Die Welt als Leihgabe Gottes an die Menschen

Pressekonferenz der Caritas zu der aktuellen Jahreskampagne 2014 - Weit weg ist näher als du denkst

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 376 klicks

Im Berliner Büro der Caritas fand heute eine Pressekonferenz zu der aktuellen Jahreskampagne 2014 mit dem Thema „Weit weg ist näher als du denkst“ statt. Caritas-Präsident Peter Neher betonte die Verantwortung jedes einzelnen von uns für die Umwelt und faire Handelsbedingungen.

„Unsere Welt ist längst zum Dorf geworden; das schätzen wir, wenn wir weltweit miteinander im Kontakt sein können – aber deshalb sind wir auch füreinander verantwortlich! Die Bedeutung des eigenen Handelns zu erkennen und sich seiner Wirkungen bewusst zu werden, ist eines der Ziele, das wir mit dieser Kampagne verbinden. Als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche möchten wir an die besondere Rolle erinnern, die uns Menschen im Umgang mit der Welt zukommt: Verantwortungsvoll und fürsorglich mit allem Leben auf dieser Erde umzugehen“, wie Caritas-Präsident Neher ausführte.

Für viele Menschen sei ein Leben ohne Auto nicht mehr vorstellbar. Das Ergebnis sei die Gefährdung des ökologischen Gleichgewichts. Der Klimawandel verursache schreckliche Naturkatastrophen. Wie das Auto sei auch das Smartphone für die meisten Menschen zu einem lebensnotwendigen Utensil. Doch der Großteil von ihnen wisse nicht, dass für die Produktion des Handys Tatal erforderlich sei, das aus dem Rohstoff Coltan oft unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen werde. Ein wichtiger Punkt sei deshalb das Recycling alter technischer Geräte. Auf diese Weise könnten die Rohstoffe wiederverwertet und der Elektroschrott reduziert werden. Die Caritas in Deutschland leiste dazu ihren Beitrag mit der Aktion „CaritasBox“: „Dabei werden die über die Caritas gesammelten aussortierten Mobiltelefone in Deutschland überprüft. Sind sie noch funktionsfähig, werden sie hier an Zwischenhändler verkauft, ansonsten im Inland recycelt.“ Für die Konsumenten müssten Waren, die unter fairen Bedingungen hergestellt worden sind, auch sofort als solche zu erkennen sein.

Ein weiterer Punkt, den Caritas-Präsident Neher ansprach, war die Asylpolitik in Europa: „Noch immer ist es der Europäischen Union nicht gelungen, zu einer gemeinsamen Asylpolitik zu kommen. Angesichts der vielen hundert Toten vor der Insel Lampedusa war die Betroffenheit der Politiker, aber auch vieler EU-Bürger groß. Doch für die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen muss immer wieder neu in den Ländern der EU, aber auch hier bei uns, geworben werden. Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben ‚Evangelii Gaudium‘ klare Worte gefunden: ‚Die Migranten stellen für mich eine besondere Herausforderung dar, weil ich Hirte einer Kirche ohne Grenzen bin, die sich als Mutter aller fühlt. Darum rufe ich die Länder zu einer großherzigen Öffnung auf, die, anstatt die Zerstörung der eigenen Identität zu befürchten, fähig ist, neue kulturelle Synthesen zu schaffen. Wie schön sind die Städte, die das krankhafte Misstrauen überwinden, die anderen mit ihrer Verschiedenheit eingliedern und aus dieser Integration einen Entwicklungsfaktor machen!‘“

Zum aktuell diskutierten Thema der Arbeitsmigration äußerte Neher: „Im Bereich der Arbeitsmigration zeigen sich die globalen Verflechtungen eindrücklich.“ Häufig seien Familien bei der Pflege ihrer Angehörigen auf Hilfe angewiesen. Frauen aus Ost- und Mitteleuropa nähmen oft diese Aufgaben wahr. Unerlässlich sei, dass ihnen „geregelte und verlässliche Arbeitsbedingungen und eine tarifliche Entlohnung“ sicher seien. Mangels Lösungen seitens der Politik habe die „Caritas in Projekten Lösungen für die betroffenen Familien und die osteuropäischen Pflege- und Haushaltshilfen entwickelt. So haben die Caritas in Paderborn und die polnische Caritas gemeinsam ein Konzept erarbeitet, das eine Pflege rund um die Uhr und faire Arbeitsbedingungen bei uns ermöglicht und eine Versorgung für die Kinder im Herkunftsland sicherstellt.“

Caritas-Präsident Peter Neher mahnte abschließend: „Denn die Welt ist eine Leihgabe Gottes an uns Menschen, sie ist seine Schöpfung. Wer von ‚Schöpfung‘ spricht, verpflichtet sich zu einem verantwortlichen Umgang mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und mit seiner Umwelt. Wenn die Kampagne des Deutschen Caritasverbandes dazu einen Beitrag leisten kann, wäre viel erreicht.“