Die Schweizergarde – ein Blick hinter die Kulissen

Kommandant Mäder: "Unsere 'Corporate Identity' ist der Glaube"

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ROM, 17. März 2006 (ZENIT.org).- "Die päpstliche Schweizergarde, 500 Jahre treuer Dienst in Uniform" lautete das Thema eines Vortrags, den Kommandant Elmar Theodor Mäder am Donnerstag auf Einladung der Gemeinschaft des Heiligen Petrus in Rom ("Circolo di San Pietro") in Rom hielt. Durch die Ausführungen des 1963 in Henau geborenen Schweizers war es möglich, einen Blick hinter die Kulissen der kleinsten Armee der Welt zu werfen, die demnächst ihr 500-jähriges Jubiläum feiern wird (vgl. ZENIT vom 23. Januar).



Die Geschichte der Schweizergarde beginnt am 22. Januar 1506, als 150 Schweizer ihren Dienst unter Papst Julius II. antraten. Doch schon bald mussten sie ihre Tatkraft unter Beweis stellen. Beim berühmten "Sacco di Roma", dem Einmarsch der Soldaten Kaiser Karls V., starben 147 Gardisten. Die restlichen 42 brachten Papst Clemens VII. in Sicherheit. Das Datum dieses Ereignisses, der 6. Mai 1506, ist seither traditionell der Tag der Vereidigung der neuen Gardisten. Auch wenn es nach der "Plünderung Roms" fast zwei Jahrzehnte lang keine Garde gegeben hatte, wollten die Päpste nicht auf die Schweizer verzichten. "Es hat bisher keinen einzigen Papst gegeben, der die Schweizergarde nicht haben wollte", stellte Kommandant Mäder fest. Normalerweise findet die Vereidigung seiner Schützlinge im Damasushof des Vatikans statt, in diesem Jahr wird sie jedoch zu Ehren der päpstlichen Leibgarde auf dem Petersplatz abgehalten werden.

Voraussetzungen und Aufgaben

Um in die Garde aufgenommen zu werden, müssen verschiedene Anforderungen erfüllt sein. So dürfen die Bewerber nicht älter als 30 Jahre sein, einen guten Leumund und einen Schulabschluss besitzen und darüber hinaus die schweizerische Rekrutenschule absolviert haben. Außerdem müssen die Kandidaten männlich, ledig, schweizer Staatsbürger und natürlich katholisch sein. Früher musste man noch mindestens 1,74m groß sein. Dies wird heute aber nicht mehr so streng gesehen. Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, gibt es im offiziellen Rekrutierungszentrum in der Schweiz (Schaffhausen am Rheinfall) ein Bewerbungsgespräch. Alle Dokumente gehen anschließend an den Kommandanten in Rom, der dann über eine eventuelle Aufnahme entscheidet.

"Wie die fünf Finger an der Hand, so gibt es fünf Hauptaufgaben der Garde: Eingang, Palast, Papst, Ordnung und Ehre", erklärte Elmar Mäder. Die meiste Zeit, nämlich 80 Prozent der Arbeit, beanspruche der Sicherheitsdienst. Für den so genannten Ehrendienst, also das Repräsentieren bei wichtigen Staatsbesuchen und sonstigen festlichen Anlässen, müsse der Gardist nur etwa 8 Prozent seiner Zeit aufwenden.

Die Schweizergarde schützt die wichtigsten Eingänge zum Vatikan und ist für die Sicherheit des Papstes zuständig, den sie auch bei seinen Reisen begleitet. Im Fall einer Sedisvakanz wird zusätzlich das Kardinalskollegium beschützt.

Den Ausdruck "Bodyguard" hält Kommandant Mäder aber für fehl am Platz: "Wir sind keine Bodyguards, wir bewachen den Papst "als Ganzes" – also sowohl körperlich als auch geistig." Deshalb erwarte man sich von einem Gardisten auch, dass er den Papst auch mit seinem Wort verteidige. Neben den vielen "Abenteuern", die es im Rahmen des Dienstes zu bewältigen gelte, erhalte der Schweizergardist eine einmalige Gelegenheit, "den eigenen Glauben zu vertiefen", fügte Kommandant Mäder noch an. "Unsere 'Corporate Identity' ist eben der Glaube."

Zweijährige Dienstzeit

Jeder Gardist beginnt seinen Dienst mit einer einmonatigen Rekrutenschule, wobei er daneben noch Italienischkurse besuchen muss. Bei erfolgreicher Absolvierung kann er seine neue Aufgabe als Hellebardier antreten. Heiraten darf er während der durchschnittlich zwei Jahre langen Dienstzeit nicht. Nur wer sich entscheidet, als Offizier in der Garde zu bleiben, für den ist die Hochzeit erlaubt - sofern es eine freie Wohnung gibt. Alle Offiziere müssen nämlich mit ihrer Familie im Vatikan wohnen. Die Amtssprache der Schweizergarde ist Deutsch, was auch daran liegt, dass etwa 70 Prozent der Gardisten aus der deutschensprachigen Schweiz stammen.

Das monatliche Einkommen eines Gardisten beträgt rund 1.300 Euro. Für viele mag diese Summe nicht sehr großzügig erscheinen, aber man muss berücksichtigen, dass die Gardisten keine Steuern und keine Wohnungsmiete bezahlen müssen. Außerdem dürfen sie im Vatikan einkaufen, und dort gibt es generell günstigere Preise als im restlichen Rom. Während der Dienstzeit ist es den Gardisten nicht erlaubt, sich die Zeit mit elektronischen "Hilfsmitteln" zu vertreiben. Handy und Computer sind also Tabu, nur das Lesen eines Buches wird gestattet.

Zum Schluss seines Vortrages räumte Kommandant Mäder noch die gröbsten Fehlinformationen über die Schweizergarde aus. So stellte er unter anderem fest, dass die Uniformen nicht von Michelangelo entworfen, sondern erst 1914 vom damaligen Kommandanten nach einem alten Vorbild angefertigt wurden. Eine "Renaissance der Renaissance" sozusagen. Außerdem unterstehe die Garde nicht der Schweizer Regierung, sondern dem Staatssekretariat des Vatikans, der sie auch finanziert.

Im Lauf der Geschichte habe es immer wieder Perioden gegeben, in denen die Schweizergarde Mühe hatte, geeignete Rekruten zu finden. Heute sei es einfacher, die Menschen für diesen besonderen Dienst zu begeistern. Besonders die Wahl Benedikts XVI. habe zu einem deutlichen Anstieg der Bewerbungen geführt. Die Anzahl der Gardisten wird nach Angaben Mäders aber auch in Zukunft auf 110 Mann beschränkt bleiben.