Die Scheinheiligkeit ist die Sprache der Korrupten

Papst Franziskus appelliert an die Christen, keine "sozial korrekte" Sprache zu gebrauchen, sondern die Wahrheit des Evangeliums zu verbreiten

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 508 klicks

Mit diesen Worten wendete sich Papst Franziskus in der heutigen Messe in Santa Marta an die Gläubigen, die er gemeinsam mit dem Patriarchen der armenischen Katholiken, Nerses Bedros XIX Tarmouni, Mons. Fernando Vianney, Bischof von Kandy, Sri Lanka, so wie Mons. Jean Luis Brugues der Vatikanischen Bibliothek und einigen seiner Mitarbeiter zelebrierte. Ebenfalls waren die Programmleiter des italienischen öffentlich rechtlichen Fernsehens (RAI), Anna Maria Tarantola und Luigi Gubitosi, anwesend.

In enger Anlehnung an die gestrige Predigt beschäftigt sich Papst Franziskus auch am heutigen Tag auf der Basis der Lesung (Mk 12,13-17) mit den korrupten Christen, genauer mit ihrer Sprache, der Scheinheiligkeit. Mit der Frage einiger Pharisäer und Anhänger des Herodes, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen, wollen sie Jesus „eine Falle stellen“. Diese werde – ob nun berechtigt oder unberechtigt  , so der Papst: „mit zu schönen und zuckersüßen Worten“ gestellt. „Sie bemühen sich, als Freunde in Erscheinung zu treten.“ Und doch sei all das falsch. Weil, so der Pontifex, „sie das Leben nicht lieben“, sondern nur sich selbst, „und so versuchen sie andere zu betrügen, andere in ihr Lügengewebe zu verstricken. Sie haben ein lügnerisches Herz, sie können nicht die Wahrheit sagen.“

Papst Franziskus fügt hinzu: „ Dies ist die Sprache der Korruption, die Scheinheiligkeit. Wenn Jesus zu seinen Jüngern spricht, so sagt er zu ihnen: „Eure Sprache sei: Ja, ja! Nein, nein!“. Die Scheinheiligkeit ist keine Sprache der Wahrheit, weil die Wahrheit nie nur für sich steht. Nie! Sie geht immer mit der Liebe einher! Es gibt keine Wahrheit ohne Liebe. Die Liebe ist die erste Wahrheit. Wenn es keine Liebe gibt, gibt es keine Wahrheit. Diese Menschen wollen eine Wahrheit, die sie zum Zweck ihrer eigenen Interessen versklavt haben. Man kann sagen, auch hier gibt es eine Art Liebe: aber es ist eine Liebe zu sich selbst und für sich selbst. Diese narzisstische Vergötterung verführt sie dazu, andere zu betrügen, zu dem Missbrauch des Vertrauens.“

Das, was als eine „überzeugende Sprache“ erscheint, insistiert der Papst, führe hingegen „zum Irrtum, zur Unwahrheit,“ und er fügt ironisch hinzu, dass sich diejenigen die sich heute Jesus „nähern und eine liebenswürdige Sprache zu haben scheinen, die gleichen sind, die ihn am Donnerstagabend im Olivenhain holen und am Freitag zu Pilatus führen.“ Jesus hingegen erwartet von demjenigen, der ihm nachfolgt, das genaue Gegenteil, eine Sprache mit „ja, ja nein, nein“, ein „Wort der Wahrheit mit Liebe“.

„Und die Milde, die Jesus von uns will, hat nichts, rein gar nichts von dieser Schmeichelei, mit dieser zuckersüßen Art zu tun. Nichts! Die Milde ist einfach: Sie ist wie die eines Kindes. Ein Kind ist nicht scheinheilig, weil es nicht korrupt ist. Wenn Jesus uns sagt: „Sprecht mit der Seele eines Kindes: ‚Ja, ja! Nein, nein!‘, meint er das Gegenteil von dem, wie die Korrupten sprechen.“

Die letzte Überlegung des Pontifex betrifft eine „gewisse innere Schwäche“, angetrieben von Selbstgefälligkeit, wodurch es, so Papst Franziskus, „gefällt, dass nur Gutes von uns gesagt wird.“ Dieses wissen die Korrupten und „damit versuchen sie, uns zu schwächen.“

„Denken wird heute gut darüber nach: Was ist unsere Sprache? Sprechen wird in Wahrheit, mit Liebe, oder sprechen wir ein bisschen mit dieser sozial korrekten Sprache, schöne Dinge sagend, die wir aber nicht fühlen? Möge unser Sprechen heilsbringend sein, Brüder und Schwestern! Diese Scheinheiligen, die mit Schmeichelei, Verlockung und all diesem sprechen, enden damit, sich Zeugen zu suchen, um diejenigen, denen sie zuvor noch geschmeichelt haben, zu beschuldigen. Bitten wir heute den Herrn darum, dass unser Sprechen ein einfaches Sprechen sei, das der Kinder, ein Sprechen als Kinder Gottes, ein Sprechen in Wahrheit in Liebe.“