Die Vertreibung von Intellektuellen und Christen blutet den Irak aus

Der Bischof von Mossul betont, dass ein Wiedererstarken des Iraks nicht gewünscht sei

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ROM, 27. November 2007 (ZENIT.org).- Im Irak werden Christen und Fachkräfte durch Gewalt und Bedrohung förmlich dazu gezwungen, das Land zu verlassen. Das erklärte der chaldäische Bischof im nordirakischen Mossul, Paulus Faraj Raho, bei seinem Besuch in Rom.



In der von Krieg und Terror gemarterten Stadt verbessere sich, anders als etwa in Bagdad, die Lage kaum. „Es fällt auf, dass die von den USA angeführten Streitkräfte damit begonnen haben, das Land im Süden zu reinigen, wo der Einfluss des Irans und Syriens am stärksten ist, in Basra, Ramadi, Baquba und Bagdad. So wie die Amerikaner weitermarschieren, tun es auch die Terroristen, die nun in Mossul konzentriert sind“, so der Bischof Raho gegenüber der Nachrichtenagentur AsiaNews.

Bischof Raho hatte Seine Seligkeit Emmanuel III. Kardinal Delly, den Patriarchen von Babylon und der Chaldäer, zum Konsistorium am Samstag und Sonntag nach Rom begleitet. Am Montag nahm er am Empfang des Papstes für die 23 neuen Kardinäle und ihre Angehörigen und Freunde im Vatikan teil.

„In Mossul macht sich die religiöse Verfolgung viel stärker bemerkbar als anderwo, da die Stadt in ganz verschiedene religiöse Gruppen aufgesplittert ist. Anders als in Kirkuk, wo die Trennungen ethnisch bedingt sind und Kurden, Türken und Araber um christliche Unterstützung wetteifern, ist die Trennung zwischen Muslimen und Christen in Mossul stärker ausgeprägt.“

Angesichts der Vertreibung der Christen wies der Bischof darauf hin, dass die Christen, die drei Prozent der städtischen Bevölkerung stellen, unter der Gruppe derer, die eine höhere Ausbildung genossen haben, immerhin 35 Prozent stellten. „Wer diese Menschen zwingt, das Land zu verlassen, verhindert seinen Aufschwung. Das bedeutet, wer das Ignorantentum fördert, der unterstützt den Terrorismus“, betonte der Bischof.

Die Zielgruppen, die von den Einschüchterungsversuchen und Terroranschlägen am meisten in Mitleidenschaft gezogen werden, sind nach Worten des Bischofs von Mossul Ärzte, Rechtsanwälte, Professoren und Journalisten. Und verantwortlich seien im Letzten jene, die die internationale Politik bestimmten, und die Nachbarn des Iraks.

Niemand von ihnen wolle einen freien und unabhängigen Irak, weil er zu stark wäre. „Zusammen würden wir ein großer geistiger und wirtschaftlicher Machtfaktor werden. Lässt man das Land schwach und zerteilt, ist es einfacher zu beherrschen.“

Mit Blick auf das Weihnachtsfest fügte er hinzu: „Die Hauptbotschaft unserer Gebete wird der Friede sein (...), den wird trotz Drohungen und Gewalt zu erreichen suchen.“