Die Wahlurnen im Konklave: eine alte Tradition, die sich erneuert

Kurze Geschichte der Hilfsmittel und Symbole bei der Papstwahl

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 1132 klicks

Das Konklave steht vor der Tür. Die Kirche ist in der Phase der Sedisvakanz, diesmal nicht wegen des Todes, sondern aufgrund des Rücktritts des Papstes. Dieser Umstand hat dazu beigetragen, dass die Aufmerksamkeit der Medien für dieses Konklave weltweit auf allerhöchstem Niveau steht.

Während die Zeitungen der ganzen Welt sich bemühen, über jede Einzelheit der verschiedenen Phasen der Prozedur zu berichten, die zur Wahl des nächsten Papstes führen wird, versuchen die einfachen Menschen voller Faszination, sich die 116 roten Biretten vorzustellen, wie sie vor der Sixtinischen Kapelle zum Heiligen Geist beten, damit er ihnen Klarheit über den Namen verschaffe, den sie wählen sollen.

Der spannendste Augenblick im Konklave ist ganz sicher das „Scrutinium“. Es beginnt damit, dass die Zeremonienmeister jedem wahlberechtigten Kardinal zwei oder drei Stimmzettel zuteilen. Der letzte Kardinaldiakon wählt durch zufällige Losung drei „Infirmarii“ aus, die die Aufgabe haben, die Stimmzettel der kranken Kardinäle abzuholen, die sich statt in der Sixtinischen Kapelle in der Domus Sanctae Marthae versammeln.

Danach schreibt jeder wahlberechtigte Kardinal auf seinen Stimmzettel, unter die Formel „Eligo in Summum Pontificem“, den Namen des Kardinals, den er für fähig hält, die Rolle des obersten Hirten der Weltkirche zu übernehmen.

Jeder Kardinal geht dann einzeln, den gefalteten Stimmzettel gut sichtbar in der Hand, zum Altar, auf dem die mit einem Teller abgedeckte Wahlurne steht. Vor Michelangelos Fresko des Jüngsten Gerichts legt er den Schwur ab, deponiert den Stimmzettel auf dem Teller und lässt ihn dann durch anheben des Tellers in die Urne gleiten. Anschließend kehrt er zu seinem Platz zurück.

Nachdem der letzte Stimmzettel abgegeben wurde beginnt die Auszählung. Ein Wahlhelfer schüttelt die Urne, um die Stimmzettel zu vermischen, während ein anderer Wahlhelfer die Zettel zählt, indem er sie der Wahlurne einzeln entnimmt und in einer kleineren Urne deponiert. Wenn die Anzahl der abgegebenen Wahlzettel nicht mit der Zahl der anwesenden Kardinäle übereinstimmt, werden die Zettel verbrannt, ohne ausgewertet zu werden.

Die Tradition der beiden Urnen, in denen die Stimmzettel abgegeben werden, gehört zu den ältesten Traditionen, die die Kirche bezüglich der Papstwahl besitzt. Davon legt unter anderem ein Bildteppich Zeugnis ab, der in den vatikanischen Museen aufbewahrt wird und eine Episode darstellt, die in der Chronik zur Papstwahl Urbans VIII. (1623-1644) festgehalten ist. Damals fehlte bei der Auszählung ein Stimmzettel.

Auf der rechten Seite des Teppichs sieht man einen der Wahlhelfer, der suchend in eine große kelchförmige Urne blickt, als wolle er sich vergewissern, dass der fehlende Stimmzettel nicht doch darin sei.

Ein Kelch, der dem auf dem Bildteppich dargestellten sehr ähnlich ist, wird zusammen mit einer kleineren Urne in der päpstlichen Sakristei der Sixtinischen Kapelle aufbewahrt. Es sind die beiden Urnen, die bei jeder Papstwahl des letzten Jahrhunderts benutzt wurden, bis einschließlich dem Konklave, das Johannes Paul II. wählte.

Mit der Veröffentlichung der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici Gregis“ im Jahr 1996 wies Papst Johannes Paul II. auf die Notwendigkeit hin, die Urnen den neuen Regeln anzupassen. Zu den traditionellen zwei Urnen musste jetzt noch eine dritte hinzukommen, die von jenen Kardinälen zu verwenden ist, die aus gesundheitlichen Gründen verhindert sind, ihre Räume zu verlassen und an den Wahlgängen in der Sixtinische Kapelle teilzunehmen.

Statt nur die fehlende dritte Urne anzufertigen, beschloss man, auch die anderen beiden durch neue zu ersetzen, damit alle drei einen selben Stil aufweisen und durch ein künstlerisches Programm gekennzeichnet seien, dass dem Zweck, für den sie verwendet werden, angemessen ist.

Im fünften Kapitel der erwähnten Apostolischen Konstitution ist auch von einem Teller die Rede, der auf die erste Urne gestellt wird. Jeder Kardinal, so liest man, „legt den Stimmzettel auf den Teller und gibt ihn damit in die Urne.“ Die zweite Urne wird nur im Fall verwendet, dass einer oder mehrere wahlberechtigte Kardinäle wegen Krankheit verhindert sind, ihr Zimmer zu verlassen. Die dritte dient dazu, die ausgezählten Stimmzettel aufzunehmen, die nach Ende der Auszählung verbrannt werden, so dass der vom Petersplatz aus sichtbare Rauch entsteht. Ist er schwarz, teilt er den Gläubigen mit, dass noch keine Mehrheit gefunden wurde; ist er weiß, verkündet er die „große Freude“ der erfolgten Papstwahl.

Die drei Urnen aus Silber und Bronze, Werk des Bildhauers Cecco Bonanotte, tragen verschiedene Symbole, die vom Künstler selbst entworfen wurden. Da ist zuerst ein Hirte mit seiner Herde, der auf die grundlegende Rolle des Papstes als „guter Hirte“ anspielt, der seine Brüder im Glauben an Christus stärkt (vgl. Lk 22,32). Es folgen Vögel, Weizen und Reben als Symbole der Liebe Christi zu Petrus und folglich des Heiligen Vaters zur Kirche. Zuletzt das Brot und der Wein der Eucharistie, die durch den Gedanken der Teilnahme an einem selben Abendmahl den Sinn der Gemeinschaft stärken sollen.