Die Unbefleckte spricht: Überlasse dich ganz Jesus, er rettet dich".

Ansprache des Heiligen Vaters zum Angelus-Gebet am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1181 klicks

ROM, 8. Dezember 2010 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache des Heiligen Vaters, die er vor dem Mariengebet des Angelus am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria vor Tausenden von Gläubigen am Petersplatz gehalten hat. Vor 156 Jahren, am 8. Dezember 1854, verkündete der selige Papst Pius IX. das Dogma von der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute wird unsere Begegnung beim Angelus-Gebet von einem besonderes Licht durchstrahlt, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. In der Liturgie dieses Festes wird das Evangelium von der Verkündigung vorgetragen (Lk 1,26-38), das den Dialog zwischen dem Engel Gabriel und der Jungfrau enthält. „Gegrüßet seist du, voll der Gnade, der Herr ist mit dir" - sagte der Gesandte Gottes und offenbart damit die tiefe Identität der Maria, den „Namen", sozusagen, unter dem Gott selbst sie kennt: „voll der Gnade. „Dieser Ausdruck, der uns seit der Kindheit vertraut ist, weil wir jedes Mal , wenn wir das „Ave Maria" sprechen, auch die Erklärung des Geheimnisses, das wir heute feiern, mitfeiern.

In der Tat, Maria genoss ab dem Zeitpunkt, da sie von ihren Eltern gezeugt wurde, eine ungewöhnliches Privileg seitens ihres Gottes. Der hatte sie nach seinem ewigen Plan zur Mutter seines menschgewordenen Sohnes erwählt, und folglich wurde sie vor der Erbsünde bewahrt. Deshalb spricht sie der Engel unter diesem Namen an, der implizit bedeutet: „immer mit Liebe zu Gott, seiner Gnade erfüllt".

Das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis ist eine Quelle des inneren Lichtes, der Hoffnung und des Trostes. In der Mitte der Prüfungen des Lebens und angesichts aller Widersprüche, die der Mensch in sich selbst und um ihn herum erlebt, erzählt uns Maria, die Mutter Christi, dass diese Gnade größer ist als die Sünde. Dass das Erbarmen Gottes stärker als das Böse ist und dass es schließlich ins Gute verwandelt wird. Leider erleben wir jeden Tag das Böse, das sich in vielerlei Hinsicht in Beziehungen und in den Ereignissen zeigt. Seine Wurzeln reichen tief hinein in das menschliche Herz, ein Herz, das verwundetet, krank und nicht in der Lage, sich selbst zu heilen.

Die Heilige Schrift zeigt, dass die Quelle allen Übels der Ungehorsam gegen Gottes Wille ist. Der Tod regiert, weil die Freiheit des Menschen der Versuchung des Teufels nachgegeben hat. Aber Gott kann nicht anders, als seinen Plan der Liebe und des Lebens, den er durch einen langen und geduldigen Prozess der Versöhnung vorbereitet hat, durch den neuen und ewigen Bund, mit dem Blut seines Sohnes zu besiegeln. Er hat sich aus Sühne, „geboren durch eine Frau" (Gal 4,4), hingegeben.

Diese Frau, die Jungfrau Maria, erhielt im Voraus die Gnade, die durch den Erlösungstod seines Sohnes erwirkt wurde und wurde so von ihrer Empfängnis an vor der Erbsünde bewahrt. Jetzt bittet sie uns mit ihrem makellosen Herzen: „Überlasse dich ganz Jesus, er rettet dich".

Liebe Freunde, heute Nachmittag werden wir die traditionelle Ehrung der Unbefleckten Jungfrau auf der Piazza di Spagna vornehmen. Mit diesem Akt der Hingabe werde ich der Mutter, die Christus uns geschenkt hat, ihrer Liebe, stellvertretend die Gläubigen der Stadt Rom und die ganze Welt anvertrauen. Ihrer mächtigen Fürsprache vertrauen wir die Nöte der Kirche und der Welt an. Sie hilft uns, den Glauben an Gott zu bewahren, seinem Wort zu glauben, dem Bösen zu wehren und das Gute zu tun.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Zum heutigen Marienfest grüße ich gerne alle deutschsprachigen Pilger, besonders die Mitglieder und Freunde der Schönstattbewegung aus Deutschland. Gott hat Maria vor aller Sünde bewahrt, um seinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten. In ihr setzt der Herr einen Neuanfang der Geschichte. Er zeigt uns, daß sein Heil größer ist als alle Unzulänglichkeit des Menschen. Die Erwählung Marias gibt uns Hoffnung und lädt uns ein, Mitarbeiter am Heilswerk Gottes zu werden. Bitten wir Maria um ihre Fürsprache, daß auch wir zu Gottes Willen ja sagen und auf dem Weg der Heiligkeit voranschreiten. Euch allen wünsche ich einen frohen und gesegneten Festtag.


[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz© Copyright 2010 - Libreria Editrice Vaticana]