Die Untersuchungen werden fortgesetzt

Der Kammerdiener des Papstes zeigt sich kooperativ

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Von Antonio Gaspari

30. Mai 2012 (ZENIT.org). - In Bezug auf die jüngsten Entwicklungen, die Festnahme von Paolo Gabriele, des Kammerdieners des Papstes, betreffend, gibt es laut Vatikansprecher P. Federico Lombardi derzeit keine weiteren Untersuchungen. Der Beschuldigte habe sich zur Zusammenarbeit bereit erklärt; der Heilige Stuhl habe nicht die Absicht, sich dem Druck der Medien zu beugen.

Pater Lombardi zufolge, der sich gestern Nachmittag im Rahmen eines im Vatikanischen Pressesaal durchgeführten Briefings zum Grund für die Festnahme des päpstlichen Kammerdieners Paolo Gabriele geäußert hatte, seien vertrauliche Dokumente in dessen Besitz gefunden worden.

Die Aussicht auf weitere Festnahmen dementierte Pater Lombardi entschieden. Es sei vollkommen auszuschließen, dass sich im Zuge der Ermittlungen zum Durchsickern von Informationen aus vertraulichen Unterlagen ein besonderer Verdacht gegen einen bestimmten italienischen oder nichtitalienischen Kardinal erhärtet habe.

Die gestern Vormittag in Rom verbreitete Vermutung, wonach Ermittlungen gegen eine Frau in Gang seien, wies der Leiter des Vatikanischen Pressebüros ebenfalls zurück.

Dennoch werden die Ermittlungen fortgesetzt. Tatsächlich befrage die ad hoc vom Papst eingesetzte Kardinalskommission, die aus den Kardinälen Jozef Tomko, Salvatore De Giorgi und dem mit der Leitung der Kommission betrauten Kardinal Julian Herranz besteht, derzeit mehrere Personen, unter anderem als mehrfache Amtsleiter der Kurie tätige Kardinäle.

Pressemeldungen, die das Durchsickern vertraulicher Dokumente als Teil eines sich im Inneren der Vatikanischen Kurie abspielenden Machtkampfes bezeichneten, kommentierte Pater Lombardi folgendermaßen: „Es besteht kein Grund, derartige Erklärungen heranzuziehen. Diese Interpretation der Tatsachen ist übertrieben und entbehrt jeder Grundlage.“

In diesem Zusammenhang erklärte der Leiter des Vatikanischen Pressebüros, dass zwischen der Verhaftung des Kammerdieners des Papstes und der Amtsniederlegung des Chefs der Vatikanbank IOR (Istituto per le Opere Religiose, Institut für religiöse Werke) Ettore Gotti Tedeschi, keinerlei Zusammenhang bestehe.

Die beiden Vorfälle seien strikt voneinander zu trennen, so der Vatikansprecher.

Nach den Absichten Paolo Gabrieles gefragt, verwies Pater Lombardi auf die schriftliche Erklärung Carlo Fuscos, des Anwalts Gabrieles, in die er Einsicht genommen hatte. Demnach habe der päpstliche Kammerdiener vor dem Richter seine Bereitschaft zu einer bestmöglichen Zusammenarbeit erklärt.

Viele Fragen seien derzeit noch offen. Im Vatikan herrsche tiefe Bestürzung unter allen mit Paolo Gabriele bekannten Personen.  

Gabriele gilt als einfacher Mensch, der seine Arbeit im Vatikan mit einer Tätigkeit als Reinigungskraft im Staatssekretariat begonnen hatte. Im Jahr 2006, nach seinem Dienst für Msgr. James Harvey, den Präfekten des Päpstlichen Hauses, war er in die „Familie“ des Papstes aufgenommen worden.

Der Gedanke, dass „Paoletto“, wie er von den Freunden genannt wurde, nach all den Jahren vollkommener Treue zu einer derartigen Tat imstande gewesen sein könnte, sei unfassbar.

Am dringlichsten seien die Fragen nach dem Grund und nach dem Auftraggeber Gabrieles.

Papst Benedikt XVI., der zunächst seine Betroffenheit, seinen Schmerz und seine Verwunderung zum Ausdruck gebracht hatte, hat unterdessen seine feste Entschlossenheit gezeigt, den eingeschlagenen Weg mutig fortzusetzen.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]