Die Synode ist das Abbild der Weltkirche

Dialog mit dem Islam und Reihenfolge der Sakramente der Taufe und der Firmung im Mittelpunkt des Interesses

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ROM, 15. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Im Briefing zu den Synodensitzungen am Samstag, den 13. Oktober, und am Montag, den 15. Oktober, gab P. Markus Graulich, S.D.B. einen Überblick zu den thematisch sehr breit gefächerten Beiträgen der Teilnehmer. Als besonders aufschlussreich unter den insgesamt 15 Beiträgen am Samstag nachmittag bezeichnete P. Markus Graulich, S.D.B. den Vortrag von P. Heinrich Walter, Generalsuperior der Schönstatt-Patres, zur Rolle der Familie in der Neuevangelisierung. In der sich am Abend anschließenden Diskussion dominierten vor allem zwei Themen, nämlich der Dialog mit dem Islam und die Frage, ob die Reihenfolge der Sakramente Taufe, Firmung an die Ostkirche anzugleichen sei.

Unter den 26 Wortmeldungen, die von den Teilnehmern am Montag morgen vorgetragen worden warden, wies P. Markus Graulich, S.D.B. insbesondere auf fünf Themen im Briefing hin: die Rolle der christlichen Gemeinschaften, Familie, Jugendliche und Kirche, Martyrium und Christenverfolgung, die Lage in Zimbabwe und schließlich die Befähigung der Priester zur Evangelisierung.

Anschließend folgten Anmerkungen des Bischofs von Limburg Franz-Peter Tebartz-van Elst zur Synode. Bischof Tebartz-van Elst bezeichnete seine erste Teilnahme an der Synode als überwältigende Erfahrung. 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil würden im Rahmen der Synode die missionarische Erweiterung und die weltweite Kirche sichtbar.

Bischof Tebartz-van Elst stellte im folgenden einige Punkte heraus. Besonders evident sei die weltkirchliche Erfahrung während der Synodensitzungen. Natürlich seien die Probleme der jeweiligen Ortskirchen sehr unterschiedlich, doch das Denken gehe stets und bei allen in eine Richtung. Das Erfordernis der Selbstevangelisierung der Kirche werde deutlich.

Zum Thema „professio“ - „confessio“ äusserte Bischof Tebartz-van Elst, dass die Katechese mit dem Prozess von der „professio“ zur „confessio“ vergleichbar sei. „Professio“ hieße, so Bischof Tebartz-van Elst, auch unter schwierigen Umständen zu glauben. Gerade große Krisen und ihre Überwindung durch den festen Glauben seien wichtig für die Identitätsbildung. Der Bischof ergänzte, dass viele Bischöfe sich in großen Bedrängnissen befänden und das Thema der Christenverfolgung, die häufig sehr subtil erfolge, aktuell sei und beispielsweise in den islamischen Ländern ein großes Problem darstelle.

Eine der großen Herausforderung der Kirche bestehe darin, der immer weiter fortschreitenden Säkularisierung entgegenzuwirken. Unsere Gesellschaft werde vom Relativismus beherrscht. Die Freiheit zu einer differenzierten Sichtweise sei unantastbar, so Bischof Tebartz-van Elst, doch sei eine Welt ohne Gott problematisch. Es sei wichtig, missionarische Anknüpfungspunkte herauszustellen.

Einen wichtigen Anknüpfungspunkte stelle die Ehe und Familie dar. Für die Evangelisierung sei ein entsprechendes Fundament in der Ehe und Familie unabdingbar, denn bereits hier müsse das kirchliche Bild vermittelt werden.

Die Kirche müsse ihre besondere Aufmerksamkeit der Suche nach Wegen zur Evangelisierung schenken. Grundsätzlich sei die jüngste Entwicklung in Deutschland ermutigend. Bischof Tebartz-Van Elst verwies auf die vielen Erwachsenentaufen, die im Zuge der Wiedervereienigung in den 90er Jahren vorgenommen wurden und auf das große Interesse, das er vor allem bei jungen Menschen, zum Beispiel in Frankfurt bei seiner Arbeit feststellte. Die Stadt sei ein prädestinierter Ort für die Evangelisierung. Wichtig sei, den Mut zu fassen, den ersten Schritt zu tun. Bischof Tebartz-van Elst zitierte an dieser Stelle Papst Benedikt XVI., „Glaube zielt auf leben können“, und stellte die eschatologische Perspektive, die Hoffnung auf das ewige Leben als wichtige Komponente heraus.

Abschließend kommentierte Bischof Tebartz-van Elst das Problem der Glaubensvermittlung. Ein evangelisatorischer Bewußtseinswandel sei erforderlich, doch dürfe man nicht in der Kritik verweilen, sondern müsse sich vielmehr auf die positiven Aspekte konzentrieren und den Reichtum und die Freude des Glaubens herausstellen. Wer im Dienst von Jesus stehe, habe durch das tägliche Gebet eine persönliche Beziehung zu Jesus und müsse die Weitergabe in den eigenen pastoralen Kontext setzen.

Bischof Tebartz-van Elst betonte, dass die Weitergabe des Glaubens möglich sei, wenn ein Mensch die Erfahrung gemacht habe, dass sich sein Leben durch den Glauben zum positiven ändere. Die Arbeitssituation der Priester sei sehr unterschiedlich und häufig mit großen Belastungen verknüpft. An dieser Stelle erzählte Bischof Tebartz-van Elst von einem Geistlichen, der in einem Pariser Problemvorort jeden Tag seinen Dienst verrichtet und der auf die Frage, wie er dieser Situation jeden Tag standhalte, antwortete: „Wir gehen von Anfang zu Anfang, jeden Tag neu, bis zum letzten Anfang.“

Abschließend beantwortete Bischof Tebartz-van Elst noch einige Fragen der anwesenden Journalisten. Gegenüber Zenit äußerte er auf die Frage zur Rolle der Frau, dass zwischen Mann und Frau eine Geschlechterdifferenz bestehe und dass beide komplementär die Fülle Gottes zur Darstellung brächten. Man müsse mehr auf die Rolle der Frau in der Bibel achten, wo sie Zeuginnen der Auferstehung seien und damit eine besondere Nähe zu Gott hätten. Im Hinblick auf diesen Punkt sei eine exegetische Auslegung der Bibel ratsam. Als ein sehr positives Zeichen bewertete er die Teilnahme sehr vieler Frauen an der Synode, die ein Abbild der Weltkirche sei. [bd]