„Die Winterreise“ : Konzert zu Ehren Benedikts XVI. in Castel Gandolfo

Der Papst würdigt Franz Schubert

| 850 klicks

ROM, 25. August 2008 (ZENIT.org).- Der gestrige Sonntag fand für Benedikt XVI. seinen krönenden Abschluss mit einem Konzert. Zu Ehren des Papstes fand in der „Sala degli Svizzeri“ des Apostolischen Palastes von Castel Gandolfo die Aufführung von Franz Schuberts „Die Winterreise“ statt.



Die 24 Lieder nach einem Gedicht von Wilhelm Müller wurden vom vormaligen österreichischen Botschafter am Heiligen Stuhl, Christoph Cornaro, am Pianoforte und Yvonne Timoianu am Violoncello ausgeführt.

In seiner Ansprache nach dem Kammerkonzert dankte der Heilige Vater für das musikalische Geschenk, das tiefe geistliche Emotionen und Eindrücke hervorgerufen habe. Die meisterliche Ausführung der Stücke durch Cornaro und Timoianu hätte es möglich gemacht, den vielförmigen Reichtum der musikalischen Sprache zu verkosten.

Benedikt XVI. ging dann auch näher auf die Musik Schuberts und im Besonderen den Liederkreis der „Winterreise“ ein. 600 Lieder habe der „Liederfürst“ der Nachwelt hinterlassen. Schubert sei es gelungen, die Dichtkunst erklingen und die Musik sprechen zu lassen. In der „Winterreise“ habe Schubert eine Atmosphäre trauriger Einsamkeit zum Ausdruck kommen lassen, die er angesichts seines erschöpften Gemütszustandes besonders wahrgenommen hätte.

Der dichterische Text, der in Schuberts Klanguniversum einsinke, wurde nach Worten Benedikts XVI. in einem melodischen Geflecht interpretiert, das sanft in die Seele dringe und den Zuhörer dasselbe innigste Bedauern empfinden lasse, das der Musiker wahrgenommen hatte, jenen „Ruf der Wahrheiten des Herzens, die jenseits jeder Vernunft gehen“.

Schubert habe ein Fresco geschaffen, „das von aufrichtiger Alltäglichkeit, von Heimweh, Selbstbesinnung und Zukunft spricht“.

Besonders würdigte der Papst die vor ihm ausgeführte Version der „Winterreise“, in der die menschliche Stimme vom Violoncello ersetzt wurde. „Wir hörten nicht die Worte des Gedichts, sondern deren Widerschein und die in ihnen enthalten Gefühle, welchen die fast menschliche Stimme des Violoncellos Ausdruck verlieh.“

Schubert sei ein spontaner und überschäumender Mann gewesen, dem es gelungen sei, auch in diesem Konzert sein Erleben und seine Erfahrung zu vermitteln – ein Genie, „das die europäische Zivilisation und die große Kultur und Spiritualität des christlichen und katholischen Österreichs ehrt“.