Die Seligpreisungen stellen unsere Werte auf den Kopf

Ansprache des Papstes vor dem Angelusgebet am 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

| 1838 klicks

ROM, 31. Januar 2011 (ZENIT.org).- "Wenn Gott tröstet, den Hunger nach Gerechtigkeit stillt, die Tränen der Trauenden trocknet, dann bedeutet das nicht nur, dass er jedem auf eine sensible Weise gerecht werden will, sondern dann erschliesst sich darin das Himmelreich".

Wir veröffentlichen die Ansprache des Papstes vor dem Angelusgebet am 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A in einer eigenen deutschen Übersetzung.

* * *

Liebe Brüder und Schwestern!

An diesem vierten Sonntag im Jahreskreis stellt das Evangelium die erste große Ansprache des Herrn vor, die er von den malerisch gelegenen Hügeln des Sees von Galiläa herab an die Menschen richtete.

„Als Jesus die Scharen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie" (Mt 5, 1-2).

Jesus, der neue Mose, „nimmt den Patz seiner ‚Kathedra‘, seines ‚Lehrstuhls‘, auf dem Berg ein" (Papst Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Freiburg 2007, S. 95) und verkündet den Armen im Geiste, den Trauernden, den Barmherzigen, den nach Gerechtigkeit Hungernden, denen, die ein reines Herz haben und den Verfolgten, die ‚Glückseligkeit‘(vgl. Mt 5, 3-10).

Da handelt es sich nicht um eine neue Ideologie, sondern um eine Lehre, die aus einer neuen Höhe auf menschliche Verhaltensweisen eingeht. Es geht um die Lehre des Herrn, der Mensch wurde und die menschliche Natur annahm, um sie zu erlösen.

Darum „ist die Bergpredigt in die Weite der Welt, Gegenwart und Zukunft hinein gerichtet...und kann nur in der Nachfolge Jesu, im Mitgehen mit ihm, verstanden und gelebt werden" (ebd S. 98). Die Seligpreisungen sind ein neues Lebensprogramm, das hilft, um sich von den falschen Werten der Welt zu befreien und sich den wahren Gütern zu öffnen, sowohl den vergangenen und als auch den zukünftigen. Wenn Gott tröstet, den Hunger nach Gerechtigkeit stillt, die Tränen der Trauenden trocknet, dann bedeutet das nicht nur, dass er jedem auf eine sensible Weise gerecht werden will, sondern dann erschließt sich darin das Himmelreich. „Die Seligpreisungen sind die Umsetzung des Kreuzes und der Auferstehung im Leben der Jünger" (ebd. S. 103). Sie spiegeln das Leben des Gottessohnes wider, der sich verfolgen ließ bis zur Verurteilung zum Tode, damit den Menschen die Erlösung zu Teil werde.

Ein alter Eremit bekräftigt: „Die Seligpreisungen sind Geschenke Gottes, und wir müssen ihm sehr für sie und für die aus ihnen hervorgehenden Gnadengaben dankbar sein, nämlich das Himmelreich des kommenden Zeitalters, die Tröstung auf Erden, die Fülle jedes Gutes und die Barmherzigkeit Gottes... wenn sie erst einmal Bilder Christi auf Erden werden" (Petrus von Damaskus, Philokalia, Bd. 3, Turin 1985, S. 79). Das ‚Evangelium der Seligpreisungen‘ kommentiert mit der Geschichte der Kirche selber die Geschichte der christlichen Heiligkeit, denn, wie der hl. Paulus schreibt, „das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen" (1 Kor 1, 27-28). Aus diesem Grund fürchtet die Kirche weder Armut noch Schmähung und Verfolgung in einer Gesellschaft, die nach materiellem Wohlstand und weltlicher Macht strebt.

Der hl. Augustinus erinnert uns daran, dass „es nichts nützt, diese Übel nur zu erleiden, sondern sie im Namen Jesu zu ertragen, nicht nur mit ruhiger Seele, sondern auch mit Freude" (De sermone Domini in monte, I, 5, 13: CCl 35, 13).

Liebe Brüder und Schwestern, rufen wir die Jungfrau Maria, die Seliggepriesene par excellence, an, und bitten wir sie um die Kraft, den Herrn zu suchen und ihm immer voll Freude auf dem Weg der Seligpreisungen zu folgen.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Jan Bentz © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]