"Die Welt soll sich davon überzeugen, dass Venezuela wirklich leidet"

Der Präsident der venezolanischen Bischofskonferenz berichtet von der Lage im Land und bittet um Solidarität und Gebete aller Katholiken in der Welt, vor allem von Papst Franziskus

Rom, (ZENIT.org) Thácio Lincon Soares de Siqueira | 233 klicks

Eine nationale Friedenskonferenz ist in Venezuela von Präsident Nicolas Maduro für Mittwoch, den 26. Februar, gemeinsam mit den Bischöfen der grenznahen Diözesen in Kolumbien einberufen worden. Ziel der Veranstaltung ist es, die soziale Krise zu überwinden, die seit drei Wochen das Land in einen Kriegsschauplatz verwandelt und zahlreiche Tote, Verletzte und ein allgemein gewalttätiges Klima verursacht hat und die Welt den Ausbruch eines Bürgerkriegs fürchten lässt. Die Krise – so berichtet eine lokale Quelle gegenüber der Nachrichtenagentur Fides – bereitet auch in der Grenzzone schwere Probleme, wo die Bevölkerung unter Nahrungs-, Wassermangel und einer teilweisen Sperrung der Kommunikationsmittel leidet. Über alle Punkte sprach ZENIT mit dem Präsidenten der venezolanischen Bischofskonferenz, Msgr. Diego Padron Sanchez, Erzbischof von Cumaná.

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Die ganze Welt beobachtet – anhand der im Internet verbreiteten Fotos und Videos –, was in Venezuela geschieht. Wie erleben die Katholiken diese Momente der Spannung im Land?

Msgr. Sanchez: Die Katholiken, wie der Großteil der Bevölkerung, erleben einen Moment großer Trauer und Angst. Sie sind Zeugen, einige auch am eigenen Leib, der tödlichen Gewalt und Angst, die diese erzeugt. Gleichzeitig aber haben die Katholiken den Glauben in die menschlichen und spirituellen Werte der Menschen und vor allem den Glauben, dass Gott den Regierenden und Leitenden sein Licht gebe, um das Land aus dem Wirbel heraustreten zu lassen, in dem es sich zur Zeit befindet. Deshalb betet die katholische Bevölkerung mit großer Hingabe und Vertrauen.

Ist der Krieg, der in den Medien gezeigt wird, wahr?

Msgr. Sanchez: Die Gewalt in Venezuela ist keine kleine Geschichte. Es gibt viele, zu viele Familien in Trauer um einen Sohn oder ein Familienmitglied, das während eines Angriffs ums Leben gekommen ist. Vor wenigen Tagen töteten zwei Jungen zwei betagte Salesianer in einem religiösen Haus in Valencia und verletzten auch den Oberen schwer. Man kann nicht sagen, es gebe einen Bürgerkrieg, aber die Gewalt übersteigt jede Grenze: 2013 haben etwa 25.000 Personen hier im Land einen gewaltsamen Tod gefunden.

Wie muss sich in diesem Augenblick ein Priester oder ein Bischof verhalten, um sein Volk nicht im Stich zu lassen?

Msgr. Sanchez: Wir Priester und Bischöfe stehen auf derselben Stufe wie die Bevölkerung. Das heißt wie alle Menschen, die an Licht-, Nahrungs- und Sicherheitsmangel leiden. Aus den Pfarreien, den Gemeinschaften bis zu den Bischofskonferenzen begleiten wir Priester und Bischöfe und ermutigen die Menschen, die Hoffnung lebendig zu halten. Wir glauben, dass die Menschen die Fähigkeit und die notwendigen Tugenden besitzen, um die Krise zu überwinden, die vor allem eine Krise der Werte ist.

Worum würden Sie in diesem Augenblick die Katholiken in der Welt bitten? Und wenn Sie Papst Franziskus um etwas bitten könnten, was würden Sie ihm sagen?

Msgr. Sanchez: Die anderen Katholiken in der Welt bitten wir, zu beten und sich davon zu überzeugen, dass unsere Gesellschaft wirklich leidet. Papst Franziskus danken wir für seine Sorge um Venezuela und bitten ihn, dass er uns mit seinem Wort und seinem Segen helfe, die Einigung im Land zu suchen.

(Übersetzung aus dem Italienischen von Britta Dörre)