Die Schönstatt-Bewegung will das Jahr des Glaubens aktiv unterstützen und in seine Jubiläumsvorbereitung integrieren

Interview mit P. José María García, dem Leiter der Internationalen Vorbereitungskommission

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ROM, 21. Oktober 2011 (ZENIT.org). - Papst Benedikt XVI. hatte am Ende seiner Predigt bei der Heiligen Messe anlässlich des Treffens zur Neuevangelisierung im Petersdom am 16. Oktober ein „Jahr des Glaubens” angekündigt. Dieses Jahr des Glaubens fällt fast genau zusammen mit dem letzten Jahr der geistlich-missionarischen Vorbereitung der Apostolischen Schönstatt-Bewegung auf das Jubiläum 2014, dem Jahr der missionarischen Strömung.

Pater José María García, Verantwortlicher der Jubiläums-Vorbereitung, freut sich über das providentielle Zusammentreffen „des missionarischen Glaubensjahres der Weltkirche und unserem missionarischen Jahr”, einem Zusammentreffen, das er als starken Impuls für einen erneuerten Einsatz in der „Neu-Evangelisierung aus der Glaubenserfahrung Schönstatts” sieht, dessen Symbole, wie er betont, „die Symbole des Jahres der missionarischen Strömung sind, das missionarische Kreuz der Einheit und das Bild der missionarischen Pilgernden Gottesmutter.”

Schönstatt: P. José María, was bedeuten diese Symbole konkret im Zusammenhang des Glaubensjahres für Schönstatt auf seinem Pilgerweg zum Jubiläum des Liebesbündnisses?

P. José María García : Beide Symbole wachsen aus dem gelebten Glauben in Schönstatt und symbolisieren einen in Christus verankerten Glauben, einen Glauben, der dazu drängt, „wie die Apostel und die frühen Missionare die Frohe Botschaft des Evangeliums mit aktivem Glauben, fester Hoffnung und brennender Liebe überall hinzutragen”, wie Benedikt XVI. am 16. Oktober in der Ansprache beim Angelus sagte. Die Frohe Botschaft des Evangeliums ist nun allerdings weder eine theoretische Abhandlung noch ein Programm oder eine Doktrin. Es ist eine Person. Es ist Jesus, unser Erlöser, er, der, wie das Credo sagt, für uns geboren ist, gelebt hat, gestorben und auferstanden ist. An seiner Seite finden wir in jedem Moment – wie es unser Kreuz der Einheit zeigt – Maria, die große Pilgerin des Glaubens, die große Missionarin der Völker … Wir wissen aus Erfahrung, aus einer uns oft überraschenden Erfahrung: Sie ist die große Missionarin. Ihr öffnen sich die Türen der Häuser und der Herzen. Sie, verkörperter Glaube des Volkes, kommt als Pilgerin, die Christus oft dorthin bringt, wo weder Priester noch offizielle Vertreter der Kirche jemals ihren Fuß hinsetzen könnten. Das ist die fortwährende Erfahrung unserer Kampagne der Pilgernden Gottesmutter. Sie kommt als Pilgerin und erobert die Menschen so, wie sie auf ihrer ersten Wallfahrt, bei ihrem Besuch bei Elisabeth, alle erobert hat: Indem sie Christus mitbringt und ihn verkündet durch ihren selbstlosen Dienst an den Menschen in ihren Bedürfnissen und durch das Singen des Magnifikat, dieses Liedes von der Größe und Liebe Gottes und der Freude über seine Anwesenheit im persönlichen Leben und im Leben der Völker …, einer Freude, die den Wunsch weckt, sich mitzufreuen.

Das missionarische Symbol schlechthin ist darum das Bild der Pilgernden Gottesmutter, ein Bild, das für Menschen steht – für die Person Mariens und die Person des Missionars, der sie trägt, der sie in die Höhe hebt, wie wir es auf dem Bild sehen, auf dem ein junger Missionar – auf den Schultern befreundeter Missionare – das Bild der Pilgernden Gottesmutter in die Höhe hebt.

Das Kreuz der Einheit – zusammen mit dem MTA-Bild das bekannteste und sprechendste Symbol des Liebesbündnisses – ist unser missionarisches Kreuz. In Madrid, als ich Zeuge der Begeisterung wurde, mit der Tausende von Jugendlichen am Schluss der Messe mit dem Heiligen Vater ihre missionarischen Kreuze erhielten, habe ich das als eine Vorwegnahme dessen erlebt, was unsere missionarische Aussendung in Rom sein könnte, mit der unser Jubiläum endet und das zweite Jahrhundert des Bestehens von Schönstatts beginnt, ein vom missionarischen Einsatz geprägtes Jahrhundert.

In vielen unserer Länder kennen wir ja die Missionskreuze, die nach den Volksmissionen errichtet wurden. Unser missionarisches Kreuz der Einheit steht in dieser Linie und soll an den Heiligtümern, im ganzen Netz der Heiligtümer zeigen, dass es noch eine Welt für Christus zu erobern und zurück zu erobern gibt, in der missionarischen Gestaltungskraft des Liebesbündnisses.

Schönstatt: Ist das Jahr der Heiligtumsströmung, das am 17. Oktober eröffnet wurde, jetzt erst noch etwas mehr Internes, oder hat es auch „missionarische” Züge und führt Schönstatt geradewegs hin zu dem, was es der Kirche geben will?

P. José María García: Die Veröffentlichung des Motu propio „Porta fidei” genau an dem Tag, an dem das Jahr der Heiligtumsströmung begonnen hat, eben am 17. Oktober, verstärkt von der Vrsehung her den Einsatz und die Verpflichtung Schönstatts, in missionarischer Haltung die Wirklichkeit des Heiligtums – als Ort der Begegnung mit Gott und der Neu-Evangelisierung – und sein Liebesbündnis in den Dienst der Kirche zu stellen. Weder das Heiligtum noch das Liebesbündnis haben wir nur für uns selbst, sondern für die Kirche und für die Welt.

Das Jahr der Heiligtumsströmung muss uns dazu anzuregen, das missionarische Potential aller Formen des Heiligtums zu betrachten vom Urheiligtum, den Filialheiligtümern, den Bildstöcken und Kapellen, den Hausheiligtümern, Arbeitsplatzheiligtümern bis hin zum Herzensheiligtum. Dieses missionarische Potential kann man nur vom Glauben aus sehen, aus der unerschütterlichen Überzeugung von der Gegenwart und Wirksamkeit der Dreimal Wunderbaren Mutter in jedem ihrer Heiligtümer. Aus dieser Glaubensüberzeugung heraus, einer persönlichen, erfahrenen Überzeugung, bleibt einem doch gar nichts anderes übrig, als die Türen jedes einzelnen unserer Heiligtümer weit zu öffnen für diejenigen, die den lebendigen Gott suchen, ob sie es wissen oder nicht. Wenn wir wirklich überzeugt sind, dass die Gottesmutter dort anwesend ist und dass sie als Missionarin in jedem Heiligtum wirkt, dann bringen wir alle zur Begegnung mit ihr und durch sie mit Christus, dem einzigartigen Gnadenquell, und in unserem Herzensheiligtum können wir das mit Menschen machen, die sich nie auch nur vorstellen würden, freiwillig einen heiligen Ort zu betreten. Meine Vision und mein Wunsch ist, dass unsere ganze Schönstattfamilie in diesem Jahr der Heiligtumsströmung mehr und mehr ein lebendiges Heiligtum in der ganzen Welt wird …, ein offenes Heiligtum, ein „mobiles” Heiligtum, das sich auf den Weg zu den Menschen macht, ein missionarisches Heiligtum, das Christus und Maria dorthin bringt, wo sie die Gnaden des Heiligtums austeilen möchten. Damit die Welt glaubt … muss man mit Taten zeigen, dass das Heiligtum ein Ort der Neu-Evangelisierung ist.

Schönstatt: Wie soll das in dieser Zeit der Vorbereitung auf das Jubiläum des Liebesbündnisses gehen?

P. José María García: In der Liturgie dieses Sonntags ist zu lesen, was der heilige Paulus den Thessalonichern geschrieben hat: „Unser Evangelium wurde bei euch nicht nur durch Worte verbreitet, sondern auch durch die Macht des Heiligen Geistes und durch tiefe Überzeugung”. Dieses Wort des Völkerapostels sei der Wunsch und das Programm der heutigen Missionare – Priester, Ordensleute und Laien –, die sich dafür einsetzen, Christus zu verkünden bei denen, die ihn noch nicht kennen oder ihn auf eine einfache historische Person verkürzt haben. Diese Worte des Heiligen Vaters sind eine Herausforderung und können uns auf unserem Pilgerweg leiten. Denn hier kommt in all das, was wir planen und möchten, die Gestaltungskraft des Heiligen Geistes hinein …, konkretisiert und erfahrbar durch die Projekte der Bündniskultur. Bündniskultur ist die Antwort Schönstatts auf die Frage von Kirche und Gesellschaft: Schönstatt, was tust du? In der Schönstatt-Bewegung und ihrem Umkreis sind im Laufe von fast 100 Jahren in aller Welt zahlreiche apostolische Initiativen missionarischer, pädagogischer, pastoraler, sozialer und gesellschaftspolitischer Natur entstanden. Immer geht es um Weltgestaltung aus dem Liebesbündnis eine Bündniskultur in allen Lebensbereichen. Was der Heilige Vater am 16. Oktober gesagt hat, drängt uns, unsere Anstrengungen in der Bündniskultur zu steigern: „Bitten wir den Heiligen Geist, dass die Kraft des Evangeliums die Familien, die Arbeitswelt, die Welt der Kultur, der Politik, des sozialen Lebens durchdringt”, damit wir, im Bündnis mit allen apostolischen Kräften der Kirche, „in Treue zu den Taufversprechen und mit der Kraft des Heiligen Geistes „die Frohe Botschaft des Evangeliums mit aktivem Glauben, fester Hoffnung und brennender Liebe überall hintragen…

Die Jungfrau Maria helfe jedem Christen, ein wirksamer Zeuge des Evangeliums zu sein”, betet der Heilige Vater. Wie hilft Schönstatt in diesem Sinne der Kirche? Maria erzieht Missionare in ihrer Familie von Missionaren. Seit jener missionarischen Wallfahrt zu Elisabeth pilgert und missioniert sie weiter und zeigt uns, wie wir missionarisch wirksam werden müssen: in der Haltung von Pilgern und in der Kraft des Heiligen Geistes. Ihre Wallfahrt zu Elisabeth war vom Dienen geprägt und hat Elisabeth mit dem Heiligen Geist erfüllt. Als ihre missionarische pilgernde Familie fühlen wir uns gerufen, hinzupilgern zu Elisabeth heute, als pilgernde Kirche, die in sich die verkörperte und Dienst gewordene Botschaft bringt. So hilft Maria der Kirche, wie der Heilige Vater betet, mit ihrer Fürbitte wie mit der Erziehung der Missionare des Glaubens.

Unser Jubiläum erhält in diesem geschichtlichen Moment der Kirche seinen vollen Sinn… Sie bereitet uns darauf vor, es zu feiern, indem wir der Kirche in ihrer radikalsten Berufung dienen, nämlich in der, das lebendige Evangelium Christus in seiner Kirche zu verkünden und in den Dienst der Menschen heute zu stellen.