Die sieben Kerzen bei einer Bischofsmesse

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Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 387 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zum Brauch der sieben Kerzen bei einer Bischofsmesse.

Frage: Besteht eine Beziehung zwischen der Menorah (dem siebenarmigen Leuchter) des Tempels von Jerusalem und den sieben Kerzen, die man anzündet, wenn ein Bischof die Messe feiert? -- C.S., Rom 

P. Edward McNamara: Eine direkte Beziehung gibt es nicht und wahrscheinlich auch keine indirekte. 

Einige Bräuche aus dem Judentum sind von Anfang an direkt in den katholischen Gottesdienst übernommen worden – so zum Beispiel Worte wie das „Amen“ und das „Halleluia“, sowie die Struktur, die einigen unserer Segensgebete und Eucharistischen Gebete zugrundeliegt. 

Vieles andere, was wir mit dem Judentum gemeinsam haben und seine Inspiration von der Heiligen Schrift hernimmt, ist später indirekt übernommen worden. Zum Beispiel hat man während des Mittelalters für den Weiheritus Gebete verfasst, in denen die heiligen Gewänder Aarons und der übrigen Hohepriester erwähnt wurden. Generationen später inspirierten diese Gebete die Einführung von Riten, die bei der liturgischen Einkleidung der Neugeweihten vollzogen werden. Es gibt viele ähnliche Beispiele für diese Art indirekter Einflussnahme. 

Was unsere Frage angeht, so stammen die ersten Zeugnisse vom Gebrauch der sieben Kerzen aus der päpstlichen Liturgie des 7. Jahrhunderts. Diese Kerzen wurden später nicht mehr auf den Altar, sondern auf den Boden vor den Altar gestellt. 

Der Einsatz von Akolythen mit Fackeln entstammt wahrscheinlich dem römischen Brauch, hohen Beamten des Kaiserreichs eine Begleitung mit brennenden Fackeln zur Seite zu stellen. Darüber hinaus war dieser Zug von einem weiteren Diener begleitet, der eine reich verzierte Kopie des Gesetzeskodex trug. 

Die Anzahl dieser Fackeln war jedoch nicht näher bestimmt. Selbst wenn also die Praxis von diesem römischen Brauch abstammen sollte, lässt sich die Wahl der sieben Akolythen nicht darauf zurückführen. Einige Autoren meinen, die Zahl rühre von den sieben Leuchtern im Buch der Geheimen Offenbarung (Kap. 1) her. Diese Behauptung ist jedoch hypothetisch und nur ungenügend mit Argumenten untermauert. 

Die sieben Leuchter aus der Apokalypse könnten ihrerseits durchaus etwas mit der Menorah zu tun haben, doch würde sich das sicher nicht auf ihre Einführung in der Liturgie ausgewirkt haben. 

Der von einem Zeugnis aus dem 7. Jahrhundert beschriebene Brauch wurde später in Rom ausgesetzt, in verschiedenen Klöstern jedoch beibehalten. Um die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts erschienen Kerzen auf dem Altar, eine Praxis die jedoch weder universal war, noch war dort, wie die Kerzen aufgestellt wurden, ihre Anzahl überall gleich. 

Erst im ausgehenden 13. Jahrhundert wurde in der römischen Liturgie bei Pontifikalämtern die Verwendung der sieben Altarkerzen wieder eingeführt. In einem Zeremonienbuch, dessen Autor Kardinal Giacomo Stefaneschi (1270-1343) ist, wurde der Brauch festgeschrieben. Es heißt dort, dass „wenn der Papst ein Hochamt feiert, sieben Kerzen auf den Altar gestellt werden müssen.“ 

Diese Praxis gilt auch heute noch. In der außerordentlichen Form wird im „Zeremoniale für die Bischöfe“ darauf hingewiesen, dass wenn ein Bischof ein Pontifikalamt feiert, sieben Leuchter auf den Altar zu stellen sind. Das Kreuz stellt man vor den in der Mitte stehenden Leuchter. 

In der ordentlichen Form wird die Praxis weniger genau beschrieben. Das liegt daran, dass es erlaubt ist, Kerzen auch nahe beim Altar und nicht unbedingt auf ihm abzustellen. Das Zeremoniale für die Bischöfe sieht unter den Nrn. 125 und 128 die Möglichkeit vor, dass an der Eingangsprozession zwei bis sieben Akolythen mit brennenden Kerzen teilnehmen. Diese Kerzen dürfen dann auf den Altar oder auf den Boden nahe beim Altar gestellt werden. 

Obwohl dies nicht ausdrücklich im liturgischen Buch erwähnt wird, ist es in Übereinstimmung mit der Praxis bei päpstlichen Feiern möglich, noch vor Beginn der Messe sieben Kerzen auf dem Altar oder nahe beim Altar aufzustellen. Bei der Eingangsprozession begleiten zwei Kerzenträger das Prozessionskreuz und ihnen können sechs Fackel- oder Flambeau-Träger folgen. In diesem Fall werden die Kerzen, die bei der Eingangsprozession getragen wurden, nach Abschluss der Prozession diskret auf eine Seite gestellt. Man benutzt beide Kerzen noch bei der Verkündigung des Evangeliums und am Ende der Messe. Die sechs Fackeln werden während des Hochgebets zusammen mit dem Weihrauchfass noch einmal vor den Altar getragen. 

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Nachfolge-Artikel: Wiederverheiratete geschiedene Gläubige und der Kommunionempfang 

Mehrere Leser reagierten auf unseren Artikel vom 14. Februar über wiederverheiratete geschiedene Gläubige und den Kommunionempfang, unter ihnen auch einige, die aufgrund dieser Situation persönlich schwer zu leiden haben. Wir schließen sie in unser Gebet ein, auch wenn wir momentan für ihre Situation keine konkreten Lösungen außer denjenigen anbieten können, die die Kirche schon vorsieht. 

Einige Priester stellten die Frage, ob sich das Fehlen von Ehetribunalen oder ein Rückstand, wie er durch jahrelang unerledigte Fälle entsteht, auf die Antwort, die ich gegeben habe, auswirken könnte. 

Da meine Antwort auf das Prinzip gegründet war, dass im inneren Bereich nicht über die Gültigkeit von Ehen entschieden werden kann, wirkt sich das unzureichende Vorhandensein gesetzlicher Instanzen in diesem Sinne nicht aus. 

Das bedeutet aber nicht, dass man diese Probleme übergehen darf; in der Tat besteht in einigen Ländern aufgrund der Ineffizienz ihrer Tribunale dringend Handlungsbedarf. Obwohl ich kein Kirchenrechtler bin, bin ich mir dennoch sicher, dass die Vorgehensweise vereinheitlicht werden könnte, was den Abschluss der Prozesse beschleunigen würde, vor allem in Fällen, in denen Beweise vorliegen, die die Ungültigkeit recht deutlich erkennbar machen. 

Gleichzeitig darf der Annullierungsprozess keine Formsache sein, vielmehr muss er die Ungültigkeit aufgrund von Tatsachen feststellen. Bloß wahrscheinliche Argumente reichen nicht aus, um ein Sakrament für ungültig zu erklären. 

Hier befinden wir uns auch in einem Bereich, in dem eine breitere Aufnahme von kirchenrechtlich ausgebildeten Ordensfrauen und Laien von großem Vorteil wäre. Bestimmte Positionen, wie die eines Gerichtsvikars, sind notwendigerweise Priestern vorbehalten, doch entfalten Priester neben ihrer Tätigkeit im Tribunal oft auch ein breites Spektrum seelsorgerlicher Tätigkeiten. Qualifizierte Laien und Ordensleute könnten, wie das in einigen Ländern schon geschieht, die Effizienz der Gerichte verbessern, ohne dass man deswegen auf eine skrupelhaft aufmerksame Ermittlung der Tatsachen verzichten müsste. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel http://www.zenit.org/en/articles/7-candles-at-a-bishop-s-mass