Die wahre Armut ist der Mangel an Hoffnung: Benedikt XVI. empfängt Mitglieder der Päpstlichen Stiftung „Populorum progressio“ für Lateinamerika

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ROM, 14. Juni 2007 (ZENIT.org).- Seit dem 12. Juni tagte der Verwaltungsrat der unabhängigen Päpstlichen Stiftung „Populorum progressio“ im Vatikan. Aufgabe der Stiftung ist es, sich in den Dienst der Armen der Länder Lateinamerikas zu stellen. Seit dem Jahr 1992 habe die Stiftung mehr als 200 Projekte unterstützt. Dies bringt nach den Worten des Präsidenten der Stiftung, Erzbischof Paul Josef Cordes, die wahre Geste der christlichen Solidarität und Nächstenliebe für Bedürftigen zum Ausdruck.



Zum Abschluss der Jahrestagung wurden die Mitglieder des Verwaltungsrates unter Leitung ihres Präsidenten heute von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen.

Papst Benedikt XVI. blickte auf die Gründung der Stiftung im Jahr 1992 durch Johannes Paul II. zurück, der sie der Sorge des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ anvertraut hatte. Johannes Paul II. habe dabei an die indigenen Bevölkerungen gedacht, die in ihren alten Sitten von einer postmodernen Kultur bedroht seien und Gefahr liefen, die Zerstörung der eigenen Traditionen mitzuerleben, die bereit seien, das Evangelium aufzunehmen. Die vor 15 Jahren aufgenommene Arbeit müsse heute fortgesetzt werden, hob der Papst hervor. Dabei sei den Prinzipien zu folgen, die die Bemühungen zugunsten der Würde eines jeden Menschen und des Kampfes gegen die Armut stets ausgezeichnet hätten.

Benedikt XVI. betonte zwei Charakteristiken der Stiftung: „Als erstes muss die Entwicklung der Völker als pastorales Prinzip eine globale anthropologische Sicht des Menschen haben.“ Diese werde von den Statuten der Stiftung als „ganzheitliche Förderung“ bezeichnet, die dem materiellen und sozialen Aspekt des Lebens und der Verkündigung des Glaubens Rechnung trage und dem Menschen die Fülle seines Seins verleihe. „Die wahre Armut des Menschen“, so Benedikt XVI., „besteht im Mangel an Hoffung – in der Abwesenheit eines Vaters, der dem eigenen Leben Sinn gibt.“

Die zweite Charakteristik sei die beispielhafte Arbeitsmethode der Stiftung. Sie gewährleiste, dass die Entscheidungen in den Händen derer lägen, die über die Probleme und konkreten Bedürfnisse der Bevölkerung Bescheid wüssten. Auf diese Weise werde „auf der einen Seite ein gewisser Paternalismus vermieden, der immer für die Armen erniedrigend ist und ihre Initiativen behindert“. Auf der anderen Seite gelangten alle Gelder direkt „zu den Ärmsten, ohne sich in den Mäandern der Bürokratie zu verlieren“.

Der lateinamerikanische Kontinent ist in den Augen des Papstes „ein Teil der Welt, der reich an natürlichen Ressourcen ist, wo das Auseinaderdriften des Lebensstandards einem Geist der gemeinsamen Güterteilung weichen muss“.

Zum Abschluss bekräftigte Benedikt XVI.: „Angesichts der Säkularisierung, der Verbreitung der Sekten und der Armut so vieler Brüder ist es dringend erforderlich, eine im Glauben geeinte Gemeinschaft zu bilden wie die Heilige Familie von Nazareth, in der das freudige Zeugnis derer, die dem Herrn begegnet sind, das Licht sind, das alle erhelle möge, die ein würdigeres Leben anstreben.“