Die Taufe verleiht Kraft und Licht

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 623 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache widmete der Papst seine Meditation dem Sakrament der Taufe.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen wandte sich Papst Franziskus mit einem besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen. Dann machte er einen besonderen Appell für die dramatische Lage in Syrien und erinnerte an die Kinder, die vor zwei Tagen in Damaskus ums Leben kamen, als ein Schulbus von einem Geschoss getroffen wurde. Der Heilige Vater forderte auch zur Solidarität mit den vom Taifun getroffenen Menschen auf den Philippinen auf.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen. 

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Credo, durch das wir jeden Sonntag unseren Glauben bekennen, sagen wir unter anderem: „Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.“ Hierbei handelt es sich um die einzige ausdrückliche Erwähnung eines Sakraments im ganzen Credo. In der Tat ist die Taufe die „Pforte“ zum Glauben und zum christlichen Leben. Nach seiner Auferstehung gab Jesus den Aposteln einen Auftrag: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“ (Mk 16,15-16). Die Mission der Kirche ist es, das Evangelium zu verbreiten und die Sünden durch das Sakrament der Taufe zu vergeben. Doch kehren wir zum Text des Glaubensbekenntnisses zurück. Wir können diesen Satz in drei Abschnitte unterteilen: „Wir bekennen“; „die eine Taufe“; „zur Vergebung der Sünden“.

1. „Wir bekennen“. Was bedeutet das? Dieser feierliche Ausdruck weist auf die große Bedeutung des Gegenstands, in diesem Fall also der Taufe hin. Indem wir diese Worte sprechen, bezeugen wir unsere wahre Identität als Kinder Gottes. Die Taufe ist in einem gewissen Sinn der „Personalausweis“ des Christen, seine Geburtsurkunde, die Geburtsurkunde der Kirche. Ihr alle wisst, an welchem Tag ihr geboren wurdet, und feiert euren Geburtstag, nicht wahr? Wir alle feiern unseren Geburtstag. Jetzt will ich euch eine Frage stellen, die ich schon oft gestellt habe; ich stelle sie euch noch einmal: Wer von euch kennt den Tag seiner Taufe? Hebt die Hand: Es werden wenige sein (Die Bischöfe frage ich nicht, damit sich keiner schämen muss…). Machen wir es so: Wenn ihr heute nach Hause geht, fragt nach, an welchem Tag ihr getauft wurdet, versucht, es herauszufinden; denn das ist euer zweiter Geburtstag. Der erste ist der Tag, als ihr zum Leben geboren wurdet; der zweite ist der Tag, als ihr zur Kirche geboren wurdet. Werdet ihr das tun? Das ist eure Hausaufgabe: Versuche herauszufinden, an welchem Tag du getauft wurdest, und danke dem Herrn, dass er dir an jenem Tag die Pforten seiner Kirche geöffnet hat. Gleichzeitig verbindet sich mit der Taufe unser Glaube an die Vergebung der Sünden. Das Buß- oder Beichtsakrament ist nämlich wie eine „zweite Taufe“, die immer wieder auf die erste Taufe Bezug nimmt und sie festigt und erneuert. In diesem Sinn ist der Tag unserer Taufe der Anfang einer wunderschönen Reise; eine Reise zu Gott, die unser ganzes Leben lang dauern wird; ein Weg der Bekehrung, der immer wieder vom Bußsakrament unterstützt wird. Denkt daran: Wenn wir beichten gehen und unsere Schwächen, unsere Sünden bekennen, bitten wir Jesus um Vergebung; aber mit dieser Vergebung erneuern wir auch unsere Taufe. Das ist schön; das ist, als ob wir mit jeder Beichte unsere Taufe feierten. Deshalb darf uns die Beichte nicht wie eine Sitzung in der Folterkammer erscheinen; sie ist ein Fest! Die Beichte ist für die Getauften da! Sie dient dazu, das weiße Kleid unserer Christenwürde immer rein zu halten!

2. Zweitens: „Die eine Taufe“. Diese Aussage erinnert an das Wort des Apostels Paulus: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4,5). „Taufe“ bedeutet wörtlich „Eintauchen“, und in der Tat stellt dieses Sakrament ein echtes Eintauchen in den Tod Christi dar, aus dem wir als neue Menschen wieder zum Leben erwachen (vgl. Röm 6,4). Es ist eine Waschung der Wiedergeburt und der Erleuchtung. Wiedergeburt deshalb, weil durch die Taufe jene Geburt aus Wasser und Geist erfolgt, ohne die niemand in das Himmelreich kann (vgl. Joh 3,5). Und Erleuchtung deshalb, weil der Mensch durch die Taufe mit der Gnade Christi erfüllt wird, „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9) und die Finsternis der Sünde vertreibt. Deshalb gibt man bei der Taufe eines Kindes den Eltern eine Kerze in die Hand; um diese Erleuchtung zu symbolisieren. Die Taufe erleuchtet uns von innen mit dem Licht Jesu. Kraft dieser Gabe erhält der Getaufte den Auftrag, seinerseits „Licht“ zu werden für seine Mitmenschen, besonders für die, die in der Finsternis leben und keinen Schimmer der Helligkeit am Horizont ihres Lebens erblicken können.

Wir könnten uns fragen: Ist die Taufe für mich ein Ereignis der Vergangenheit, das sich an einem bestimmten Tag zugtragen hat – an dem Tag, den ihr heute herausfinden sollt –, oder ist sie eine lebendige Gegenwart, die mein Heute bestimmt, in jedem Augenblick? Spürst du die Kraft, die Christus dir durch seinen Tod und seine Auferstehung gibt? Oder fühlst du dich schlaff und kraftlos? Die Taufe verleiht Kraft und Licht. Fühlst du dich durch jenes Licht, das von Christus kommt, erleuchtet? Bist du ein Mann, eine Frau des Lichts? Oder bist du ein finsterer Mensch, dem das Licht Jesu fehlt? Wir müssen diese Gnade der Taufe, die ein Geschenk ist, aufgreifen und Licht für unsere Mitmenschen werden!

3. Und zuletzt noch eine kurze Überlegung zum dritten Abschnitt jenes Glaubenssatzes: „Zur Vergebung der Sünden“. Im Sakrament der Taufe werden alle Sünden vergeben, die Erbsünde genau wie alle persönlich begangenen Sünden. Mit der Taufe öffnet sich uns die Tür zu einem wahrhaft neuen Leben, das nicht unter der Last einer negativen Vergangenheit leidet, sondern bereits teilhat an der Schönheit und Güte des Himmelreichs. Es handelt sich um einen machtvollen Eingriff der göttlichen Barmherzigkeit in unser Leben, zu unserem Heil. Dieser rettende Eingriff nimmt unserer menschlichen Natur nicht ihre Schwäche – wir alle sind schwach und Sünder – und befreit uns auch nicht von der Verantwortung, um Vergebung zu bitten, wenn wir sündigen. Ich kann mich nicht mehrmals taufen lassen, aber ich kann beichten und dadurch den Gnadenzustand wieder herstellen, den ich mit der Taufe empfangen habe. Es ist, als hätte ich eine zweite Taufe empfangen. Unser Herr Jesus ist so gütig, dass er nie müde wird, uns zu vergeben. Auch wenn die Tür, die die Taufe für uns erschlossen hat, um uns in die Kirche einzulassen, sich durch unsere Schwäche und unsere Sünden etwas verschließen sollte, stößt die Beichte sie wieder auf, weil sie wie eine zweite Taufe wirkt, die uns alles vergibt und uns erleuchtet, damit wir mit dem Licht des Herrn weitergehen können. Setzen wir also unseren Weg mit Freude fort, denn das Leben will in der Freude Jesu Christi gelebt sein; und das ist eine Gnade des Herrn.