Die Vorschläge der Synodenväter an Benedikt XVI.

Erstmals werden die \"propositiones\" der Bischofssynode veröffentlicht

| 153 klicks

ROM, 24. Oktober 2005 (ZENIT.org).- Die Vorschläge der am Sonntag zu Ende gegangenen Bischofssynode über \"Die Eucharistie – Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche\", die Benedikt XVI. am Samstag überreicht worden sind, liegen zum ersten Mal in der Geschichte der Bischofssynode öffentlich vor. Eine deutsche Übersetzung des lateinischen Originals ist zwar zurzeit noch nicht vorhanden, aber eine inoffizielle italienische.



Die von den 252 Synodenvätern aus 118 Ländern erstellten 50 \"propositiones\" sind das Ergebnis der dreiwöchigen Beratungen, die vom 3. bis zum 23. Oktober stattgefunden haben, und bilden die Grundlage für das nachsynodale Apostolische Schreiben, in dem Papst Benedikt XVI. die Ergebnisse der XI. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode über die Eucharistie zusammenfassen wird, um – wie er am Sonntag beim Angelusgebet auf dem Petersplatz angekündigt hat – dem \"Gesicht der katholischen Gemeinde\", die im Geheimnis der realen Gegenwart Christi in der Eucharistie ihre ganze Kraft schöpft, Profil zu verleihen.

Im Folgenden bieten wir einen Überblick über die Inhalte der 50 \"propositiones\":

Nach der Bitte, der Papst möge die Ergebnisse der Synodalversammlung in einem eigenen Dokument zusammenfassen, in dem genauer auf die Bedeutung und das Wesen der Eucharistie eingegangen wird, erwähnen die Delegierten in Vorschlag Nummer zwei den \"segensreichen Einfluss der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils für das Leben der Kirche und der Eucharistie\".

In ihrem sechsten Vorschlag fordern sie nachdrücklich \"zur eucharistischen Anbetung\" auf, um anschließend (\"Vorschlag 7\") auf die tiefe Verbindung zwischen \"der Eucharistie und dem Sakrament der Versöhnung\" hinzuweisen und daran zu erinnern, dass ein \"würdiger Kommunionempfang den Stand der Gnade voraussetzt\".

Für wiederverheiratete Geschiedene gilt, dass sie – insofern ihre Lebensumstände \"im Widerspruch zum christlichen Verständnis der Ehe\" stehen – zwar nicht zur Kommunion gehen könnten, aber genauso wie alle übrigen Gläubigen zur Gemeinde gehörten. Ihnen müsse eine besonders feinfühlige Begleitung zuteil werden (vgl. \"Vorschlag 8\" und \"Vorschlag 40\"): \"Entsprechend der Tradition der katholischen Kirche können sie nicht zur heiligen Kommunion zugelassen werden, weil sie sich in einer Lage befinden, die dem Wort des Herrn objektiv widerspricht, der die Ehe mit der Unauflöslichkeit, die ihr von Anfang an innewohnt, verknüpft hat.\" Die Synodenväter laden alle wiederverheirateten Geschiedenen ein, sich am Leben der Kirche voll zu beteiligen.

In Vorschlag Nummer zehn bitten die Mitglieder der Bischofssynode um ein offizielles kirchliches Dokument, in dem der wesentliche Unterschied zwischen der Heiligen Messe und dem Wortgottesdienst klar erläutert wird.

Um dem Problem des Priestermangels begegnen zu können, werden in Vorschlag Nummer elf \"wirksame pastorale Initiativen\" angeregt. Hinsichtlich einer Priesterweihe für so genannte \"viri probati\" [verheiratete Männer, deren Tugendhaftigkeit erprobt ist, Anm. d. Red.] heißt es ausdrücklich: \"Dieser Vorschlag wurde als Weg betrachtet, der nicht eingeschlagen werden sollte.\" Der Zölibat wird unterdessen als \"unschätzbares Geschenk\" angesehen. Die Bischöfe sollten sich verstärkt als bisher um die Förderung von \"Berufungen zum Priestertum\" bemühen, und die Priester selbst sollten die eigene Berufung neu entdecken und mit neuer Begeisterung leben. Man dürfe keine Angst haben, die Jugendlichen zu überfordern, wenn man ihnen die Nachfolge Christi in ihrer ganzen Radikalität vor Augen stelle, schreiben die Synodenväter. Außerdem gelte es, \"die Familie zu sensibilisieren, die in einigen Fälle der priesterlichen Berufung des eigenen Sohnes eher gleichgültig gegenübersteht oder sogar ganz dagegen ist\". In der ganzen Kirche müsse das Gebet für neue Berufungen gepflegt werden.

In Vorschlag Nummer 17 wird die Erstellung eines \"Kompendiums über die Eucharistie\" empfohlen, in dem die liturgischen, dogmatischen und katechetischen Aspekte der Eucharistie dargelegt werden, \"um zu helfen, einen eucharistischen Glauben und eine eucharistische Frömmigkeit zu entwickeln\".

In Bezug auf die Heilige Messe stellen die Synodenväter in Vorschlag Nummer 23 die Frage, ob der Friedensgruß \"nicht in einem anderen Augenblick der Eucharistiefeier stattfinden\" könne und ob man dabei nicht auch ältere Gewohnheiten in Betracht ziehen sollte. Sie geben zu Bedenken, dass der Friedensgruß vor dem Kommunionempfang zuweilen vom Wesentlichen ablenken könne. Die Entlassungsformel \"Gehet hin in Frieden\" (\"Ite missa est\") sollte ebenfalls überdacht werden, um \"die Sendung der Gläubigen, die an der Eucharistiefeier teilgenommen haben, stärker zu betonen\" (vgl. \"Vorschlag 24\").

Unter Punkt 41 wird daran erinnert, dass die Eucharistie \"Symbol der vollen Gemeinschaft mit der Kirche ist\". Angesichts dieser Tatsache sei \"die eucharistische Gemeinschaft mit Nicht-Katholiken im Allgemeinen nicht möglich\". Zugleich erklären die Synodenväter aber, dass angesichts der persönlichen Erlösung die Zulassung von nicht-katholischen Christen zur Eucharistie, zum Sakrament der Buße und zur Krankensalbung in besonderen Ausnahmesituationen unter bestimmten Bedingungen möglich ist und sogar empfohlen wird\". Diese Bedingungen würden in den Dokumenten des Päpstlichen Lehramts sowie im Kirchenrecht klar erklärt werden.

In Vorschlag Nummer 46 werden die katholischen Politiker zur \"eucharistischen Kohärenz\" aufgefordert und an ihre \"große gesellschaftliche Verantwortlichkeit\" erinnert, wenn es um die Verabschiedung verwerflicher Gesetze geht.

In \"Vorschlag 47\" wird auf das Thema \"Eucharistie und Ökologie\" eingegangen, in Nummer 48 auf die \"soziale Dimension der Eucharistie\" und in Nummer 49 auf den \"Zusammenhang zwischen Eucharistie und Versöhnung derjenigen Völker, die miteinander in Konflikten stehen\".

Die \"propositiones\" schließen mit einer Würdigung Mariens als der \"eucharistischen Frau\" – ein Ausdruck, den Papst Johannes Paul II. geprägt hat.