Die "Wahrheit der Liebe" von den Dächern verkünden: Benedikt XVI. über den Dienst des Bischofs (1. Juni 2006)

Ansprache an die Teilnehmer der dritten Versammlung des XI. Ordentlichen Rates des Generalsekretariats der Bischofssynode

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ROM, 7. Juli 2006 (ZENIT.org).- "Der Bischof wird in seinem kirchlichen Dasein wirklich dem Bild Christi gleichgestaltet", erklärte Papst Benedikt XVI., als er am 1. Juni einige Mitglieder des Generalsekretariats der Bischofssynode im Vatikan empfing. Die deutsche Übersetzung seiner Ansprache wurde vor wenigen Tagen vom Heiligen Stuhl veröffentlicht.



Der Heilige Vater nutzte die Gelegenheit, um über den Dienst des Bischofs zu sprechen, der in seiner ständigen Sorge um das Wohl der ihm anvertrauten Herde Jesus immer ähnlicher werde. "In unzähligen Bereichen muss die Wahrheit liebevoll verkündet und bezeugt werden; viele Menschen dürsten nach ihr, und wir dürfen sie nicht auf der Suche nach Nahrung verschmachten lassen (vgl. Klgl 4,5). Das ist unsere Sendung, verehrte und liebe Brüder!"

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Verehrte, liebe Mitbrüder im Bischofsamt!

An euch alle, die Mitglieder des XI. Ordentlichen Rates des Generalsekretariats der Bischofssynode, richte ich meinen brüderlichen Gruß, insbesondere an euren Generalsekretär, Erzbischof Nikola Eterović, dem ich dafür danke, dass er eure Empfindungen zum Ausdruck gebracht hat. Eure Anwesenheit lässt mich an die Erfahrung der Synodenversammlung im Herbst 2005 denken, die unter dem Thema "Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche" stand. Jetzt danke ich euch von Herzen für euer Bemühen, die während der letzten Synodenversammlung gemachten Vorschläge zusammenzustellen und zu ordnen.

Das heutige Treffen ist ferner eine günstige Gelegenheit, um nochmals die Bedeutung der Liebe in der Tätigkeit der Hirten der Kirche hervorzuheben. Ich muss sagen, dass mich verschiedene Bischöfe während der "Ad-limina"-Besuche gefragt haben, wann denn nun endlich das nachsynodale Schreiben veröffentlicht werde, worauf ich dann antworte, dass daran gearbeitet wird und es sicher nicht mehr lange dauern kann. Hier sehe ich so zahlreiche dafür zuständige Bischöfe versammelt, dass ich nur hoffen kann, auch selbst den Text in Kürze einsehen und aus ihm lernen zu können, bevor er dann zum Nutzen der ganzen Kirche, die wirklich auf ihn wartet, veröffentlicht werden wird.

"Est amoris officium pascere dominicum gregem" ["Die Pflicht der Liebe soll es sein, die Herde des Herrn zu weiden", Anm. der Red.]: Dieses wunderbare Wort des Bischofs Augustinus ("In Ioannis eu. tract." 123,5; PL 35, 1967) ist auch heute noch eine große Ermutigung für uns Bischöfe, die wir Sorge tragen für die Herde, die nicht uns gehört, sondern dem Herrn. Bei der Erfüllung seines Auftrags sind wir bemüht, die Herde zu schützen, zu nähren und sie zu ihm zu führen, dem wahren Guten Hirten, der das Heil aller Menschen will. Die Herde des Herrn zu nähren ist daher ein Dienst wachsamer Liebe, der vollkommene Hingabe bis zur Erschöpfung der Kräfte erfordert und, falls notwendig, auch das Opfer des eigenen Lebens. Vor allem die Eucharistie ist die Quelle und das Geheimnis der ständigen treibenden Kraft unserer Sendung. Der Bischof wird in seinem kirchlichen Dasein wirklich dem Bild Christi gleichgestaltet, der uns mit seinem Fleisch und seinem Blut nährt. Die Eucharistie gibt dem Hirten Kraft, jene besondere Hirtenliebe zu üben, die darin besteht, dem christlichen Volk die Nahrung der Wahrheit zu geben. Und das in Vorbereitung befindliche Schreiben wird eine dieser Maßnahmen sein, um das Volk Gottes mit der Nahrung der Wahrheit zu speisen, ihm zu helfen, in der Wahrheit zu wachsen, und vor allem um ihm das Geheimnis der Eucharistie nahe zu bringen und es zu einem tiefen und lebendigen eucharistischen Leben einzuladen.

Wenn wir von Wahrheit sprechen, kann vor allem die Wahrheit der Liebe nicht verschwiegen werden, denn sie ist das Wesen Gottes. Sie von den Dächern zu verkünden (vgl. Mt 10,27), ist nicht nur "amoris officium", sondern eine für die Menschen aller Zeiten notwendige Botschaft. Die Wahrheit der dem Evangelium entsprechenden Liebe betrifft jeden Menschen und den ganzen Menschen und verpflichtet den Hirten, sie furchtlos und ohne Einschränkungen zu verkünden, ohne jemals den Forderungen der Welt nachzugeben: "opportune, importune" (vgl. 2 Tim 4,2).

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt, in einer Zeit wie der unseren, die in zunehmendem Maße vom Phänomen der Globalisierung geprägt ist, wird es immer notwendiger, allen Menschen die Wahrheit Christi und seine Heilsbotschaft deutlich und mit Nachdruck zu vermitteln. In unzähligen Bereichen muss die Wahrheit liebevoll verkündet und bezeugt werden; viele Menschen dürsten nach ihr, und wir dürfen sie nicht auf der Suche nach Nahrung verschmachten lassen (vgl. Klgl 4,5). Das ist unsere Sendung, verehrte und liebe Brüder! Möge der Geist des Herrn, auf dessen Empfang am sich nahenden Hochfest Pfingsten wir uns vorbereiten, durch die Fürsprache Marias auf euch herabkommen und euch zu Hirten machen, die immer verfügbarer sind für das, was das Herz Gottes verlangt. Mit diesen Empfindungen segne ich euch alle sowie diejenigen, die eurer pastoralen Sorge anvertraut sind.

[© Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana]