Die Wunden Jesu zu küssen, bringt uns unseren schwächsten Mitbrüdern nah

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 370 klicks

Um dem lebendigen Gott zu begegnen, sei es notwendig, vorsichtig die Wunden Jesu zu küssen und in ihnen unsere hungernden, armen, kranken und gefangenen Mitbrüder zu sehen. Der Papst feierte in der heutigen Messe den liturgischen Festtag des Apostels Thomas, an der Priester und Mitarbeiter des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog teilnahmen. Sie wurden von ihrem Präsidenten, Kardinal Jean-Louis Tauran, begleitet.

Als Jesus nach der Auferstehung den Jüngern erscheine, sei Thomas nicht dabei gewesen. Der Papst sagte, der Herr wisse, was er tue. Jedem lasse er die Zeit, von der er glaube, dass sie für ihn die richtige sei. Thomas lasse er eine Woche Zeit. Jesus zeige sich mit seinen Wunden, die er uns bis ans Ende der Welt zeigen werde. Thomas wolle seine Finger in die Wunden halten, um glauben zu können:

„Er war ein Dickkopf. Aber der Herr wollte tatsächlich einen Dickkopf, um uns etwas Größeres verständlich zu machen. Thomas wurde dazu aufgefordert, seine Finger in die Wunde der Nägel des Kreuzes zu halten und die Hand in die Wunde der Seite. Er hat nicht gesagt: ‚Es stimmt, der Herr ist auferstanden!‘ Nein! Er ist darüber hinaus gegangen. Er hat gesagt: ‚Gott!‘. Der erste Jünger, der die Göttlichkeit Christi nach dessen Auferstehung eingesteht.“

Man verstehe, warum der Herr ihn habe warten lasse, so der Papst weiter. Er benutze seine Ungläubigkeit nicht nur, um seine Auferstehung zu bestätigen, sondern auch, um seine Göttlichkeit zu bestätigen. Der Pontifex unterstrich, der Weg hin zu einer Begegnung mit Jesus-Gott seien die Wunden, einen anderen gebe es nicht.

„In der Geschichte der Kirche hat es einige Fehler auf dem Weg hin zu Gott gegeben. Einige haben geglaubt, dass sie den lebendigen Gott, den Gott der Christen, in der Meditation finden. Das ist gefährlich. Wie viele verlieren sich auf diesem Weg und kommen nie an. Vielleicht kommen sie bei einem Bewusstsein für Gott an, aber nicht bei Jesus Christus, Gottes Sohn. Es ist der Weg der Gnostiker, nicht wahr? Sie sind gut, sie arbeiten, aber das ist nicht der richtige Weg.“

Andere denken, erklärte Papst Franziskus, um zu Gott zu gelangen, müssten sie beschämt und ernst sein. Sie hätten den Weg der Buße gewählt. Und auch sie seien nicht bei dem lebendigen Gott angekommen. Aber Jesus sage uns, der Weg um ihm zu begegnen sei, seine Wunden zu finden:

„Und die Wunden Jesu findest du, indem du barmherzige Dinge vollbringst, die du dem Körper – ich unterstreiche: dem Körper – deines Mitmenschen zu Gute kommen lässt. Denn er hat Hunger, Durst, ist ohne Kleidung, ist erniedrigt worden, ein Sklave, im Gefängnis oder im Krankenhaus. Das sind die Wunden Jesu von heute. Und Jesus bittet uns, unseren Glauben über diese Wunden zu bekennen. Jedoch dürfen wir nicht nur Menschenfreunde sein, wir müssen die Wunden Jesu anfassen, sie berühren, sie pflegen und küssen. Denken wir daran, was dem heiligen Franziskus wiederfuhr, als er den Leprakranken umarmte. Das gleiche, was Thomas geschieht: Sein Leben verändert sich. … Bitten wir den heiligen Thomas um die Gnade, den Mut zu haben, mit unserer Zärtlichkeit in die Wunden Jesu einzudringen, und mit Sicherheit werden wir die Gnade haben, den lebendigen Gott anzubeten.“