Die vielen Gesichter des Sonntags der Weltmission

Kardinal Turkson: Afrika soll Europa evangelisieren

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LONDON, 18. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Beim Sonntag der Weltmission gehe es nicht nur um Wirtschaftshilfe für ärmere Nationen, sondern zuallererst darum, jedem Menschen eine ganz persönliche Gottesbeziehung zu ermöglichen, betonte Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, Erzbischof von Cape Coast in Ghana, im Gespräch mit ZENIT. Die Gläubigen in Afrika hätten die Pflicht, die Kirche in Europa in dieser Hinsicht zu unterstützen.



Der Kardinal hält sich in dieser Woche in Großbritannien auf, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu vertiefen und die Bedeutung des Sonntags der Weltmission zu unterstreichen. Dieser Tag wird in Deutschland am 28. Oktober begangen. In Österreich und der Schweiz wird er, wie in den meisten anderen Nationen, bereits am kommenden Sonntag (21. Oktober) begangen.

„Meine Hauptsorge ist es, die Perspektive von Mission in der Kirche zu entfalten“, erklärte Kardinal Turkson. „Dieses Ziel kann nicht einfach mit Entwicklung und Wirtschaftshilfe in der südlichen Hemisphäre gleichgesetzt werden. Das Anliegen der Mission liegt in der Verbreitung des Evangeliums und des Glaubens an Jesus. Und das nimmt in verschiedenen Ländern ganz unterschiedliche Formen an.“

In Indien, Lateinamerika und Afrika etwa sei für die Verkündigung der Frohbotschaft „strukturelle Unterstützung“ vonnöten, fuhr der Kardinal fort. „Es gibt auch Gegenden, in denen die Verkündigung des Evangeliums die Form der bloßen Präsenz, des Lebenszeugnisses annimmt wie in Nordafrika und dem Nahen Osten. Dort genügt zum Beispiel schon so etwas Einfaches wie die Bibel dabei zu haben. In diesem Fall ist das Zeugnis eingebettet in das Leben des Zeugen.“

In China und Ländern mit ähnlicher Konstellation hätten die Menschen die Möglichkeit, sich zu äußern, allerdings nur in einem eingeschränkten Rahmen. Daher müssten dort neue Wege gefunden werden.

Der 59 Jahre alte Kardinal wies gegenüber ZENIT darauf hin, dass die Missionstätigkeit Europas im Hinblick auf Afrika äußerst großzügig gewesen sei. Nun sei es an der Zeit, dass die Kirche in Afrika ihren Beitrag für die Evangelisierung Europas leiste und sich so an der weltweiten Mission der Kirche beteilige.

In Ghana, der Heimat von Kardinal Turkson, steht ein Priester für 2.400 Katholiken zur Verfügung. „Daher reden wir nicht über einen Austausch von Personal, da wir noch nicht über einen Überschuss verfügen, sondern es geht um die Anerkennung, dass wir eine Weltkirche, eine gemeinsame Kirche bilden. Wir müssen – soweit es uns möglich ist – auf die Bedürfnisse der Menschen antworten, weil wir ja erkennen, was unser Bruder und unsere Schwester braucht.“

Garant für eine fruchtbare Evangelisierungsarbeit in Europa ist nach Worten von Kardinal Turkson eine fundierte Priesterausbildung. In Afrika sei die Kirche „das Produkt einer missionarischen Evangelisierung“: Missionare hätten den Menschen das Wesentliche des Glaubens in lebendiger Weise nahe gebracht, so dass sie es mit anderen teilen konnten. „Wenn ein Priester über Umkehr predigen soll, so kann er das nicht, wenn er sie persönlich gar nicht erlebt hat.“

Weil das Angebot der Liebe Gottes und der Reichtum all dessen, was die Kirche zu bieten hat, oft nur kalt, theoretisch und unzureichend vermittelt würde, kehrten viele Katholiken ihrer Kirche den Rücken und wendeten sich anderen Gruppen zu, erklärte der Kardinal.

„Was wir brauchen, ist die Erfahrung der Liebe Gottes für uns in Jesus Christus – und das nicht nur vom Hörensagen, sondern gelebt und erfahren! Wenn das der Fall ist, dann macht der Mensch eine Erfahrung, die bleibend ist.

Wir müssen neue Wege entdecken, um die Menschen zum Glauben einzuladen und nicht nur, um über ihn zu philosophieren. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, eine Beziehung zu Gott aufzubauen.“