Die Zentralstellung des Kergyma bei der Verkündigung des Evangeliums (Teil 1)

Dr. Marc De Leyritz von der Alpha-France-Vereinigung im Gespräch über die Neuevangelisierung

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Von Junno Arocho

VATIKANSTADT, 23. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ Die Rolle der innerkirchlichen Bewegungen und Einrichtungen als Wegbereiter der Evangelisierung in der Pfarrgemeinde wurde während der gesamten Bischofssynode schwerpunktmäßig behandelt. Mehreren Gründern und Leitern dieser Einrichtungen erhielten die Möglichkeit, ihre Worte an die teilnehmenden Kardinäle und Bischofe zu richten. Dazu zählten die Vertreter der Alpha-France-Vereinigung.

Die Alpha-Kurse wurden in den späten 1970er Jahren von Rev. Nicky Gumbel in einer anglikanischen Gemeinde in England entwickelt. In den 1990er Jahren wurden sie durch die Vermittlung des damaligen Erzbischofs von Westminster, Kardinal Basil Hume, in den Kontext der katholischen Kirche eingeführt.

Seit diesem Zeitpunkt erfuhren die Alpha-Kurse eine weltweite Verbreitung in über 160 Ländern. Mehr als 20 Millionen Menschen haben bisher an den zehnwöchigen Kursen teilgenommen. Erzbischof Octavio Ruiz, derPräsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, bezeichnete den Kurs als ein „von Gott in unsere Hände gelegtes Werkzeug, diese Neuevangelisierung zu realisieren“. ZENIT bot sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Dr. Marc De Leyritz, der am vergangenen Mittwoch, dem 17. Oktober 2012, gemeinsam mit seiner Frau Dr. Florence De Leyritz einen Redebeitrag an der Bischofssynode leistete.

ZENIT: Was versteht man unter Alpha?

Marc De Leyritz: Ein Alpha-Kurs ist eine zehnwöchige Einführung in den christlichen Glauben. Es handelt sich konkret um ein von der Pfarre eingesetztes Werkzeug, um den Menschen Raum für ein Nachdenken über den Sinn des Lebens zu bieten. In jeder Gemeinde, jeder christlichen Gemeinde, die dies möchte, kann dabei ein sehr wohltuender Ort geschaffen werden, an dem Menschen Unterstützung auf ihrem Weg zu einer lebendigen Beziehung mit Gott erhalten können.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass heute in aller Welt ca. 20 Millionen Menschen an Alpha-Kursen teilgenommen haben. Der Kursbesuch hat zwar nicht immer zu einer Begegnung mit Jesus geführt, doch die überwiegende Mehrheit der Menschen hat uns später mitgeteilt, sich seit dem Kurs regelmäßig dem Bibelstudium zu widmen, regelmäßig zu beten. Viele Menschen berichten uns auch von einer lebendigen und ihr Leben verändernden Begegnung mit Jesus.

ZENIT: Woher rührt diese Betonung des „Kergyma“? Welchen Ursprung hat der Gedanke der Zentralstellung des „Kerymga“ bei der Verkündigung des Evangeliums?

Marc De Leyritz: Alpha entstand vor 30 Jahren in einer anglikanischen Pfarre in England. Forence und ich brachten Alpha zurück nach Frankreich und passten den auf für ein katholisches Umfeld an. Das war eine große Herausforderung, denn alles was aus England stammt, wird in Frankreich zunächst sehr kritisch beäugt. Die Unterscheidung von Kerygma und Katechese spielt jedoch seit den Anfängen, seit der Entstehung der Kirche, eine Schlüsselrolle. Dazu ist die Schilderung des im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte enthaltenen Pfingsttages erhellend. In einer äußerst kurzen Predigt beschreibt der hl. Petrus den Kern des Glaubens. Genau darin, in der Verkündigung dieses Kerns, besteht das Wesen des Kerygma. Die während dieser wenigen Minuten gesprochenen Worte des hl. Petrus trafen die zuhörenden Menschen ins Herz, und sie stellten ihm folgende Frage: „Was sollen wir tun, Bruder?” Er antwortete: „Kehrt um!“ Daraufhin wurden sie getauft. An diesem Tag, dem ersten Tag der Kirche, wurden 3.000 Menschen getauft. Erst damals begann die im Entstehen begriffene Kirche den Menschen bei deren Wachstum in der Jüngerschaft Jesu Christi zu helfen.

Im Enzyklischen Schreiben „Redemptoris Missio“, einem sehr grundlegenden Dokument, und in einer weiteren postsynodalen Exhortation, „Catechesi Tradendae“, wies Papst Johannes Paul [II.] auf diesen Unterschied hin. Er betonte, dass das Kerygma der Katechese vorausgehe. Ebenso verteidigte der Papst das Kerygma als die erste Verkündigung des Evangeliums, in der Begeisterung, Lebendigkeit und Feuer spürbar würden und bei der ein Mann oder eine Frau sich zur Hingabe des eigenen Lebens an Jesus entschließe und ihn als den Herrn erkenne. Dies sei die Voraussetzung für ein Wachstum im christlichen Leben.

Vor 15 Jahren ereilte Florence und mich die Erkenntnis, dass viele Menschen in der katholischen Kirche sich dem Studium des Katechismus halbherzig widmen und seine Bedeutung in ihrem Leben in der heutigen säkularisierten Gesellschaft zunehmend sinkt. Sie gehen dann wieder, denn sie fragen sich: „Was ist darin für mich enthalten?“ Ohne die Liebe Jesu, die Freundschaft mit Gott, Jesus und dem Heiligen Geist ist der Katechismus bedeutungslos, nicht mehr als ein dickes Buch. Wenn die Menschen ihr Herz aber für den Heiligen Geist öffnen und ihn einlassen, beginnen sie Hunger zu empfinden; sie benötigen geistige Nahrung und bekommen die Speise und den Trank, wenn sie den Katechismus besuchen. Aus diesem Grund legen wir den Schwerpunkt auf das Kerygma. Ein Teilnehmer an der Synode zog in einem Interview mit ZENIT, wenn ich mich recht erinnere, den Vergleich mit einem aus zwei Teilen bestehenden Fußballspiel, wobei der erste Teil das Kerygma und der zweite die Katechese ist. Dieser Teilnehmer bat darum, den zweiten Teil nicht vor und vor allem nicht anstelle des ersten Teils zu spielen. Alpha ist daher eine große Hilfe dabei, den ersten Teil voll und ganz darzubieten.

[Teil 2 des Interviews wird am 25. Oktober 2012 veröffentlicht]

[Übersetzung des englischen Originals von Sarah Fleissner]