Die Verfolgung von Christen beruht auf Verleumdung und Verschlossenheit

Papst Franziskus: Evangelisierung erfordert die Freiheit, sich für den Herrn zu öffnen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Luca Marcolivio | 516 klicks

Die Menschen dürften niemals „Angst vor der Freude des Geistes” haben. Dies betonte Papst Franziskus im Rahmen der am Vormittag des 27. April 2013 im päpstlichen Gästehaus zelebrierten hl. Messe. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand vor allem die Beziehung zwischen der Evangelisierung und der anti-christlichen Verfolgung. Die Feier fand im Beisein von Vertretern der Vatikanischen Post und der vatikanischen Familienfürsorgestelle statt.

Laut Papst Franziskus spiegelt sich die Freude der ersten Christen in ihrer Öffnung zur Außenwelt und in ihrem Eifer bei der Verkündigung der Frohen Botschaft. „Diese Freude schien unbesiegbar zu sein“, so Franziskus in seinem Kommentar zur ersten Lesung vom vergangenen Samstag (Apg 13,44-52). Der neutestamentliche Text enthüllt einen starken Kontrast zwischen der freudigen und einbeziehenden Öffnung der Jünger Jesu und der selbstbezogenen Haltung einer „kleinen Gruppe“ „verschlossener Juden“, die aus Eifersucht die neuentstandene christliche Gemeinde zu verfolgen beginnen.

Dem Heiligen Vater zufolge liege dies am verschlossenen Herzen der Juden und an ihrer fehlenden Offenheit für die Neuheit des Heiligen Geistes. Sie hätten sich zu „Verteidigern des Glaubens“ erhoben und mangels triftiger Argumente eine Verleumdung ihrer Gegner in Gang gesetzt.

Die Verleumdung, so der Papst weiter, werde seit der Aufhetzung der vornehmen gottesfürchtigen Frauen vorangetrieben, die dazu gedrängt worden seien, „ihre Ehemänner zum Widerstand gegen die Apostel anzuhalten.“Der Papst bezeichnete diese Gesinnung als typisch für alle geschlossenen Gruppen, denen die Tendenz Eigen sei, mit den Mächtigen zu verhandeln und den Schwierigkeiten untereinander gleich den Soldaten am Morgen der Auferstehung zu begegnen, indem sie das Ereignis mit dem Geld vertuschten.

Nach diesen Überlegungen warnte der Papst vor der heute ebenso weit verbreiteten Haltung der „verschlossenen Religiosität“. Diese sei unfähig zur Annahme der „Freiheit der Öffnung für den Herrn“: Unter dem Vorwand der „Verteidigung der Wahrheit“ bedienen sich die Vertreter dieser Anschauung den Waffen der „Verleumdung“ und des „Klatscherei“.

Eine wahre christliche Gemeinde ziehe sich hingegen nicht auf sich selbst zurück. Gestärkt von der „Wahrheit Gottes und des Heiligen Geistes“,setze sie ihren Weg auch unter Verfolgung fort. In diesem Zusammenhang stellte der Papst die folgende „unbequeme Frage“ in den Raum: „Wie sind unsere Gemeinschaften, die religiösen Gemeinschaften, die Pfarrgemeinden? Sind sie offen für den Heiligen Geist, der uns stets in der Verbreitung des Wortes Gottes voranbringt, oder handelt es sich um geschlossene Gemeinschaften mit festgelegten Geboten, die die Schultern der Gläubigen mit vielen Geboten belasten, wie der Herr zu den Pharisäern gesagt hat?“

Letztlich beginne die Verfolgung „gerade aus religiösen Gründen, aus Eifersucht“ vor diesen ersten Christen, die so „erfüllt waren von der Freude des Heiligen Geistes“, „deren Worte die Schönheit offenbarten“ und die Wege zu ebnen vermochten.

Die Mitglieder der verschlossenen „selbstsicheren“ Gemeinschaften hätten gleichsam auf die „Zärtlichkeit der Mutter“ und „die Zeit ihrer Kindheit“ vergessen und beschränkten sich auf das Gefühl der „Pflicht“ und eine äußerliche Befolgung derselben und seien daher „weiß wie eineGrabplatte“.

Wie in ihren Anfängen setze die Kirche auch heute dank der „vielen Brüder und Schwestern, die für diese Freiheit des Geistes Leid erfahren und verfolgt werden“, aber stets von der Freude und vom Heiligen Geist getragen sind“, ihren Weg fort.

In jeder geschichtlichen Epoche ist die Evangelisierung somit eine „von Freude erfüllte“ Verkündigung im Namen Jesu; so sei es von großer Wichtigkeit, „keine Angst vor der Freude des Geistes“ zu haben und „uns nicht in uns selbst zu verschließen“, so die abschließenden Worte des Papstes.