Die Zentralstellung des Kergymas bei der Verkündigung des Evangeliums (Teil 2)

Dr. Marc De Leyritz von der Alpha-France-Vereinigung im Gespräch über die Neuevangelisierung

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Von Junno Arocho

VATIKANSTADT, 25. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ Die Rolle der innerkirchlichen Bewegungen und Einrichtungen als Wegbereiter der Evangelisierung in der Pfarrgemeinde wurde während der gesamten Bischofssynode schwerpunktmäßig behandelt. Mehrere Gründer und Leiter dieser Einrichtungen erhielten die Möglichkeit, ihre Worte an die teilnehmenden Kardinäle und Bischofe zu richten. Dazu zählten die Vertreter der Alpha-France-Vereinigung.

Die Alpha-Kurse wurden in den späten 1970er Jahren von Rev. Nicky Gumbel in einer anglikanischen Gemeinde in England entwickelt. In den 1990er Jahren wurden sie durch die Vermittlung des damaligen Erzbischofs von Westminster, Kardinal Basil Hume, in den Kontext der katholischen Kirche eingeführt.

Seit diesem Zeitpunkt erfuhren die Alpha-Kurse eine weltweite Verbreitung in über 160 Ländern. Mehr als 20 Millionen Menschen haben bisher an den zehnwöchigen Kursen teilgenommen. Erzbischof Octavio Ruiz, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, bezeichnete den Kurs als ein „von Gott in unsere Hände gelegtes Werkzeug, diese Neuevangelisierung zu realisieren.“ ZENIT bot sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Dr. Marc De Leyritz, der am vergangenen Mittwoch, dem 17. Oktober, gemeinsam mit seiner Frau Dr. Florence De Leyritz einen Redebeitrag an der Bischofssynode leistete.

[Teil 1 dieses Interviews wurde am 23. Oktober veröffentlicht]

ZENIT: Welche Reaktionen hat Ihr Redebeitrag hervorgerufen? Schildern Sie uns Ihren Eindruck von der Stimmung, die danach herrschte.

Dr. Marc Leyritz: Ich habe das Gefühl, dass unsere Worte die Herzen der Menschen ergriffen haben. Da nur wir als Paar einen Vortrag hielten, teilten wir die insgesamt vierminütige Redezeit auf zwei Minuten pro Person auf. Die Bischöfe waren sehr darauf, bedacht, uns beiden genau gleich viel Zeit zur Verfügung zu stellen. In ihren Rückmeldungen bezeichneten viele Bischöfe unseren Beitrag als von Licht und Freude erfülltes Zeugnis und hoben dessen Unkompliziertheit hervor. Dieser letzte Punkt ist ein wesentliches Element der Alpha-Kurse. Glaube ist Freude; die Freundschaft mit Jesus gibt Grund zur Freude. Das Leben eines Christen ist nicht einfacher als das Leben eines anderen Menschen, doch es ist von wahrer Freude gekennzeichnet. Selbst in schwierigen Lagen ist das christliche Leben ein Leben der Freude. Unser Publikum schenkte unseren Worten immer wieder ungeteilte Aufmerksamkeit, war aber weitaus mehr interessiert an den Zeugen, den wirklichen Menschen.

ZENIT: Zum Schluss möchten wir Ihnen noch folgende Frage stellen: Was erhoffen Sie sich von der Synode?

Dr. Marc Leyritz: Bekanntlich hat 40 Jahre vor der nun tagenden Bischofssynode eine weitere Synode zur Evangelisierung stattgefunden, die das im Jahre 1975 veröffentlichte Apostolische Schreiben „Evangelii Nuntiandi“ hervorgebracht hat. Dabei handelt es sich um ein äußerst inhaltsreiches und wirkungsvolles Dokument. Herausragend ist vor allem jenes Kapitel (Kapitel 2), in dem Papst Paul VI. und Karol Wojtyla auf sehr eindrucksvolle Weise einen Vergleich des christlichen Glaubens mit einer Reise herstellten. So durchläuft die zu Beginn getroffene Aussage: “Ich weiß nichts“ oder „Ich bin Atheist oder Agnostiker“ einen Wandlungsprozess und wird zur Erkenntnis: „Ich habe Fragen.“ Diese Fragen ergeben sich im Allgemeinen aus der Begegnung mit einem anderen Christen. Dabei sehen wir uns mit folgendem Rätsel konfrontiert: „Warum ist dieser Mensch so? Ist er anders?“ und wollen tiefer vordringen. Aus einem Atheisten wird man zu einem Fragenden, und dann begegnet man Jesus. Diese Entwicklungsschritte werden bei Alpha häufig beobachtet. Eine Begegnung mit Jesus ist oft aber nicht genug; das Ziel ist eine Verwurzlung in der Gemeinschaft der Kirche, also eine Jüngerschaft. Unserer Erfahrung hat gezeigt, dass die einmal erlangte Jüngerschaft irgendwann das Bedürfnis entstehen lässt, diese mit anderen zu teilen. Der Weg des Menschen gliedert sich in folgende Etappen: Atheist-Fragender-Umkehr-Jüngerschaft-Mission. Ab diesem Punkt geht es immer weiter. Der Rest des Lebens verläuft in einer stets gewundenen Bahn. Kapitel 2 von „Evangelii Nuntiandi“ blieb meiner Meinung nach jahrelang einer der eindringlichsten Texte des katholischen Lehramtes.

Meine Hoffnung im Zusammenhang mit der Synode ist, dass die verfassten Schreiben in unseren Pfarren umgesetzt werden. Sehr wenige Menschen, sehr wenige Pfarren und sehr wenige Gemeinschaften helfen den Menschen bei deren Wachstum auf dieser Reise des Glaubens. Dies rührt daher, dass es trotz der großen Visionen, die vor 40 Jahren ausgesprochen wurden, eine sehr schwierige pastorale Aufgabe für die Priester ist, als Gärtner ein kirchliches Leben zu schaffen, das das Wachstum der Menschen fordert, als Gärtner Pflanzen zu ziehen. In meinem Redebeitrag sprach ich über meinen Traum. Ich wünsche mir, dass die Bischöfe den ersten Schritt tun; sie, die Priester und die an der Kirchenführung beteiligten Laien müssen damit beginnen. Es gilt, Führungskompetenzen zu entwickeln, die Gemeinschaften bilden, in denen diese Reise allen Menschen ermöglicht wird.

Daraus erwachsen uns enorme Vorteile. Die intensiven Bemühungen um die Neuevangelisierung existieren seit 20 Jahren. Sie beginnen nicht erst mit der Synode. Die Vorteile sind greifbar, doch ebenso groß sind die Nachteile. All diese Menschen sind auf der Suche nach Jesus. Solange wir nicht gemeinsam als Kirche auftreten können, die Priester, Bischöfe, Laien und viele dieser Menschen vereint, wird es sich wie im Gleichnis von Jesus und dem Sämann verhalten. Viele Samenkörner werden nicht vom Boden aufgenommen, weil er zu trocken, zu felsig oder von Dornen übersät ist. Das trifft auf viele unserer Pfarren ebenso zu. Wir benötigen also Priester, die den richtigen Boden schaffen. Solange wir durch entsprechende Ausbildung keine größere Anzahl von Priestern hervorbringen, laufen wir Gefahr, all diese Menschen zu verlieren.

[Übersetzung des englischen Originals von Sarah Fleissner]