"Die vielen Beschäftigungen führen oft zur 'Härte des Herzens'": Benedikt XVI. unterstreicht den Vorrang der Innerlichkeit

Angelus-Gebet in Castel Gandolfo

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CASTEL GANDOLFO, 21. August 2006 (ZENIT.org).- Am Sonntag, dem Gedenktag des heiligen Bernhard von Clairvaux (1091-1153), ermutigte Papst Benedikt die Gläubigen, sich immer wieder neu um die richtige Balance zwischen Kontemplation und Tätigkeit zu bemühen.



Das Leben des "großen Kirchenlehrers", den die katholische Kirche jedes Jahr am 20. August verehrt, zeuge von Schweigen und Kontemplation, zugleich aber auch von einer "intensiven apostolischen Tätigkeit", erklärte der Heilige Vater. Und Vorbild sei er uns nicht zuletzt in der Bemühung, das eigene Temperament zu zügeln. "Gleiches gilt für die Demut, mit der er seine Grenzen und Mängel zu erkennen verstand", ergänzte Benedikt XVI., als er vor dem sonntäglichen Angelus-Gebet in Castel Gandolfo, seiner Sommerresidenz im Süden Roms, zu Tausenden von Pilgern sprach.

Der Papst würdigte zunächst den klaren Stil, mit dem der Heilige seinen Zuhörern einst die Glaubenswahrheiten nahe gebracht hatte und in dem seine tiefe Innerlichkeit durchscheine, sein unerschütterliches Bewusstsein dessen, dass das Heil aller Menschen darin besteht, "an der göttlichen, uns zur Gänze im gekreuzigten und auferstandenen Christus offenbarten Liebe festzuhalten".

Benedikt XVI. rief vor allem Bernhards Schrift "De consideratione" ("Über die Betrachtung") in Erinnerung: "In diesem sehr persönlich gehaltenen Buch ist das dominierende Thema die Bedeutung der inneren Sammlung, die – und das sagt er einem Papst! – ein wesentliches Element der Frömmigkeit ist. Man muss sich vor der Gefahr einer übertriebenen Aktivität in Acht nehmen, merkt der Heilige an – unabhängig davon, welche Lebensumstände herrschen und welches Amt man ausübt. Denn – so sagt er dem damaligen Papst, den Päpsten aller Zeiten und auch uns allen – die vielen Beschäftigungen führen oft zur 'Härte des Herzens' und sind 'nichts anderes als Leiden des Geistes, Verirrung der Intelligenz, Verschwendung der Gnade'." Diese Gefahren einer oberflächlichen Betriebsamkeit gelte es abzuwehren, denn sie führten den Menschen dazu, sich aufzureiben und sich schließlich zu verlieren. In diesem Zusammenhang zitierte der Bischof von Rom folgendes Wort des chronologisch betrachtet letzten Kirchenlehrers: "Ja, so weit können dich diese verdammten Tätigkeiten mit sich reißen, wenn du fortfährst, dich in ihnen zu verlieren. So bleibt dir nichts von dir selbst."

Dieser "Aufruf zum Vorrang des Gebets" sei gerade heute höchst aktuell, führte der Heilige Vater aus, der den heiligen Bernhard abschließend darum bat, für alle die Gnade zu erlangen, seinem Rat nachzukommen. Die Jungfrau Maria stelle beim Unterfangen, die richtigen Prioritäten zu setzen, eine große Hilfe dar, weil sie uns wie der Stern, der den Seefahrern leuchtet, immerfort helfe, nicht vom rechten Weg abzukommen.