Die Welt braucht Gott: Benedikt XVI. über die Adventzeit und seine neue Enzyklika

„Auf Christus hoffen wir; er ist es, den wir erwarten!“

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ROM, 3. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Sonntag, zum Angelus gehalten hat.

Der Heilige Vater rief am ersten Adventsonntag zur Vorbreitung auf Weihnachten auf. Die einzige Hoffnung, die die Sehnsucht des menschlichen Herzens ausfüllen kann, bestehe darin, Gott zu kennen, und zu wissen, dass er das Herz eines guten und barmherzigen Vaters hat.

„Jesus hat uns mit seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung das Antlitz dieses Vaters geoffenbart; das Antlitz eines Gottes, der in der Liebe derart groß ist, dass er uns eine unerschütterliche Hoffnung mitteilt, der nicht einmal der Tod etwas anhaben kann, da sich das Leben dessen, der sich diesem Vater anvertraut, der Perspektive der ewigen Seligkeit öffnet“.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Mit diesem ersten Adventssonntag beginnt ein neues liturgisches Jahr: Das Volk Gottes macht sich erneut auf den Weg, um das Geheimnis Christi in der Geschichte zu leben. Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (vgl. Hebr 13,8). Die Geschichte hingegen ändert sich, was eine ständige Evangelisierung notwendig macht; sie muss in ihrem Inneren erneuert werden, und die einzige wahre Neuheit ist Christus: Er ist ihre volle Erfüllung, die helle Zukunft des Menschen und der Welt. Auferstanden von den Toten, ist Jesus der Herr, dem Gott alle Feinde unterwerfen wird, den Tod mit eingeschlossen (vgl. 1 Kor 15,25-28). Der Advent ist somit eine günstige Zeit, um in unseren Herzen die Erwartung nach dem zu wecken, „der ist und der war und der kommt“ (Off 1,8).

Der Sohn Gottes ist schon vor nunmehr 20 Jahrhunderten nach Bethlehem gekommen; in jedem Augenblick kommt er in jene Seele und Gemeinde, die bereit ist, ihn zu empfangen, und er wird am Ende der Zeiten erneut kommen, um die „Lebenden und die Toten zu richten“. Der Gläubige ist daher immer wachsam und von der innigen Hoffnung beseelt, dem Herrn zu begegnen, wie der Psalm sagt: „Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen“ (Ps 130,5-6).

Dieser Sonntag ist also ein besonders geeigneter Tag, um der ganzen Kirche und allen Menschen guten Willens meine zweite Enzyklika anzubieten, die ich gerade dem Thema der christlichen Hoffnung widmen wollte. Ihr Titel ist Spe salvi, da sie mit einem Wort des heiligen Paulus anhebt: „Spe salvi facti sumus – Auf Hoffnung hin sind wir gerettet (Röm 8,24).

In diesem wie in anderen Abschnitten des Neuen Testaments ist das Wort „Hoffnung“ eng mit dem Wort „Glaube“ verbunden. Sie ist ein Geschenk, welches das Leben dessen verändert, der es empfängt, wie die Erfahrung vieler Heiliger zeigt. Worin besteht diese Hoffnung, die so groß und „vertrauenswürdig“ ist, dass sie uns sagen lässt: In ihr haben wir das „Heil“?

Sie besteht im Grunde in der Kenntnis Gottes, in der Entdeckung seines Herzens als das Herz eines guten und barmherzigen Vaters. Jesus hat uns mit seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung das Antlitz dieses Vaters geoffenbart; das Antlitz eines Gottes, der in der Liebe derart groß ist, dass er uns eine unerschütterliche Hoffnung mitteilt, der nicht einmal der Tod etwas anhaben kann, da sich das Leben dessen, der sich diesem Vater anvertraut, der Perspektive der ewigen Seligkeit öffnet.

Die Entwicklung der modernen Wissenschaft hat den Glauben und die Hoffnung immer mehr in die Sphäre des Privaten und Individuellen zurückgedrängt, so dass es heute auf evidente und teilweise dramatische Weise sichtbar wird, dass der Mensch und die Welt Gott brauchen – den wahren Gott! Andernfalls bleiben sie ohne Hoffnung.

Die Wissenschaft hat großen Anteil am Wohl der Menschheit, das steht außer Zweifel, es liegt allerdings nicht in ihrer Macht, sie zu erlösen. Der Mensch wird durch die Liebe erlöst, die das persönliche und soziale Leben gut und schön macht. Aus diesem Grund wird die große Hoffnung, jene volle und endgültige Hoffung, von Gott gewährleistet – von dem Gott, der die Liebe ist, der uns in Jesus aufgesucht und uns das Leben geschenkt hat. Und in ihm wird er am Ende der Zeiten zurückkehren.

Auf Christus hoffen wir; er ist es, den wir erwarten! Mit Maria, seiner Mutter, geht die Kirche dem Bräutigam entgegen: Sie tut dies mit Werken der Nächstenliebe, da sich die Hoffnung wie der Glaube in der Liebe zeigt. Allen einen guten Advent!

[Nach dem „Engel des Herrn“ erklärte der Heilige Vater auf Deutsch:]

Einen frohen Gruß richte ich an alle Pilger und Besucher deutscher Sprache; und insbesondere grüße ich heute die Gäste aus Ruhpolding. Die Lesungen der Liturgie an diesem ersten Adventssonntag rufen uns auf, dass wir uns Christus zuwenden, dem Licht, das für alle Menschen leuchtet. Nehmen wir Ihn in uns auf und werden wir selbst zum Licht mit unserer Bereitschaft, dem Nächsten die Güte Gottes zu zeigen. So wird in uns und um uns Advent, Anbruch der Zeit, die die Liebe Christi sichtbar werden lässt. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Advent.

[ZENIT-übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]