der Case Western Reserve University in Cleveland Ohio angeliefert und ebenfalls in „Cell Stem Cell“ veröffentlicht.

Das mediale Theater, das hier auf großer Bühne inszeniert wird, wirkt freilich umso abgeschmackter, schaut man sich einmal näher an, wie die Forscher vorgegangen sind, um ihr jetzt als „Durchbruch“ gefeiertes Experiment zu Wege zu bringen.

Dazu muss man freilich wissen, wie das Klonen menschlicher Embryonen üblicherweise funktioniert. Für gewöhnlich werden menschliche Embryonen geklont, indem man eine menschliche Eizelle entkernt und in diese den Zellkern eines bereits geborenen Menschen einbringt, der aus einer x-beliebigen Körperzelle gewonnen werden kann. Fusioniert man die entkernte Eizelle und den eingebrachten Zellkern, erhält man einen Embryo, der genetisch identisch mit dem Spender des Zellkerns ist.

Bislang haben Klone nie das Achtzellstadium überlebt

Theoretisch kann man mit den so geklonten Embryonen nun zweierlei anstellen. Man kann sie in die Gebärmutter einer Frau implantieren (Reproduktives Klonen) oder aber zerstören, um aus ihnen embryonale Stammzellen zu gewinnen (Klonen zu Forschungszwecken). Während das Reproduktive Klonen weltweit als ethisch geächtet gilt, was freilich in der Vergangenheit nicht alle daran hinderte, es doch zu versuchen, wird die als Forschungsklonen verharmloste Variante von vielen Forschern und Regierungen akzeptiert. Der Grund: Aus den so gewonnenen Stammzellen hoffen manche Forscher immer noch, maßgeschneiderte Zellen für den Reparaturbetrieb am Menschen entwickeln zu können. Und in der Tat: Würde das Forschungsklonen funktionieren, hätten die so gewonnenen embryonalen Stammzellen einen echten Vorteil gegenüber allen embryonalen Stammzellen. Da der Klon, dem sie entnommen werden, mit dem Spender des Zellkerns genetisch identisch ist, würden die aus ihnen gezüchteten Transplantate vom Immunsystem des Zellkernspenders für „eigene“ gehalten, was ihre Abstoßung vermutlich verhindern würde. Doch – Gott sei Dank – funktioniert diese Technik bislang nicht. Trotz jahrelanger Forschung ist es bis vor kurzem niemanden gelungen, einen geklonten menschlichen Embryo deutlich über das Achtzellstadium hinauszubringen. Zu wenig, um daraus Stammzellen zu gewinnen. Ein Grund: Offenbar spielt die Eizelle für die weitere Entwicklung menschlicher Klone eine deutlich bedeutsamere Rolle als bei den Säugetieren, von denen bereits viele Klone, wenn auch oft mit schwerwiegenden Missbildungen, geboren wurden. Deshalb haben die Forscher um Egli und Noggle bei ihren Experimente vor der Einbringung der Zellkerne – die in diesem Fall aus Hautzellen von Patienten gewonnen wurden, die an Diabetis Typ 1 litten – die auch die Eizellen nicht entkernt und die Zellkerne der Spender einfach hinzugefügt.

Weil also das weibliche Erbgut – ein einfacher Satz aus 23 Chromosomen – in der Eizelle verblieb und mit dem Zellkern 46 weitere des Zellkernspenders hinzukamen, verfügen alle der auf diese Weise geklonten Embryonen nun über einen dreifachen Chromosomensatz. Was einerseits unmöglich der Gesundheit des Klons dienlich sein kann, führt andererseits offenbar dazu, dass der geklonte Embryo bis zu einem Stadium von hundert Zellen und mehr heranwuchs. Theoretisch könnten zwar aus einem solchen Embryo nun embryonale Stammzellen gewonnen werden, doch sind sie für die Forscher völlig wertlos. Der Grund: Aus ihnen gezüchtetes Gewebe wäre nun nicht mehr genetisch identisch mit dem Erbgut des Zellkernspenders, was es für eine etwaige spätere Transplantation völlig ungeeignet macht.

8 000 Dollar für eine Eizelle bezahlt

Schon rein wissenschaftlich betrachtet macht das Experiment also überhaupt keinen Sinn. Doch damit nicht genug. Um ihr Experiment durchführen zu können, haben sich die Klonforscher auch noch über einige der wenigen ethischen Standards hinweggesetzt, die von ihrer Zunft noch akzeptiert werden. Dazu zählte bis vor kurzem das Verbot, Frauen, die ihre Eizellen für die Forschung spenden, finanziell zu belohnen. Weil Egli und Noggle aber keine Spenderinnen fanden, die dazu bereit waren, zahlten sie entgegen den seit 2005 gültigen Richtlinien jeder Spenderin rund 8 000 Dollar. Eine Tat, die nach dem Willen vieler ihrer Kollegen nun nachträglich den Segen des Gesetzgebers erhalten und zur alltäglichen Praxis erhoben werden soll.

[© Copyright Die Tagespost vom 7.10.2011]