Die Selige Anna Schäffer

Heiligsprechung einer herausragenden Dienerin Gottes aus Deutschland, die ihr schweres Schicksal gläubig ertrug und Freude verbreitete

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ROM, 22. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ Anna Schäffer wurde am 18. Februar 1882 in Mindelstetten, Bayern, geboren; die Familie lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen. Beim Empfang ihrer Erstkommunion im Jahre 1894 opferte sie ihr Leben dem Heiland.

Im Alter von 13 Jahren nahm sie eine Arbeitsstelle in Regensburg an, um sich so das nötige Geld für den Eintritt in einen Orden verdienen zu können und Missionsschwester zu werden.

Am 14. Februar 1901 fiel sie während ihrer Arbeit in der Wäscherei in einen mit kochendem Wasser und Bleichmittel gefüllten Kessel. Dabei zog sie sich schwere Verbrühungen an den Beinen zu und blieb für den Rest ihres Lebens behindert.

Nachdem sie im Mai 1902 als Behinderte aus dem Krankenhaus entlassen worden war, verschlechterte sich ihr Zustand, bis sie ihr Bett nicht mehr verlassen konnte. Zu ihrem schmerzhaften Gebrechen gesellte sich bittere Armut.

Anna wurde die Gnade zuteil, ihren Schutzengel zu sehen. Bei jedem Empfang der hl. Kommunion betete sie um Stärkung in ihrer Schwäche, sodass sie Jesus würdiger empfangen könne.

Im Herbst des Jahres 1910 sah Anna in Visionen, die sie selbst „Träume“ nannte, den hl. Franziskus und später den Erlöser, der zur Annahme ihres Opfers der Wiedergutmachung bereit war. Seit diesem Zeitpunkt trug sie die Wundmale Christi. Um ihr Leiden in stiller Verborgenheit zu ertragen und jede Form der Zurschaustellung zu vermeiden, bat sie den Herrn darum, die sichtbaren Wundmale zu entfernen.

Am 25. April 1923 durfte Anna das Karfreitagsgeschehen miterleben. Ihr Zustand erfuhr eine erhebliche Verschlechterung. Ihre Beine wurden vollständig gelähmt. Hinzu kamen schmerzhafte Krämpfe infolge einer Rückenmarksversteifung und von Krebs.

Papst Johannes Paul sprach sie am 7. März 1999 selig. In seiner Predigt skizzierte der Papst Annas Leben folgendermaßen: „Wir können ihr Beispiel als einen lebendigen Kommentar zu jenen Worten betrachten, die der hl. Paulus an die Römer schrieb: ‚Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist‘ (Röm 5,5).“

„Je mehr das Leiden in ihrem Leben gegenwärtig wurde, desto mehr wuchs in ihr die Erkenntnis, dass Krankheit und Gebrechen die Zeilen sein können, auf die Gott sein Evangelium schreibt“, so der Papst.

Johannes Paul II. führte weiter aus: „Ihr Krankenzimmer bezeichnete sie als ‚Werkstätte des Leidens‘, das dem Kreuz Jesu Christi immer ähnlicher werden sollte. Sie sprach von drei Schlüsseln zum Himmel: ‚Der erste ist aus Roheisen und schwerer als die anderen. Er ist mein Leiden. Der zweite ist die Nadel und der dritte der Federhalter. Mit all diesen Schlüsseln will ich jeden Tag hart arbeiten, um das Himmelstor öffnen zu können.‘ “

Der Papst fügte folgende Worte hinzu: „Ihr Krankenbett wurde zum Ausgangspunkt eines umfangreichen Briefapostolates . Mit den ihr verbliebenen Kräften widmete sie Stickerei-Arbeiten und konnte so anderen Menschen Freude bereiteten. Als Lieblingsmotiv verwendete Anna in ihren Briefen und in ihren Handarbeiten das Herz Jesu als Symbol der Liebe Gottes.“ 

[Übersetzung des englischen Originals von Sarah Fleissner]