Die Synode ist keine Parlamentariersitzung

Positive Bilanz der deutschen Teilnehmer bei abschließender Pressekonferenz der Bischofssynode

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Von Jan Bentz

ROM, 25. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Gestern fand in der „Sala Marconi“ von Radio Vatikan eine Bilanz-Pressekonferenz der deutschen Synodenbischöfe statt. Anwesend waren Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst und Bischof Dr. Franz-Josef Bode.

Die Qualität des Abschlussdokuments  überträfe noch seine Hoffnungen, erklärte Joachim Kardinal Meisner während dieser letzten Pressekonferenz über die Weltbischofssynode. Das Arbeitsdokument wurde in den „Circuli minori“ erarbeitet und wird am heutigen Freitag der Vollversammlung der Bischöfe vorgelegt. Das Abschlussdokument wird verfasst und dann Papst Benedikt XVI. übergeben „der ihm den letzten Schliff gibt“.

Sich als Bischof nicht isoliert, sondern als Mitglied der Bischofs-Familie der Weltkirche zu fühlen, dazu sei eine internationale Bischofssynode eine gute Gelegenheit, so Meisner. Es sei eine wirklich große Synode gewesen. Vor allem auch innerlich an der Synode teilzunehmen, das sei die Aufgabe bei einem solchen Treffen. „Gerade in den Sprachzirkeln kamen wirklich die Probleme auf den Tisch; dort konnten wir unsere über ganz speziellen Probleme austauschen“.

Erzbischof Zollitsch hob, ebenfalls neben seiner Erfahrung der gegenseitigen Bereicherung hervor, er habe auf dieser Synode eine „hörende und eine lernende Kirche erfahren“. Die Neuevangelisierung sei ein wirkliches Anliegen aller und betreffe alle Kontinente. „Der Glaube, der ewig ist, muss mit neuen Worten und Bildern neu vermittelt werden“. Die Frage, wie man im Heute den Glauben leben und bezeugen könne, sei allen gemeinsam.

Eine Möglichkeit, Gott zu finden, sei die Schöpfung. Die Welt als Gottes Schöpfung spreche zu den Menschen, und man könnte ihn in ihr finden. Ein weiterer Punkt sei die „Kultur und wie sie zur Neuevangelisierung beitragen kann.“

Die Atmosphäre sei brüderlich und kollegial. „Auch der Papst hört uns aufmerksam zu und bekommt ein Gespür dafür, was der Kirche in der Welt auf dem Herzen liegt.“ Die Beiträge der deutschen Synodenteilnehmer seien aufmerksam zur Kenntnis genommen worden, erklärte er. Sie seien in die Botschaft an die katholischen Gläubigen und in die Propositiones, die Voten, die an den Heiligen Vater gehen, aufgenommen worden.

„Gerade das Zusammensein mit den Menschen und der Dialog sind das Herz der Neuevangelisierung“. „Ich gehe mit vielen Geschenken und großer Bereicherung nach Freiburg zurück, das steht fest“, so der Erzbischof.

Bischof Bode (Osnabrück) erklärte, er habe bei dieser Weltsynode den Geist erleben dürfen, wie er wohl bei einem Konzil zu spüren sei. „Ich selber habe das Konzil damals nur als Kind im Fernsehen verfolgt, hier konnte ich nun ein bisschen Konzilsgeist nachholen“.

Die Neuevangelisierung müsse auf die Säkularisierung der Gesellschaft antworten; wichtig sei aber die Umkehr in der Kirche selber, damit sie wieder glaubwürdig werde. Die Synode habe sehr viel Konzentration und Geduld gefordert. Es gebe völlige Bereitschaft, Inkulturation und Dialog wirklich in die Praxis umzusetzen, wie sie in dem Konzilsdokument „Gaudium et Spes“ dargelegt seien.

Beeindruckend seien auch die ökumenischen Zeugnisse der Repräsentanten der Orthodoxen und der Anglikanischen Kirche gewesen.

Die Probleme der eigenen Diözese würden bereits durch die Erfahrung der Weltkirche hier in Rom relativiert:

„Mir persönlich hat vor allem die Erfahrung hier vor Ort sehr gefallen...Unsere Probleme werden schon relativiert, wenn man sie im Lichte der Weltkirche sieht. Gleichzeitig treten vor allem die existenziellen Fragen des Menschen in den Vordergrund.“

Ein Vorhaben sei für ihn, das allgemeine Priestertum zu stärken, um einer „Klerikalisierung“ vorzubeugen.

Bode fühlte sich von der Synode auch in seiner Entscheidung bestärkt, im Osnabrücker Dom tägliche Beichtmöglichkeit anzubieten. „Die Erfahrung der Barmherzigkeit in der Beichte wird den Glauben stärken.“ Auch die Wiedereinführung bzw. Intensivierung der Anbetung möchte er als Plan in die Pastoralkommission nach Deutschland mitnehmen.

Sich in kleinen Kapelle direkt neben dem Synodensaal gemeinsam als „betende Brüder“ erleben zu dürfen, sei für ihn eine besondere Freude gewesen, so Bischof Tebartz-van Elst (Limburg). Das erinnere vor allem daran, dass es sich hier nicht um eine Parlamentariersitzung handle, sondern um das, was im Abendmahlssaal seinen Anfang genommen hat.

Auch er bezeichnete die Synode als „Konzil im Kleinen“, auf dem die Erfahrung brüderlicher Einheit und Zusammengehörigkeit mit dem Heiligen Vater habe erleben können. Gerade in den Sprachzirkeln, in denen ganz verschiedene Nationalitäten zusammenkommen, habe er ein kleines Pfingsten erlebt“, so der Bischof.

Eine wichtige Inspiration für ihn habe ein Besuch bei den amerikanischen Bischöfe bedeutet. Die eigenen Probleme seien auf die richtige Größe zurechtgerückt worden, alternative Lösungsversuche zu hören, sei eine große Bereicherung. Lobend erwähnte der Limburger Oberhirte auch die Organisation dieser Weltbischofssynode.

„Gerade wenn wir mit deutschen Augen herangehen: Es hat mich sehr beeindruckt, wie alles hier organisiert wurde, dass wirklich alles geklappt hat.“

Ein Kernpunkt der Neuevangelisierung ist für den Bischof die Pflege einer Sprachkultur. Die Sprache müsse in der Neuevangelisierung eine zentrale Stellung einnehmen, da bereits kleine Nuancen im Ausdruck überaus tiefgreifende Sinnverschiebungen nach sich ziehen könnten.

Auch die Liturgie „als mystagogische Katechese“ sei in den Vordergrund zu rücken. „Sie ist wirklich für das Verständnis des Glaubens zentral“, betonte er.

Die Bedeutung der Schönheit, die im Abschlussdokument hervorgehoben wird, spiele bei der Frage der Liturgie eine wichtige Rolle.

„Das, was wahr ist, ist auch schön. Wir dürfen den Armen nicht die Schönheit vorenthalten“, zitierte er Bischof Forte aus Italien. Diese Wertschätzung sei vor allem auch von den Repräsentanten aus armen Ländern ausgegangen. Schönheit bedeute nicht, Reichtum für sich beanspruchen zu wollen, sondern gerade das Gegenteil, nämlich ihn zu teilen.

Auch die Bekehrung und Umkehr jedes Einzelnen sei ein entscheidender Aspekt bei der Weitergabe des Glaubens, des Themas dieser Synode. Gerade dort, wo ein Mensch im tiefsten Inneren zum Glauben finde, von dort aus könne sich der Glaube auch auf seine Nächsten ausbreiten.

„In der Synode hat man die Freude am Glauben wirklich gespürt, was mit Sicherheit der Versuchung eines Skeptizismus entgegenwirkt“.

Besonders bewegend waren für ihn die Zeugnisse der Bischöfe aus den Ländern, wo heute Märtyrer für den Glauben leiden und sterben.

Die Erhebung der hl. Hildegard v. Bingen und die Heiligsprechung von Anna Schäffer, die zeitgleich mit der Synode in Rom stattfanden, sei eine Bekräftigung für die Berufung zur Heiligkeit jedes einzelnen Gläubigen mit einem besonderen Signal für sein Heimatland.

Im Hinblick auf die Jugend und deren Evangelisierung erwähnte der Bischof das Projekt „Nightfever“ [ZENIT berichtete], das sich überaus erfolgreich von Köln (WJT) ausgehend ausbreite.

Kardinal Meisner wies im Zusammenhang einer Frage über die Ökumene mit den Protestanten auf große Defizite bei den reformierten Kirchen hin, die einem tiefen Dialog im Weg stünden.

Die Frage nach dem heutigen Stellenwert des Kreuzes in der Kirche und der Annahme des Leids beantwortete er mit der Erklärung, gerade Tod und Auferstehung seien das Prägende des christlichen Glaubens: „Nur in Christus verwandelt sich ‚Tod in Leben‘ und ‚Verlust in Gewinn.‘ “

Er wies auch auf den wahren Kreuzweg der Christen in muslimischen Ländern hin. Man kenne im Islam keine Gewissenfreiheit, worunter gerade die Christen litten. „Wir dürfen diese Kirche nicht alleine lassen. Wir müssen sie unterstützen, mit Worten und auch materiell.“

Bischof Tebartz-van Elst fügte hinzu, dass auch in den westlichen Ländern dem Christentum der „Wind ins Gesicht“ wehen werde: „Die Confessio muss auch persönlich zur Professio werden, angefangen mit unserem eigenen Leben.“

Zum Thema des Bußsakraments erklärte Kardinal Meisner: „Wenn Priester und Bischöfe nicht mehr Beichtväter sind, dann trocknet ein Lungenflügel aus, wenn sie selber nicht mehr beichten gehen, dann der andere auch.“

„Beim letzten Gericht wird uns Gott nicht fragen, was wir richtig oder falsch gemacht haben, sondern: Wen bringst du mit?“ Fragen zu stellen anstelle nur zu erklären, das sei die Aufgabe aller Christen in Gesprächen mit Ungläubigen. Dabei dürfe sich aber nie der Blick von Christus abwenden: „Alles, was die Kirche hat, hat sie von einem anderen und für andere.“

Zum Abschluss der Synode wird es zwei Schriften geben: den „Nuntius“, der am Freitag veröffentlicht wird, dann die „Propositiones“ (Vorschläge), die später veröffentlicht werden.