Die verschiedenen Gesichter der christlichen Berufung

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KÖLN, 19. August 2005 (ZENIT.org).- Hunderttausend Menschen aus aller Welt sind nach Köln gepilgert, um "in Christus die wahre Antwort auf ihre Erwartungen zu finden" (Benedikt XVI., Roncalli-Platz, 18. August). Sie möchten ihre christliche Berufung, den Sinn ihrer Existenz, in aller Tiefe ausloten. Denn für jeden Einzelnen hat Gott einen besonderen Weg und Plan.



Dr. Peter Birkhofer, Nationaldirektor für Berufungspastoral in Deutschland, verbreitet in diesen Tagen in der Kölner Basilika Sankt Gereon unter jungen Leuten das Bewusstsein für die eigene Berufung. "Als Christen sind wir gerufen, Zeugnis abzulegen. In besonderer Weise eben auch im priesterlichen Dienst und in den Ordensgemeinschaften und Instituten des geweihten Lebens", erklärt der 41-jährige Weltpriester, der für die Nachfolge Christi wirbt, im Gespräch mit ZENIT. Durch den Priester komme Christus unter die Menschen, denn der Mensch im Priester trete "weit zurück, Christus tritt in den Vordergrund. Christus gegenwärtig zu setzen in der Gemeinde, das ist die spezielle Berufung des Priesters."

Das Besondere an der Ordensberufung liege dagegen "gerade in dieser radikalen Nachfolge von Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Sich ganz fest an Jesus zu binden und inmitten der Welt zu bezeugen: Bindung ist möglich, Bindung an Jesus Christus gibt Kraft. Und somit auch Zeugnis für ein verbindliches Leben abzulegen." Auch der Laie sei gerufen, "Zeugnis abzulegen für den Glauben", denn: "Unser Alltag soll eigentlich Gottesdienst sein. Das, was wir in der Kirche, in der Eucharistiefeier, in der Liturgie feiern, beten und bekennen, soll sich (im täglichen Leben) widerspiegeln".

Für die Verheirateten sei gerade ihre Ehe als Sakrament "Ort der Gegenwart Gottes", erklärt Prälat Heiner Koch, Generalsekretär des Weltjugendtages. "Nach dem christlichen Verständnis der Ehe nehmen sich zwei Menschen ein Leben lang Zeit für ihre Liebe. Mit der Hochzeit haben sie den Gipfel ja nicht erreicht. Es ist der Beginn eines gemeinsamen Weges, bei dem sie sich sagen: In dieser Zeit lernen wir, uns zu lieben."

Dass der 20. Weltjugendtag in Köln stattfindet, darüber freut sich der Priester außerordentlich: "Es ist eine große Gnade, ein großes Geschenk (...). Wir haben schon so viele überraschende und großartige Erfahrungen gemacht, die uns ohne diese Aufgabe nicht geschenkt worden wären." Selbst wenn man den Weltjugendtag in allerletzter Sekunde hätte abblasen müssen, "hätte er sich für uns sozusagen schon gelohnt."