Die Welt mit Kinderaugen sehen

Buchübergabe der CCEE im Anschluss an die Generalaudienz

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 2030 klicks

Am Ende der heutigen Generalaudienz überreichte eine Delegation des „Council of European Episcopal Conferences“ (CCEE) Papst Franziskus ein Buch mit Zeichnungen und Briefen von Kindern aus insgesamt 42 europäischen Ländern. Der Delegation gehörten der Erzbischof von Đakovo-Osijek (Kroatien) und Präsident der CCEE-Kommission für Katechese, Schule und Universität, Msgr. Đuro Hranić, der stellvertretende Generalsekretär der CCEE, Don Michel Remery, sowie Vasile S., ein Kind aus der Moldau, an. Vasile war Botschafter aller Kinder aus Europa, die wie er in der Peripherie einer europäischen Stadt oft unter schwierigen und tragischen Bedingungen leben; ihn begleitete der Bischof von Chişinău (Moldauische Republik), Msgr. Anton Cosa. Damit ist das Buch auch eine Antwort auf die Aufforderung von Papst Franziskus, in die Peripherien der Städte zu gehen. Die Kinder wenden sich mit ihren Zeichnungen und Texten direkt an den Papst und gleichzeitig an alle Gläubigen. Ihre Beiträge laden dazu ein, „die Welt mit Kinderaugen zu betrachten, mit Augen der Hoffnung“, wie es in der Pressemitteilung der CCEE heißt.  

Die Idee zu dem Projekt entstand unmittelbar nach der Wahl des neuen Papstes, der – so seine eigenen Worte – vom Ende der Welt kam. Gerade deshalb habe man, so die Pressemitteilung der CCEE, Papst Franziskus über die Situation der Kirche in Europa, „die Freude, Trauer und Sorgen der Menschen von heute“, in Europa informieren wollen. Auf rein pastorale oder institutionelle Aspekte wollte die CCEE den Bericht aber nicht beschränken, sondern ließ stattdessen Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren die Welt mit ihren Augen beschreiben.

Im Vorwort zu dem Buch schreibt Msgr. Hranic, der für die Zusammenstellung der Beiträge verantwortlich war, dass bei der Lektüre der Texte und dem Betrachten der Zeichnungen „eine authentische und junge Kirche“ zum Vorschein trete. Die Kirche, wie die Kinder sie beschrieben, sei eine einfache Kirche, die die Grundbotschaft des Evangeliums vermittle: „sich von Herzen dem anderen anvertrauen, Christus in der Welt.“ Obwohl viele der Kinder aus sehr schwierigen familiären Verhältnissen stammten, schauten sie mit Hoffnung auf die Zukunft, weil sie sich aufgehoben und angenommen fühlten von den Menschen, die sich liebevoll um sie kümmerten. An ihrem Beispiel könnten und sollten auch wir Erwachsene uns ein Beispiel nehmen, so Msgr. Hranic abschließend.

Die Beiträge der Kinder, die von einem kurzen Einführungstext begleitet werden, bestechen durch ihre Offenheit und Ehrlichkeit. Sie scheuen sich nicht, dem Papst ihre Gedanken und Gefühle mitzuteilen. Clément aus Rennes ist acht Jahre alt und lädt Papst Franziskus mit seiner gemalten Karte zu einem Besuch in Frankreich ein; der zehnjährige Jeff aus Holland ist besorgt um die Umwelt und die sozialen Probleme; die kleine Dominika aus Polen berichtet glücklich, nun eine kleine Schwester zu haben. Daniela ist zwölf Jahre alt, stammt aus Italien und lebt in Istanbul. In ihrer Zeichnung erzählt sie Papst Franziskus von ihrer Erstkommunion. Der elfjährige Vasile, der heute bei der Übergabe des Buches anwesend war, ist Waise und lebt mit seiner Schwester im Familienhaus „Regina Pacis“, das von der Stiftung „Regina Pacis“ in Chişinău geleitet wird.  

Vasile schreibt:

„Lieber „Papa“ Franziskus,

meine Schwester sagte mir, dass ich Dich „Papst“ nennen müsse, weil Du eine wichtige Person bist, aber ich weiß nicht, was „Papst“ bedeutet, und deshalb nenne ich Dich „Papa“. Meine Mama und meine Schwester sind wichtige Menschen für mich, auch wenn wir eine arme Familie waren, hier in der Moldau. Meine Mama lebt nicht mehr, weil böse Menschen ihr Leid zugefügt haben. Aber ich will Dir sagen, dass ich jeden Tag zum Essen in eine Mensa gehe, die Deinen Namen trägt „Papst Franziskus“; und ich schicke Dir auch ein Foto von mir in der Küche, weil uns ein Priester von der Straßeaufgelesen hat, wo wir in Chişinău lebten. Er gab uns ein Haus zum Schlafen, und wir essen, was er uns in „Deiner“ Küche kocht. Weil dort, wo ich esse, geschrieben steht „Papst Franziskus“,ist es Dein Haus. Ich bin zufrieden, auch wenn man mir meine Mamma entrissen hat; ich habe ein Zuhause gefunden, Deine Küche, viele Freunde, der Priester und wir alle leben gut zusammen; wir gehen zur Schule, wir sind sauber, und ich habe sogar ein Fahrrad. Papst Franziskus, bitte schicke mir ein Foto von Dir, dann hänge ich es an meinem Schlafplatz auf, und auch ich kann sagen, einen Vater zu haben? Ich verspreche Dir, dass ich, wenn Du mir das Foto schickst, meine Hausaufgaben machen werde. Der Priester erzählt uns samstags von Gott, und es gefällt mir, dann singen wir, spielen und essen Pizza in Deiner Küche. Papst Franziskus, ich möchte Dir ein Geschenk machen: Ich habe ein kleines Kreuz für Dich gemacht. Schau, da ist ein Kind auf dem Kreuz, das lacht, weil der Priester uns immer sagt, dass man lächeln muss, auch wenn man leidet. Tschüss, Papst Franziskus. Vasile.“