"Die Seligpreisungen sind der Weg, den Gott uns weist"

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Redaktion | 539 klicks

Die heutige Generalaudienz begann um 10.15 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Rede setzte der Papst die im Juni begonnene Katechesen-Reihe über die Kirche fort. Nach einer Zusammenfassung seiner Katechese in verschiedenen Sprachen richtete der Heilige Vater einen besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen und gedachte der Opfer des Erdbebens in China.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des „Vater Unser“ und dem Apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Die Kirche: 3. Neuer Bund und neues Volk

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag.

In den vergangenen Katechesen haben wir gesehen, dass die Kirche ein Volk bildet; ein Volk, das mit Geduld und Liebe von Gott geformt worden ist und dem wir alle anzugehören berufen sind. Heute möchte ich die Neuartigkeit hervorheben, die dieses Volk kennzeichnet: Es handelt sich nämlich tatsächlich um ein neues Volk, das im neuen Bund begründet ist, den unser Herr Jesus mit dem Opfer seines Lebens besiegelt hat. Diese Neuartigkeit ist keine Leugnung des zuvor befolgten Weges und steht nicht im Gegensatz zu ihm, sondern führt in weiter und vollendet ihn.

1. Es gibt eine sehr wichtige Gestalt, die wie ein Reißverschluss das Alte und das Neue Testament miteinander verbindet: Johannes der Täufer. Für die synoptischen Evangelien ist er der „Wegbereiter“; der, der das Kommen des Herrn vorbereitet, indem er das Volk auf die Bekehrung der Herzen und auf den herannahenden Trost Gottes einstimmt. Für das Johannesevangelium ist er der „Zeuge“, der uns hilft, in Jesus den Herrn zu erkennen, der vom Himmel herabgestiegen ist, um unsere Sünden zu vergeben und aus seinem Volk seine Braut zu machen; der Erstgeborene der neuen Menschheit. Als „Wegbereiter“ und „Zeuge“ kommt Johannes dem Täufer eine Schlüsselrolle in der Heiligen Schrift zu, denn er wird zur Brücke zwischen der Verheißung des alten Bundes und ihrer Erfüllung, zwischen den Prophezeiungen und ihrer Verwirklichung in Jesus Christus. Durch sein Zeugnis weist Johannes uns auf Jesus hin, fordert uns auf, ihm zu folgen, und sagt uns klar und deutlich, dass wir dazu demütig sein müssen, den Weg der Reue und Umkehr einschlagen müssen: Er lädt uns ein zu Demut, Reue und Umkehr.

2. So, wie Moses seinen Bund mit Gott kraft des Gesetzes geschlossen hatte, das er am Berge Sinai empfangen hatte, so überreicht auch Jesus auf einem Berg am Ufer des Sees Genezareth seinen Jüngern und der anwesenden Menschenmenge eine neue Lehre, die mit den Seligpreisungen beginnt. Moses verkündet das Gesetz vom Sinai aus und Jesus, der neue Moses, verkündet das Gesetz von jenem Berg am Ufer des Genezareth. Die Seligpreisungen sind der Weg, den Gott uns weist; die Antwort auf das Verlangen nach Glück, das dem Menschen innewohnt. Sie vervollkommnen die Gebote des Alten Bundes. Wir haben uns angewöhnt, die zehn Gebote auswendig zu lernen – natürlich kennt ihr sie alle; ihr habt sie im Katechismus gelernt – aber wir sind es nicht gewohnt, die Seligpreisungen zu wiederholen. Versuchen wir doch einmal, sie uns ins Gedächtnis zu rufen und in unser Herz zu schreiben. Machen wir es so: Ich werde sie einzeln aufsagen und ihr wiederholt sie. Einverstanden?

Erstens: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ [Alle wiederholen].

„Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.“ [Alle wiederholen].

„Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.“ [Alle wiederholen].

„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.“ [Alle wiederholen].

„Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.“ [Alle wiederholen].

„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.“ [Alle wiederholen].

„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ [Alle wiederholen].

„Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ [Alle wiederholen].

„Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.“ Ich helfe euch dabei [Er wiederholt gemeinsam mit den Leuten]: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.“

„Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ [Alle wiederholen].

Gut gemacht! Aber wir wollen es so machen: Ich gebe euch eine Hausaufgabe; etwas, was ihr zuhause machen sollt. Nehmt ein Evangelium, am besten das, was ihr immer bei euch tragt… vergesst nicht, dass es gut ist, immer ein Evangelium bei sich zu haben; in der Tasche, zumindest aber im Haus. Nehmt ein Evangelium, und in einem der ersten Kapitel von Matthäus – ich glaube, im fünften – findet ihr die Seligpreisungen. Heute oder morgen, wenn ihr zuhause seid, lest sie noch einmal durch. Werdet ihr das tun? [Alle: Ja!]. Damit wir sie nicht vergessen, denn sie sind das Gesetz, das Jesus uns gegeben hat. Werdet ihr das tun? Danke!

Diese Worte enthalten die ganze Neuheit der Botschaft Christi; sie ist ganz in diesen Worten enthalten! Die Seligpreisungen sind ein Abbild Jesu, seine Art zu leben; und sie sind der Weg zum wahren Glück, den auch wir gehen können, kraft der Gnade, die Jesus uns schenkt.

3. Außer dem neuen Gesetz hat Jesus uns auch das „Protokoll“ überreicht, nach dessen Maßstäben wir beurteilt werden sollen. Denn am Ende der Zeiten werden wir beurteilt werden. Und was wird man uns dann fragen? Welche Fragen wird man uns stellen? Nach welchem Protokoll wird der Richter uns beurteilen? Wir finden es im fünfundzwanzigsten Kapitel des Matthäusevangeliums. Eure Aufgabe heute ist: Lest das fünfte Kapitel des Matthäusevangeliums, mit den Seligpreisungen, und lest das 25. Kapitel, mit dem Protokoll, den Fragen, die man uns am Tag des Gerichts stellen wird. Kein Titel, kein Guthaben und kein Privileg kann uns dann retten. Der Herr wird uns wiedererkennen, wenn wir ihn unsererseits in den Armen, den Hungernden, in den Notleidenden und Ausgegrenzten, in den Kranken und Einsamen erkannt haben werden… Das ist eines der Grundkriterien, nach denen sich unser christliches Leben bemessen lässt; ein Maßstab, an dem wir uns täglich messen sollten. Ich lese die Seligpreisungen und denke daran, wie mein christliches Leben sein sollte; danach prüfe ich mein Gewissen mit dem 25. Kapitel von Matthäus. Jeden Tag: Habe ich das getan, und das, und jenes… Es wird uns gut tun! Das sind einfache, handfeste Dinge.

Liebe Freunde, genau darin besteht der Neue Bund: dass wir in Christus erkennen, dass die Barmherzigkeit und das Mitleid Gottes uns umgeben. Das ist es, was unser Herz mit Freude erfüllt, und das ist es, was aus unserem Leben ein schönes und glaubwürdiges Zeugnis der Liebe Gottes zu allen Menschen macht, denen wir täglich begegnen. Denkt an eure Aufgaben! Fünftes und Fünfundzwanzigstes Kapitel des Matthäusevangeliums! Danke!

Aufruf für das Erdbeben in China

Ich drücke der Bevölkerung der chinesischen Provinz Yunnan, die vergangenen Sonntag von einem Erdbeben getroffen wurde, das zahlreiche Opfer und hohe Sachschäden verursacht hat, meine Nähe aus. Ich bete für die Verstorbenen und für ihre Angehörigen, für die Verletzten und für alle, die ihr Zuhause verloren haben. Möge der Herr ihnen Trost, Hoffnung und Hilfe in dieser Prüfung zuteilwerden lassen.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]