Die Verbreitung von Unwahrheiten

Mit Märchen und Legenden über das Christentum aufräumen

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Von P. John Flynn LC

ROM, 20. Juni 2012 (ZENIT.org).- „Während der letzten Jahrzehnte des ausgehenden 20ten Jahrhunderts sowie der ersten Jahre des beginnenden 21ten war hauptsächlich und prinzipiell das Christentum die gemeinhin verbreitetste Glaubensrichtung, die aufs Gründlichste und bewusst an den Rand gedrängt, angeschwärzt und sowohl öffentlich als auch privat verfälscht dargestellt wurde.“

So lauten Michael Corens einleitende Worte zu seinem neuen Buch „Häresie: Zehn Unwahrheiten, die über das Christentum verbreitet werden“, das im Verlag ‚Signal‘ erschienen ist. Der Autor wurde in Großbritannien geboren und ist nun in Canada ansässig.

Das genannte Buch erörtert verschiedene Themen, die vom historischen Fundament des Christentums über die Sklaverei und die Wissenschaft bis hin zur Person Adolf Hitlers reichen.

Ein Kapitel beschäftigt sich mit der Behauptung, dass Atheisten intelligent, Christen hingegen einfältig seien. Wie der Autor erklärt, kommt es häufig vor, dass Universitätsprofessoren Christen wegen deren vermeintlicher Leichtgläubigkeit und Vertrauensseligkeit lächerlich machen.

Um zu zeigen, dass diese Behauptung jeder Grundlage entbehrt, führt Michael Coren die Namen einer Anzahl von bekannten christlichen Schriftstellern auf, deren Scharfsinn und Popularität allgemein anerkannt ist. Autoren wie zum Beispiel C.S. Lewis, G.K. Chesterton, Hilaire Belloc, J.R.R. Tolkein, Dorothy L. Sayers, und Malcolm Muggeridge haben klar unter Beweis gestellt, dass Christen hochintelligent sein können.

Ein weiterer Mythos, der in etwa auf der gleichen Wellenlänge liegt, besagt, dass das Christentum sich der Wissenschaft und dem Fortschritt verschließe. Doch – so führt Michael Coren aus – kann man zahlreiche engagierte Christen finden, die zugleich prominente Wissenschaftler waren.

Insbesondere erwähnt er Michael Faraday, der sowohl ein Pionier in der Forschung im Bereich der Elektrizität und des Magnetismus als auch ein bodenständiger Christ war. Ebenso war William Thomson Kelvin zugleich Physiker und Präsident einer schottischen Bibelgesellschaft. Max Planck, der Vater der Quantentheorie, stammte aus einer Familie von Theologen und war für fast dreißig Jahre Kirchenältester im evangelischen Gemeindekirchenrat.

Das Christentum, so fährt Michael Coren fort, „war die Dienstmagd der Wissenschaft und der wissenschaftlichen Forschung“. Man neigt jedoch dazu, sich lediglich an den Fall Galileo Galilei zu erinnern und vergisst dabei, dass Louis Pasteur, genauso wie Alexander Fleming, Katholiken waren.

Michael Coren erwähnt noch weitere Gestalten, wie zum Beispiel Henri Joseph Édouard Lemaitre, seines Zeichens katholischer Priester und der erste Forscher, der die Urknalltheorie vorschlug; dann sind da noch der Jesuitenpater Roger Boscovich, ein Mitbegründer der modernen Atomtheorie und Gregor Mendel zu erwähnen, ein katholischer Ordensmann und der Vater der Genetik.

Ein Kapitel des Buchs portraitiert verschiedene einflussreiche Christen, die in Zusammenhang mit der Anforderung, in Staat und Gesellschaft für Fortschritt und Wandel zu sorgen, maßgebliche Beiträge geleistet haben. Zum Beispiel war im 19. Jahrhundert der Einfluss von Anthony Ashley Cooper von großer Bedeutung für die Veränderung der Gesetzeslandschaft in England, - dies im Sinne einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie des Schutzes von Kindern vor Ausbeutung.

In den Vereinigten Staaten kam Martin Luther King eine Schlüsselrolle zu, dank derer es zur Gleichberechtigung zwischen Menschen dunkler und heller Hautfarbe kam. „In den Augen der weißen Bevölkerung Amerikas stand die Person Martin Luther Kings stellvertretend für die Anerkennung der Rechte der Schwarzen und für ihren diesbezüglichen Kampf. Wenn es ihm auch nie gelang, die Extremisten auf seine Seite zu ziehen, so hatte doch sein christliches Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit Millionen davon überzeugt, dass der Wandel längst überfällig war,“ – so der Kommentar von Michael Coren.

Der Vorwurf nazistischer Bestrebungen

Wie der Autor meint, kann in einem Streitgespräch sehr leicht der Sieg davontragen werden, wenn man jemanden bezichtigt, Anhänger des Nazismus zu sein. Unter den Vorwürfen, die man dem Christentum macht, befindet sich so die Anklage, dass Hitler ein Christ war und dass das Christentum mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht habe.

Der Autor weist aber darauf hin, dass, selbst wenn dies wirklich der Fall wäre, die Aussage überhaupt kein Beweiskraft besäße, denn Böses sei sowohl im Namen des Christentums als auch im Namen nicht-christlicher Bekenntnisse geschehen. Hierzu meint Michael Coren: „Es beweist lediglich, dass die menschliche Natur sich im gefallenen Zustand befindet und dass wir gerade darum Christus brauchen.“

Aufgrund Europas christlicher Tradition überrascht es nicht, dass die meisten Anhänger Hitlers christlichen Familien entstammten, wie dies auch für viele seiner Gegner und Opfer der Fall war. Verschiedene im rechten politischen Lager anzuordnende Organisationen unterstützten das Christentum, weil sie darin eine Möglichkeit erkannten, Traditionen zu erhalten, wie auch umgekehrt etliche Christen diese Organisationen unterstützten, um sich gegen den Marxismus zu verteidigen.

Wie Michael Coren erklärt, war der Nazismus jedoch durchaus komplexerer Natur, denn er bezog seine Inspiration sowohl vom rechten als auch vom linken Flügel. In diesem Zusammenhang zitiert der Autor eine Rede, die Adolf Hitler im Juli 1941 gehalten hat und in der er diktatorisch verkündet: „Der Nationalsozialismus und die Religion können nicht nebeneinander existieren.“

In diesem Zusammenhang bekräftigt Michael Coren, dass „wenn wir Adolf Hitler als den Anhänger irgendeines Glaubens bezeichnen wollen, dieser Glaube dann ein heidnischer war.“ Der Nazismus nahm nämlich Bezug auf einen reinen, anfänglichen Urzustand, den es demnach noch vor der Ankunft des Christentums gegeben hätte. Darüber hinaus berichtete die New York Times 1942 von Hitlers Plänen, das Christentum mit einer „Nationalen Reichskirche“ zu ersetzen, deren Lehre auf seiner Autobiographie ‚Mein Kampf‘ hätte gründen sollen.

Sklaverei

Wie Michael Coren bemerkt, begegnet man dem Christentum auch aufgrund der Sklaverei mit Kritik. Natürlich ist es wahr, dass Christen in der Vergangenheit die Sklaverei unterstützt haben, genauso wie dies auch für viele Nichtchristen der Fall war. Hier muss aber unbedingt eine Unterscheidung getroffen werden zwischen dem, was man tut, weil man ein Christ ist und dem, was man tut, obwohl man ein Christ ist.

In der Vergangenheit war die Sklaverei in den meisten Kulturen anzufinden, wobei viele von ihnen nicht christlich waren. Diejenigen, die sich im späten XVIII. Jahrhundert in England gegen die Sklaverei aussprachen, waren aber gerade Christen. Genauso waren es in Amerika Christen, die lange vor dem Bürgerkrieg für ein Ende der Sklaverei eintraten.

Michael Corens Buch behandelt noch viele Themen, einschließlich der Frage, warum Christen für ihre Ansichten in Bezug auf Abtreibung, Familie und Homosexualität kritisiert werden.

Er schließt sein Plädoyer mit der Aussage ab, dass Christen einfach wollen, dass man sie den Platz einnehmen lässt, der ihnen in der Öffentlichkeit zusteht. Vielerorts gibt es jedoch Bestrebungen, Christen auszuschließen, ja „durch Unwahrheiten und verzerrte Darstellungen zwingt man sie, im Verborgenen zu bleiben.“

Diejenigen, die das Christentum kritisieren wollen, sollten wenigstens so höflich sein, seine Geschichte und Glaubenswahrheiten zu studieren, ehe sie es verdammen, so der Autor. Es wäre übrigens angebracht, diesen Aufruf heute in vielen Ländern regelmäßig zu wiederholen.

[Übersetzung des englischen Originals von P. Thomas Fox LC]