"Die Schönheit des Christseins": Neue kirchliche Bewegungen bereiten sich auf das Treffen mit Benedikt XVI. vor

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ROM, 30. Mai 2006 (ZENIT.org).- Hunderttausende Mitglieder der neuen kirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften sind auf dem Weg nach Rom, um am Pfingstreffen teilzunehmen, das Papst Benedikt XVI. einberufen hat. Aus diesem Anlass fand heute, am 30. Mai, im Vatikan die Vorstellung des II. Weltkongresses der Kirchlichen Bewegungen und der Neuen Gemeinschaften statt. Der Kongress steht unter dem Thema: "Die Schönheit, Christ zu sein, und die Freude, es mitzuteilen" (Rocca di Papa, 31. Mai-2. Juni). Neben dieser Veranstaltung wurde auch die Organisation sowie das Programm des Pfingstreffens vom 3. Juni auf dem Petersplatz mit Papst Benedikt XVI. erläutert.



Für Erzbischof Stanislaw Rylko, Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien, ist die Begegnung mit dem Heiligen Vater am Vorabend zum Pfingstfest ein wichtiges Signal für die Weiterführung des Lehramts von Johannes Paul II. Dieser habe in den neuen Bewegungen wertvolle Gaben des Heiligen Geistes für die Kirche von heute sowie ein großes Zeichen der Hoffnung für die Menschheit unserer Zeit gesehen.

Erzbischof Rylko erinnerte daran, dass die Beziehungen Benedikts XVI. mit den kirchlichen Bewegungen "auf die Mitte der sechziger Jahre zurückgehen, als er noch Professor in Tübingen war". Er unterstrich, dass der Papst in den Bewegungen starke Ausdrucksformen sehe, den Glauben zu leben. Sein theologischer Beitrag zur Definition der kirchlichen Identität der Bewegungen sei grundlegend. Bereits wenige Tage nach seiner Wahl, so Erzbischof Rylko, habe Papst Benedikt ihn am 14. Mai 2005 auf die Notwendigkeit eines neuen Treffens der Bewegungen mit dem Nachfolger Petri angesprochen. So gehöre die Organisation des diesjährigen Pfingstreffens zu den ersten von Benedikt XVI. persönlich veranlassten Schritten überhaupt.

In Bezug auf den vom Päpstlichen Rat für die Laien organisierten Weltkongress der Bewegungen präzisierte Erzbischof Rylko, dass an ihm ungefähr hundert Bewegungen und neue Gemeinschaften teilnehmen würden. Zu diesen kämen Vertreter der Dikasterien der römischen Kurie sowie eine ökumenische Delegation hinzu. Letztere setze sich aus acht Repräsentanten verschiedener christlicher Konfessionen zusammen.

Im Mittelpunkt der Arbeiten des Kongresses steht nach Erzbischof Rylko die für alle Jünger Christi unvermeidbare Frage, "wie der Glanz der Schönheit Christi der heutigen Welt weitergegeben werden kann". Die Erfahrung der Schönheit des Christseins habe in unseren Tagen gerade in den neuen kirchlichen Bewegungen einen besonders fruchtbaren Boden gefunden.

Abschließend betonte der Erzbischof, dass die Christen der Welt verkünden müssten, dass das Evangelium keine Utopie sei, sondern ein Weg hin zum erfüllten Leben. Der Glaube sei "keine Last, kein Joch, das den Menschen erdrückt, sondern ein faszinierendes Abenteuer, das dem Menschen in seinem vollen Menschsein die ganze Würde und Freiheit der Söhne Gottes wiedergibt". Christus müsse der Welt deshalb als die einzige Antwort auf jene Sehnsucht nach Glück vorgestellt werden, die wir in unserem Herzen tragen: "Mit einem Wort: Die Christen müssen jene Schönheit aufstrahlen lassen, der so viele Menschen dank der kirchlichen Bewegungen und der neuen Gemeinschaften begegnet sind."

Bischof Josef Clemens, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien, erklärte anschließend die Kriterien für die Struktur der Arbeiten des Kongresses und die Wahl der Vortragenden.

Die drei Hauptreferate sind den Kardinälen Christoph Schönborn, Marc Quellet und Angelo Scola anvertraut. Ihre Aufgabe ist es nach Bischof Clemens, die christologischen ("Christus, der Schönste der Söhne Adams"), die ekklesiologischen ("Die Schönheit des Christseins") und die pastoralen ("Kirchliche Bewegungen und neue Gemeinschaften in der Mission der Kirche – Prioritäten und Perspektiven") Fragestellungen zu formulieren. Runde Tische sollten zu einer Reflexion über die grundlegenden Aspekte der Tätigkeiten der Bewegungen führen.

Laut Bischof Clemens hat die Nachfrage an der Teilnahme bei weitem die Aufnahmekapazität überschritten. Die Zahl der Kongressteilnehmer sei auf 300 beschränkt. Diese Teilnehmer repräsentierten 100 Bewegungen. Damit habe sich die Zahl der teilnehmenden Bewegungen im Vergleich zum Jahr 1998 mehr als verdoppelt.

Die Organisation der Gebetsvigilien, die am Freitagabend in ganz Rom stattfinden werden, sei den einzelnen Bewegungen anvertraut worden. Das Vikariat der Diözese Rom habe dazu die Basiliken sowie zahlreiche weitere Kirchen sowohl im Zentrum als auch in den Randgebieten der Stadt zur Verfügung gestellt.

Alle Initiativen, Gebets- und Liedtexte der Tage des Pfingsttreffens können auf der mehrsprachigen Webseite www.laici.org eingesehen werden.

Am Samstag wird um 18.00 Uhr die Vesper der Gemeinschaften mit dem Heiligen Vater auf dem Petersplatz stattfinden. Bischof Clemens teilte mit, dass zu Beginn ein Brief der aufgrund einer Krankheit verhinderten Gründerin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, verlesen wird. Außerdem werde man Psalmen singen und Ansprachen von Andrea Riccardi (Gemeinschaft San'Egidio), Julian Carron (Gemeinschaft und Befreiung) und Kiko Arguello (Neokatechumenaler Weg) hören. Die Liturgie finde mit einem Gedenken an das Sakrament der Firmung ihren Abschluss.

Es wird die Teilnahme von über 300.000 Menschen aus aller Welt erwartet. Die Gebetsvigil am Samstag wird vom staatlichen italienischen Fernsehen RA2 live übertragen. "Radio Vatikan" bietet eine Sonderübertragung in fünf Sprachen an, unter anderem auf Deutsch.

Bischof Josef Clemens dankte abschließend der italienischen Regierung, der Gemeinde Rom, dem Zivilschutz und allen Freiwilligen für die gute Zusammenarbeit bei der komplexen Organisation des Ereignisses.