Die Sixtinische Madonna

Raffaels Kultbild wird 500

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ROM, 16. Juli 2012 (ZENIT.org). – Noch bis zum 26. August ist in Dresden in der Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau am Zwinger die Jubiläumsausstellung zum 500. Geburtstag der „Sixtinischen Madonna“ des Malers Raffaelo Santi (1483-1520) zu sehen (ZENIT berichtete mehrfach).

„Dieses Gemälde gehört heute zu den berühmtesten Kunstwerken der Welt – und wer nicht das ganze Werk kennt, kennt zumindest die beiden Engelchen, die so sympathisch am unteren Bildrand lümmeln“, heißt es in der Ankündigung. 500 Jahre Sixtinische Madonna bedeute spannende Geschichten, geprägt von geheimen Verhandlungen und glanzvoller Präsentation, Vergessenheit und internationalem Ruhm, künstlerischen Entdeckungen und abgründigem Kitsch.

Die große Jubiläumsausstellung zeichnet die Geschichte dieses Meisterwerks von seiner Entstehung bis in die Gegenwart nach. In vier Sektionen werden sowohl der kunst- und kulturhistorische Kontext als auch die Rezeptionsgeschichte des Werkes beleuchtet:

I. Raffael in Rom

Diese Ausstellungssektion stellt die „Sixtinische Madonna“ in den Kontext der römischen Arbeiten Raffaels und weiterer Künstler der Renaissance. Leihgaben aus internationalen Museen vervollständigen das Bild, wie etwa die „Garvagh Madonna“ (um 1509/10) aus der Londoner National Gallery oder ein Fragment eines Engels (um 1512) aus der Pinacoteca Vaticana. Weitere Meisterwerke der italienischen Renaissance sind u.a. die Zeichnung „Maria in der Mandorla mit Aposteln und dem knienden Papst Sixtus IV.“ aus der Albertina in Wien sowie eine Madonna von Filippino Lippi (um 1475) aus dem Szépmüvészeti Museum in Budapest. In diesem Teil der Ausstellung wird auch der Auftraggeber Papst Julius II. vorgestellt, der die Dresdener Altartafel für das Kloster San Sisto in Piacenza malen ließ.

II. „Platz für den großen Raffael!“

Der spektakuläre Ankauf der „Sixtinischen Madonna“ durch August III.
Fast 250 Jahre blieb die „Sixtinische Madonna“ an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort in Piacenza so gut wie unbekannt. Erst durch ihren spektakulären Ankauf durch August III. 1752/54 für die Gemäldegalerie in Dresden trat sie in die Öffentlichkeit. Adolph Menzel hielt in seinem Pastell „Platz für den großen Raffael!“ (1855/59) den legendären Ausspruch Augusts III. bei der Ankunft des Gemäldes fest. Anhand bislang zum Teil nie ausgestellter Dokumente aus dem Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden, der Biblioteca Passerini-Landi und dem Archivio Gulieri in Piacenza wird die wechselvolle Ankaufsgeschichte vorgestellt.

III. Auf dem Weg zum Mythos – Die „Sixtinische Madonna“ in Literatur, Kunst, Musik und Design

Durch die öffentliche Präsentation der „Sixtinischen Madonna“ in der Gemäldegalerie in Dresden begann gegen 1800 die rezeptionsgeschichtliche Auseinandersetzung mit dem Werk in Literatur, Kunsthandwerk, Fotografie und Musik. Parallel dazu wurde die Sixtina in der Malerei und Grafik kopiert und reproduziert, wie Friedrich Burys Gemälde „Kurprinzessin Auguste die Sixtinische Madonna kopierend“ (um 1808/09) aus dem Museum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel illustriert. Außerdem war das Gemälde ein beliebtes Motiv in Zeitschriften, Stickbildern, Werbung, Karikaturen und Poesiealben des Bürgertums im Biedermeier und im Deutschen Kaiserreich. Im 20. Jahrhundert wird der Mythos des Bildes durch den Zweiten Weltkrieg, den Abtransport nach Russland im Jahr 1945 und die propagierte Legende von der Rettung des Gemäldes durch die sowjetischen Truppen weiter geschrieben. Die Rettungslegende überdauerte die Rückkehr des Gemäldes im Jahr 1955 und fand ihren Ausdruck z.B. in dem Bild von Mikhail Kornetsky „Die Rettung der Madonna“ (1984/85) aus dem Latvian National Museum of Art in Riga.

IV. Eine internationale Karriere: Die Engelchen in Kitsch und Kunst

Die zwei Engelchen der „Sixtinischen Madonna“ wurden als eigenständiges Bildmotiv erstmals um 1800 benutzt. Seitdem haben sie losgelöst von der „Sixtinischen Madonna“ eine eigene „Karriere“ gemacht. Die Ausstellung zeigt Beispiele sowie Karikaturen vom frühen  19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmen- und Vermittlungsprogramm sowie Kinderprojekten begleitet.