Die Schlüsselgewalt

Impuls zum Sonntagsevangelium am 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

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Von Msgr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 29. August 2011 (ZENIT.org). - Wie so oft geschieht vonseiten Jesu etwas enorm Wichtiges im Rahmen eines scheinbar einfachen, harmlosen Gesprächs. In diesem Gespräch mit Petrus, das uns der Evangelist Matthäus überliefert, geht es zunächst um Namen. Jesus fragt, für wen ihn die Leute halten. Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elijah oder Jeremia oder sonst einen Propheten. Dann aber will der Herr wissen, was seine Jünger in ihm sehen, ob sie ihn inzwischen erkannt haben. Da macht sich Petrus zum Wortführer – er wird es später immer sein – und spricht sein Bekenntnis, das ihm offensichtlich von Gott eingegeben wurde: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!”

Man sage nicht, das war doch für die Jünger eine Selbstverständlichkeit. Sie war es nicht, denn Jesus hat von sich selbst nie anders gesprochen als von dem „Menschensohn“. Dass er der Messias wäre, das haben die Menschen zwar geahnt, aber er hat es nie von sich selbst gesagt, außer einmal, aber das war bei einer Fremden, einer Ausländerin, der Frau am Jakobsbrunnen.

Es steht zu vermuten, dass einer der Gründe für diese Zurückhaltung in der Demut Jesu zu finden ist. Zum anderen aber möchte er, dass wir uns die Kenntnis seines Namens, und damit die Nähe zu ihm, erkämpfen. Das weiß ja jeder: Dinge, die man in den Schoß gelegt bekommt, schätzt man nicht gebührend. Dagegen ist uns das, was uns schwer gefallen ist, umso wichtiger.

Sozusagen als Belohnung für sein klares Bekenntnis gibt Jesus nun dem Petrus einen neuen Namen. Bei mehreren Personen sowohl des Alten wie des Neuen Bundes erleben wir das: der bisherige Name – und Name ist ja mehr als nur Bezeichnung – reicht nicht mehr für die Aufgabe, die Gott jetzt dem Betreffenden zuweist. Aus Abram wird Abraham, aus Saulus wird Paulus. Und so nennt Jesus Simon, den Sohn des Jonas, mit dem neuen Namen „Petrus“ und erklärt auch sogleich, was es damit auf sich hat.

 „Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen”. Es ist dies nicht die einzige Stelle im Evangelium, die uns die besondere Stellung des Petrus (und nach seinem Tod natürlich seines Nachfolgers) zeigt. „Ich habe für dich gebetet, Petrus, dass dein Glaube nicht wankt; wenn Du dich wieder gefunden hast, gehe hin und stärke deine Brüder!” (Hier haben wir das besondere Charisma des rechten Glaubens, das die Christen zu allen Zeiten beim Nachfolger Petri gesehen und respektiert haben). Oder am Ende des Johannes-Evangeliums: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe!” Welch wunderbares Wort, um die Leitungsgewalt zu charakterisieren. Jesus sagt nicht: Du sollst der Hauptverantwortliche sein, noch weniger spricht er vom Befehligen. Das Wort „weiden“ umschreibt deutlich, dass derjenige, der die Herde (die Kirche) leitet, die einzelnen Gläubigen betreuen, pflegen, schützen, für sie gute Weide suchen soll. Das ist damals wie heute die Aufgabe des Petrus.

In diesen Tagen erleben wir, wie der gegenwärtige Nachfolger des hl. Petrus diese Aufgabe wahrnimmt. Beim Weltjugendtag in Madrid fliegen ihm die Herzen der jungen Menschen entgegen. Eine Tageszeitung titelte: „Der Papst wird wie ein Popstar empfangen”. Allerdings scheint mir dieser Ausdruck nicht besonders treffend, denn ihm geht es sicher nicht darum sich feiern zu lassen. Ratzinger hätte viel lieber seinen Lebensabend in der Gelehrtenstube verbracht. Mir kommt es eher so vor, als würden diese sehr vielen Jugendlichen in ihm einen Vater sehen (den sie daheim oft entbehren müssen), der nicht nur lächelt und ihnen zuwinkt, sondern der darüber hinaus ihnen geistige Orientierung vermittelt, in einer Welt, die die jungen Menschen oft auf Abwege führt.

Mein Tipp für die Zeit „nach den Ferien“: versuchen wir doch alle, die uns anvertrauten Menschen, Familienangehörige, Freunde, Kollegen, zu „weiden“, d.h. sie behutsam zum Guten hinzuleiten. Papst Benedikt gibt zu verstehen, dass die Botschaft Jesu auch heute, trotz aller Schwächen des „Bodenpersonals“, allen Menschen, alten wie jungen, eine Richtung geben kann.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.