Die Wahrheitsfrage entscheidet über die Zukunft Europas

Benedikt XVI. benennt die Ursache für die „Krise des Westens“

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MARIAZELL, 8. September 2007 (ZENIT.org).- „Wenn es Wahrheit für den Menschen nicht gibt, dann kann er auch nicht letztlich Gut und Böse unterscheiden. Und dann werden die großen und großartigen Erkenntnisse der Wissenschaft zweischneidig“, betonte Papst Benedikt XVI. heute, Samstag, beim Hochamt am Fest Mariä Geburt in Mariazell.



Der Heilige Vater ermutigte während des Festgottesdienstes zur 850-Jahr-Feier des steririschen Marienwallfahrtsortes rund 30.000 Gläubige, „unruhige und offene Herzen“ zu haben und unermüdlich nach Wahrheit streben. Die Christen müssten „Menschen des suchenden Herzens“ sein wie Maria, Josef und die übrigen Heiligen, „die sich nicht in der Gewohnheit einhausten, sondern nach Größerem Ausschau hielten“. Pilgern heiße schließlich, „eine Richtung haben, auf ein Ziel zuzugehen. Dies gibt auch dem Weg und seiner Mühsal seine Schönheit.“

Angesichts einer allgemeinen Ziellosigkeit und der vielfach verbreiteten Annahme, der Mensch könne die Wahrheit nicht erkennen, bekräftigte Papst Benedikt: „In der Tat setzt sich unser Glaube entschieden der Resignation entgegen, die den Menschen als der Wahrheit unfähig ansieht – sie sei zu groß für ihn. Diese Resignation der Wahrheit gegenüber ist meiner Überzeugung nach der Kern der Krise des Westens, Europas.“

Diese Sicht sei im Letzten dafür verantwortlich, dass man Gut und Böse nicht unterscheiden könne und die modernen Errungenschaften nicht nur zum Heil des Menschen gereichten, sondern das sie auch „zu furchtbaren Bedrohungen, zur Zerstörung des Menschen und der Welt werden“.

Der Heilige Vater nahm sich nicht aus, als er bekannte, dass wir aufgrund unserer Geschichte Angst davor haben, „dass der Glaube an die Wahrheit Intoleranz mit sich bringe“. Doch er merkte an: „Wenn uns diese Furcht überfällt, die ihre guten geschichtlichen Gründe hat, dann wird es Zeit, auf Jesus hinzuschauen, wie wir ihn hier im Heiligtum zu Mariazell sehen.“