Die unterschiedliche Berechnung des Osterdatums

Kalender und astronomische Wirklichkeit

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 470 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Berechnung des Ostertermins.

Frage: Ich gehöre der orthodoxen Kirche an und möchte als Leser folgende Frage stellen. Wie Sie wissen, feiern die katholische Kirche und die orthodoxe Kirche das Paschafest [Ostern] zumeist an unterschiedlichen Sonntagen. Nach der Regel des Konzils von Nizäa fällt dieses auf den „ersten Sonntag, der dem ersten Vollmond nach dem Frühlings-Äquinoktium [Tag-und-Nacht-Gleiche] folgt.“ Damals gab es aber keinen allgemeinen Kalender im Kaiserreich. Deshalb heißt es in den Anmerkungen über das Konzil, dass selbst bei Gebrauch dieser Rechnung christliche Kirchen das Fest an verschiedenen Sonntagen gefeiert haben, weil sie das Äquinoktium und die Vollmonde auf Grundlage ihrer jeweils eigenen Kalender errechneten. Um im Kaiserreich für Einheit zu sorgen, fügte Konstantin folgende Klausel hinzu: „Doch soll es weder dem Paschafest [der Juden] vorausgehen noch mit ihm zusammenfallen“. Für über tausend Jahre hat das funktioniert und wir alle haben Ostern am gleichen Sonntag gefeiert. Als dann der gregorianische Kalender eingeführt wurde, veränderte sich dies ein wenig. Wenn man aber der kaiserlichen Anordnung im Westen noch Beachtung schenken würde, würden wir immer noch Ostern zusammen feiern. Könnten Sie uns erklären, warum die Kirchen der westlichen Hemisphäre sich dafür entschieden haben, diese Klausel zu übergehen und Ostern vor oder während des Paschafests der Juden feiern, während die Orthodoxen diese Regel weiterhin beachten und abwarten? … -- G.J., Houston, Texas

P. Edward McNamara: Zunächst wäre hierzu zu sagen, dass die Regel, Ostern nach dem Paschafest zu feiern, nicht auf das Konzil von Nizäa zurückgeht. Wahrscheinlich war es Joannes Zonaras, ein byzantinischer Kirchenrechtler aus dem 12. Jahrhundert, gewesen, der dies zum ersten Mal vorgeschlagen hatte. Das rührt wahrscheinlich daher, dass aufgrund der durch den julianischen Kalender falschen Berechnung des Sonnenjahres Ostern jetzt immer auf ein Datum nach dem Beginn des jüdischen Paschafestes fällt. So entstand der Glaube, es würde sich um eine Regel handeln. Doch historische Nachforschungen bestätigen dies anscheinend nicht.

Wie unser Leser richtig bemerkt, haben die frühen Christen das Osterdatum nach unterschiedlichen Kriterien berechnet. Christen in Syrien haben im Allgemeinen Ostern nach dem jüdischen Paschafest gefeiert, während die meisten anderen Christen innerhalb des römischen Kaiserreiches Ostern berechnet haben, ohne dabei auf das jüdische Fest zu achten. Deswegen feierten Antiochia und Alexandrien Ostern oft an verschiedenen Tagen. Nizäa dekretierte ein einziges Datum, machte aber keine genauen Angaben, wie es berechnet werden sollte. Erst mehrere Jahrzehnte später setzte sich das in Alexandrien benutzte System allgemein durch.

Schauen wir uns diese Frage genauer an.

Das Osterfest wird nicht nach einem solaren, sondern nach einem luni-solaren Kalender berechnet und fällt auf den Sonntag, der dem ersten Vollmond nach dem 21. März (dem Frühling-Äquinoktium) folgt. Deswegen kann das Osterfest nicht auf ein früheres Datum als den 22. März und nicht auf ein späteres Datum als den 25. April fallen.

Dementsprechend heißt es in einem detaillierten Artikel in „Wikipedia“, dass das nach dem gregorianischen Kalender berechnete Osterfest auf 35 verschiedene Daten fallen kann: „Seit der gregorianischen Reform von 1582 ist der früheste Termin 22. März nur in den Jahren 1598, 1693, 1761 und 1818 vorgekommen, das nächste Mal wird erst im Jahre 2285 sein. 2008 fiel Ostern auf den 23. März, also auf den zweitfrühesten Termin. Diesen Ostertermin gab es zuletzt 1913, das nächste Mal wird 2160 sein. […] Der späteste Termin 25. April kam nach der Kalenderreform in den Jahren 1666, 1734, 1886 und 1943 vor, das nächste Mal wird im Jahre 2038 sein. 2011 fiel Ostern auf den zweitspätesten Termin am 24. April.” Der Zyklus der Ostertermine wiederholt sich nach genau 5.700.000 Jahren, wobei der 19. April das häufigste Datum ist und 220.400 Mal oder in 3,9% der Fälle vorkommt, während alle Termine im Durchschnitt 189.525 Mal oder in 3,3% der Fälle vorkommen.

Die meisten Ostkirchen halten sich an die gleichen grundlegenden Prinzipien, doch oft feiern sie zu einem Termin, der sich vom katholischen Datum und von anderen westlichen christlichen Bekenntnissen unterscheidet, weil sie weiterhin dem Kalender von Julius Cäsar folgen und nicht die Korrekturen eingearbeitet haben, die von Papst Gregor XIII. 1582 eingeführt worden sind.

Der Kalender von Julius Cäsar (46 v. Chr.) sah für das Jahr einen Zeitraum von 365 Tagen und 6 Stunden vor und dauerte deshalb etwa 11 Minuten und 9 Sekunden länger als der tatsächliche Erdumlauf. Obwohl das Maß nur geringfügig zu groß ist, führt es etwa alle 128 Jahre dazu, dass der Kalender sich gegenüber dem astronomischen Jahr um einen Tag verschiebt. Deswegen hielt es das Konzil von Nizäa schon für notwendig, das Datum für das Äquinoktium vom ursprünglichen Datum, dem 25. März, auf den 21. März zurückzuverlegen.

Zu Zeiten von Gregor XIII. war die Differenz schließlich so groß, dass das Frühlings-Äquinoktium auf den kalendermäßigen 11. März fiel.

1581 hat dann Papst Gregor mit der Bulle “Inter Gravissimas” eine weitverbreitete Reform durchgeführt, bei der unter anderem das Frühlings-Äquinoktium wieder auf den 21. März zu fallen kam, was dadurch geschah, dass im Oktober 1582 10 Kalendertage einfach gestrichen wurden. Deswegen ist die hl. Theresia von Avila sage und schreibe in der Nacht vom 4. auf den 15. Oktober verstorben.

Der Fehler des julianischen Kalenders wurde korrigiert, indem man sich dafür entschied, die Jahrhundertwende – die im julianischen Kalender jeweils ein Schaltjahr war – nur dann als Schaltjahr zu rechnen, wenn seine Zahl ein Vielfaches von 400 enthielt, also in den Jahren 1600, 2000, 2400, 2800, usw. Alle anderen Schaltjahre wurden gestrichen.

In den meisten katholischen sowie in einigen evangelischen Ländern wurde diese Reform sofort akzeptiert und übernommen. Andere Länder wie zum Beispiel England zögerten bis 1752, um die Reform anzunehmen. In Russland übernahm erst 1918 das kommunistische Regime die Reform.

Die Formel ist immer noch nicht ganz perfekt, da der gesetzliche Kalender von der astronomischen Wirklichkeit noch um 24 Sekunden abweicht. Doch müssen erst einmal 3.500 Jahre vergehen, bis dadurch ein überzähliger Tag entsteht.

In allen westlichen Staaten verwendet man nun den gregorianischen Kalender auch für zivile Zwecke. Die meisten Ostkirchen hingegen benutzen zur Bestimmung des Osterdatums immer noch den julianischen Kalender. Beide Systeme differieren mittlerweile um 13 Tage, sodass zwar weiterhin nach julianischer Kalenderrechnung das orthodoxe Osterfest auf die Daten zwischen dem 22. März und dem 25. April fällt (einschließlich), nach unserer gregorianischen Kalenderzeitrechnung entsprechen aber diese Daten dem 4. April bis 8. Mai (einschließlich).

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel http://www.zenit.org/en/articles/why-dates-of-easter-differ